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Nahost

Kein politischer Posten angestrebt

Nach dem unbestrittenen Führer der irakischen Schiiten, Ayatollah Ali Sistani, ist Abdel Asis al Hakim heute wohl der einflussreichste religiöse Führer des Landes. Ein Porträt von Peter Philipp.

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Abdel Asis al Hakim will Politik und Religion getrennt halten

Hakim ist der Sohn des einst sehr angesehenen Groß-Ayatollahs Muhsin al Hakim und der Bruder von Ayatollah Mohammed Bakir al Hakim, dem Gründer von SCIRI, dem "Obersten Rat für die Islamische Revolution im Irak". Zu den Parlamentswahlen im Irak ist die SCIRI im Rahmen der "Vereinigten Irakischen Allianz" angetreten.

SCIRI ist die größte schiitische Oppositionsbewegung gegen das Regime Saddam Husseins. Sie wurde 1982 in Teheran gegründet - zwei Jahre nachdem Bakir al Hakim dorthin ins Exil gegangen war.

SCIRI unterhielt auch einen bewaffneten Zweig - die "Badr-Brigade", der freilich nie wirklich effektiv gegen das Saddam-Regime eingesetzt werden konnte. Bakir al Hakim und sein Bruder Abdul Asis kehrten zwei Wochen nach dem Sturz Husseins in den Irak zurück und wurden von den Schiiten begeistert empfangen. Beiden schlug aber zunächst erhebliches Misstrauen von Seiten der Amerikaner entgegen, die argwöhnten, sie könnten das iranische Modell einer "Islamischen Republik" auf den Irak übertragen wollen.

Ansprechpartner für Washington

Schiitische Demonstranten in Bagdad

Iraker trauern um Asis Bruder Mohammed Bakir al Hakim

Washington hatte allerdings bereits vor dem Irak-Krieg im Rahmen seiner Gespräche mit den irakischen Exilgruppen auch Kontakte zu SCIRI aufgenommen - obwohl dessen Sitz in Teheran war. Die Amerikaner erkannten relativ bald, dass die Hakims nicht vorhatten, den Iran zu kopieren, sondern dass sie vielmehr der eigentlichen schiitischen Tradition folgen und eine Trennung von Politik und Religion aufrechterhalten wollten.

Ende August 2003 wurde der 63-jährige Mohammed Bakir al Hakim bei einem der ersten schweren Anschläge in der heiligen Stadt Nadschaf ermordet, und sein Bruder Abdel Asis trat seine Nachfolge an. Der jüngere Bruder wurde bald Ansprechpartner für die Amerikaner, nicht aber ihr willfähriger Partner. Er wurde jedoch in den "Regierungsrat" berufen und vertrat dort die Interessen der schiitischen Bevölkerungsmehrheit, er war auch - in Rotation mit den anderen Mitgliedern - Vorsitzender des Regierungsrates.

Der Bruder als Vorbild

Der Ende Mai 2004 ernannten Interims-Regierung unter Ajad Allawi allerdings gehört Abdel Asis Hakim nicht an. Und er wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht an der künftigen Übergangsregierung beteiligt sein, die als Ergebnis der Parlamentswahlen vom 30. Januar entstehen soll. Er ist auch nicht von der "Vereinigten Irakischen Allianz" als Kandidat aufgestellt worden.

Hakim hält sich damit an das Vorbild, das sein Bruder gesetzt hatte und das auch von Großayatollah Ali Sistani ausgeht: Die schiitische Geistlichkeit nimmt zwar regen Anteil am politischen Geschehen des Landes, sie drängt auch auf eine Demokratisierung des Landes, zum Beispiel mit Hilfe der Wahlen. Aber sie steht nicht zur Verfügung, wenn es um politische Posten geht.

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