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Kultur

Joachim Fest ist tot

Der Historiker, Journalist und Hitler-Biograf Joachim Fest ist am Montagabend (11.9.2006) im Alter von 79 Jahren in Kronberg am Taunus gestorben. Fest war einer der bedeutendsten Autoren über die NS-Zeit in Deutschland.

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Joachim Fest in der Gedenkstaette deutscher Widerstand im Berliner Bendlerblock (Archivbild)

Die deutsche Vergangenheit, die auch seine persönliche war, hat Joachim Fest zeitlebens nicht losgelassen. Spätestens seit seiner Aufsehen erregenden Biografie "Hitler - eine Karriere" war der Name Joachim Fest von der deutschen Aufarbeitung der Nazi-Zeit kaum zu trennen.

Die 1973 erschienene Biografie gilt bis heute als Standardwerk der Geschichtsschreibung. Fests Darstellung der letzten Tage Adolf Hitlers lieferte auch die Vorlage für den mehrfach ausgezeichneten Film "Der Untergang" von Bernd Eichinger aus dem Jahr 2004.

Persönliche Schuld? "Ich nicht."

Joachim Fest gestorben

Fest bei der Vorstellung seiner Hitler-Biografie 1973

Ungeachtet seines Erfolges warfen Historiker-Kollegen Fest vor, Adolf Hitler zu einer "großen weltgeschichtlichen Persönlichkeit" stilisiert zu haben. Gerügt wurden auch Fests Arbeiten über Hitlers Chefarchitekten Albert Speer: "Lügen, Halb- und Unwahrheiten" seien unwidersprochen aneinander gereiht, kritisierte der Holocaustforscher Götz Aly. Der Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung in Berlin, Wolfgang Benz, meinte, Fest hätte "an der Erzeugung des Markenartikels Speer Ende der 1960er Jahre erheblichen Anteil" gehabt.

Dabei wurden die NS-Diktatur und ihre Folgen nur aus wissenschaftlichem Interesse zu seinem "Lebensthema" - und nicht etwa wegen persönlicher Schuldgefühle. "Ich nicht - Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend" nannte Fest bezeichnenderweise seine gerade fertig gestellte Autobiografie.

Keine Scheu vor Kontroversen

In den vergangenen Wochen trat Fest als Kritiker von Günter Grass hervor, den er wegen seines späten Eingeständnisses der Mitgliedschaft in der Waffen-SS als moralische Instanz schwer beschädigt sah. "Ich würde nicht mal mehr einen Gebrauchtwagen von diesem Mann kaufen", sagte Fest.

Dass er keine Scheu vor Kontroversen hat, bewies Fest nicht zuletzt auch als "FAZ"-Feuilletonchef: 1986 bot er dem Historiker Ernst Nolte ein Forum, der den Massenmord der Nazis an Juden als Reaktion auf frühere Gräueltaten während der Russischen Revolution relativierte. Es folgte der "Historikerstreit" über die Gewichtung der Judenvernichtung in der deutschen Geschichte. Später verteidigte Fest, er habe Noltes Auffassung zwar für falsch gehalten. "Aber er hatte alles Recht, sie einmal in dieser Gesellschaft zu äußern."

Der bekennende Konservative Fest gehörte von 1973 bis 1993 dem Herausgeberkollegium der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" an. Zuvor war er zwölf Jahre lang beim NDR, unter anderem als Chefredakteur und Leiter der Sendung "Panorama".

Lebensthema zum Lebenswerk gemacht

Mit seiner Autobiografie, die im Rowohlt-Verlag seines Sohnes Alexander Fest erscheinen wird, kehrte Fest erneut in die Jahre der Barbarei zurück. Im "Spiegel" bekannte Fest, wie gerne er den Ballast der Vergangenheit abschütteln würde: "Aber das gelingt unserer Generation nicht mehr." Sein Lebensthema wurde zum Lebenswerk, für das der Historiker und Publizist viele Auszeichnungen erhielt - darunter den Henri-Nannen-Preis (2006), den Ludwig-Börne-Preis (1996) und den Lübecker Thomas-Mann-Preis (1981).

Auf den Tod angesprochen, antwortete Fest der Wochenzeitung "Die Zeit" im Oktober 2004: Ein langes Leben lehre auch, "dass die Dinge immer zwei Seiten haben. Da gilt: Dem Gedanken an Sterblichkeit verdankt die Welt eine Vielzahl unsterblicher Werke." (ana)

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