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Kultur

Oscar-Vorfreuden in Deutschland

Am Sonntag (27.2.) werden sie in Hollywood vergeben - die Oscars. Mit im Rennen um die begehrte Statuette: "Der Untergang". Während Regisseur und Produzent bereits feiern, sind die amerikanischen Kritiken gemischt.

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Geschichte auf Zelluloid


Historisch gesehen, sind die Oscar-Chancen für den Hitler-Film denkbar günstig: Alle deutschen Filme, die bisher von der amerikanischen Filmkunst-Akademie mit dem Auslandspreis gewürdigt wurden, erzählen Geschichten, die sehr direkt mit dem Nationalsozialismus verknüpft sind. So etwa Volker Schlöndorffs Meisterwerk "Die Blechtrommel" (1980) oder das Emigranten-Schicksal "Nirgendwo in Afrika" (2003) von Caroline Link.

Wie der Teufel

Oliver Hirschbiegel, der Regisseur des Films Der Untergang

Der Regisseur und sein Filmplakat

"Für einen Filmemacher ist es schon das Größte, überhaupt dabei zu sein, das ist wie olympisches Gold. Ob Oscar oder nicht - wir feiern wie die Teufel", sagt der deutsche Regisseur Oliver Hirschbiegel. Für ihn ist es nicht so entscheidend, ob er mit dem von Bernd Eichinger produzierten Hitler-Film tatsächlich einen Oscar einheimst.

Hirschbiegel sieht die Nominierung seines Films für den Oscar "als ein politisches Statement" der Filmakademie in Hollywood: "Es wird offensichtlich unser Ansatz gewürdigt, dass wir versuchen, deutsche Geschichte mit dieser neuen Sicht zu bearbeiten."

Bester Kriegsfilm

Amerikanisches Plakat von The Downfall, Der Untergang

"Untergang" heißt auf Englisch "Downfall"

Unter dem Titel "The Downfall" ist der deutsche Film inzwischen auch in Amerika angelaufen. Allerdings läuft die deutsche Originalfassung mit Untertiteln lediglich in einem kleinen New Yorker Filmkunsttheater. Ab dem 25. Februar ist er dann auch in einem Kino in Los Angeles zu sehen.

Die Kritiker in den Vereinigten Staaten reagierten unterschiedlich auf den Film. Teilweise hymnisch lobte der Hollywood Reporter - Pflichtlektüre vieler Academy-Mitglieder - die deutsche Produktion: "Einer der besten Kriegsfilme aller Zeiten. Ein Film, der neue Standards in der Übertragung von Geschichte auf Zelluloid setzen kann" und deshalb für bedeutende Preise in Frage komme.

Dämonisierung - das soll so sein

Filmszene - Der Untergang

Sympathie mit den Barbaren?

Ganz anders sieht dies der prominente Filmrezensent A.O. Scott von der New York Times: Der Film enthalte "für das heimische Publikum die beruhigende Botschaft, dass einfache Deutsche vor allem Opfer des Nazismus waren". Scott kritisiert die Art und Weise, in der es der Film dem Publikum gestatte, Sympathie für einige mit dem Hitler-Regime verbundene Figuren zu empfinden.

Die in Deutschland und europäischen Nachbarländern geführte Debatte um den Film greift das Nachrichtenmagazin Newsweek auf: "Vermenschlicht 'Der Untergang' Hitler und seine Henker, wie Kritiker beklagt haben?", fragt das Blatt. "Ja, und das soll so sein", heißt es weiter. "Zu behaupten, diese Schurken seien weniger als menschlich gewesen, bedeutet, uns selbst vom Haken zu lassen und den leichten wie gefährlichen Ausweg der Dämonisierung zu nehmen."

40 Millionen Dollar im Olymp

Filmszene - Der Untergang

4,6 Millionen Zuschauer allein in Deutschland

Weltweit hat "Der Untergang" bislang 40 Millionen Dollar eingespielt. Davon allerdings allein in Deutschland knapp 30 Millionen Dollar bei fast 4,6 Millionen Zuschauern. Bislang gestartet ist der Film auch in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Polen, Österreich und der Schweiz, Ungarn, Finnland und Spanien.

Ob Bernd Eichinger - von einer deutschen Fachjury unlängst zum "wichtigsten Mann im deutschen Kino" gewählt - mit einem Oscar seinen Platz im internationalen Kino-Olymp sichern kann, wissen wir in der Nacht von Sonntag auf Montag (27./28. Februar). (mb)

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