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Nahost

Israel und der Papst-Streit

Die Rolle von Papst Pius XII. während des Holocaust ist umstritten. Nun sorgt seine geplante Seligsprechung für Verstimmungen zwischen Israel und dem Vatikan.

Papst Pius XII. (Quelle: AP)

Papst Pius XII.: Hat er zum Holocaust geschwiegen?

Im Historischen Museum der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem hängt ein Foto von Papst Pius XII (1939-1958). Eine Informationstafel dazu nennt die Reaktion des Papstes auf die Ermordung der sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkrieges "kontrovers".

"Selbst als Berichte über den Mord an Juden den Vatikan erreichten, hat der Papst weder mündlich noch schriftlich dagegen protestiert. Im Dezember 1942 hat er Abstand davon genommen, eine Deklaration der Alliierten ... zu unterzeichnen, in der die Vernichtung der Juden verurteilt wurde. Als Juden aus Rom nach Auschwitz deportiert wurden, hat der Papst nicht eingegriffen", ist dort unter anderem zu lesen.

Fotografien ermordeter Juden in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem (Quelle: AP)

Welche Rolle spielte Pius XII. während des Holocausts?



Seligsprechung nicht akzeptabel?

Spätestens seit der Einladung von Staatspräsident Schimon Peres an den Papst zu einem Israelbesuch findet die Debatte um Papst Pius XII. wieder öffentlich statt. Sie entzündet sich vor allem an der geplanten Seligsprechung des Pontifex. Israels Sozialminister Isaak Herzog nannte sie in einem Interview in der Tageszeitung "Haaretz" am Freitag (24.10.2008) "inakzeptabel". "Mein Großvater spürte nach einer Audienz beim Papst das Bedürfnis, ein Reinigungsbad in der Mikwe in Rom zu nehmen", sagte er. Er ist Enkel des ersten Oberrabbiners in Israel, der 1943 vergeblich den Papst um Unterstützung bei der Rettung ungarischer Juden ersucht hatte.

Fotografien ermordeter Juden in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem (Quelle: AP)

Fotografien ermordeter Juden in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem

Der Vatikan wies diese Kritik als Einmischung in eine innere Angelegenheit der katholischen Kirche zurück. Pater Peter Gumpel wurde in der italienischen Presse mit der Aussage zitiert, Benedikt XVI. könne nicht nach Israel reisen, bevor nicht Foto und Kommentar aus der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte entfernt seien. Für Katholiken wäre schwer vermittelbar, wenn Benedikt XVI. ein Museum besuche, in dem sein Vorgänger zu Unrecht diffamiert werde, so Gumpel. Gumpel ist als Relator am Seligsprechungsverfahren beteiligt.

Der israelische Holocaust-Experte Dan Michmann sagte: "Wen die katholische Kirche heilig spricht, ist nicht unsere Sache." Er forderte allerdings einen ungehinderten Zugang zu den Vatikan-Archiven. Nur ein uneingeschränkter Zugang zu allen Akten im Vatikan könne die bisherigen Forschungsergebnisse beeinflussen, sagt er.

Schwieg der Papst?

Grund der neuerlichen Diskussion ist eine neue Studie über Pius XII. und sein vermeintliches Schweigen. Darin erklären zwei italienische Historiker anhand britischer Dokumente, der Papst habe sich im Oktober 1943 in einem Diplomaten-Gespräch gleichgültig über die bereits begonnene Deportation von Juden aus Rom geäußert. Diese Dokumente seien längst bekannt und widerlegt, erwiderte der Relator Gumpel. Im Übrigen habe das Treffen schon zwei Tage vor der Stürmung des römischen Ghettos durch die SS, nicht danach stattgefunden.

Archive des Vatikans, Foto: AP

Welche Informationen bergen die Geheimarchive des Vatikans?

Eine Gruppe katholischer Theologen und Teilnehmer des christlich-jüdischen Dialogs sprach sich hingegen für eine Pause im Seligsprechungsverfahren aus. Das Pontifikat Pius XII. habe bemerkenswerte Kontroversen ausgelöst, heißt es in einem von neun Hochschullehrern aus den USA, Großbritannien und Belgien unterzeichneten Schreiben. Der Papst habe zwar die Auswirkungen des Krieges auf die schuldlosen Opfer verurteilt. Dabei habe er aber nicht ausdrücklich die Verfolgung der Juden benannt. Der Vatikan müsse noch eine Menge Archivmaterial freigeben, das von "den besten Forschern dieses Fachgebiets" aufgearbeitet werden solle, schlägt die Gruppe vor.

Anlässlich des 50. Todestages hatte Papst Benedikt XVI. Anfang Oktober zum Gebet für einen guten Fortgang des Seligsprechungsverfahrens aufgerufen, das in den 1960er-Jahren begonnen wurde. Ein abschließendes Dekret liegt Benedikt XVI. vor; er hat es aber noch nicht unterzeichnet. (BB)

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