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Aktuell Europa

Islamisten greifen Radiohead-Fans in Istanbul an

Erst floss Alkohol, dann Blut: Nicht die Musik war Anlass für die Gewalt in der Türkei, sondern die Getränke, die Anhänger der Rockband fröhlich konsumierten. Ein kleiner Plattenladen wurde zum Schauplatz der Attacke.

Radiohead-Konzert in London (Archibild: dpa)

"Unsere Herzen sind bei euch": Radiohead-Konzert in London (Archibild)

"On a Friday" - so hieß die Alternative-Rock-Band Radiohead bis zur ihrer Umbenennung vor mehr als zwei Jahrzehnten. Auch der Angriff auf Fans der Gruppe in der türkischen Metropole Istanbul geschah an einem Freitag. Anlass war jedoch weniger der Wochentag als der Monat: Während der Veranstaltung in einem Plattenladen nahe dem Taksim-Platz floss Alkohol. Die Männer, die plötzlich unter Gegröle in das Musikgeschäft stürmten, Menschen auf die Straße zerrten und Gegenstände zertrümmerten, wollten dagegen protestieren, dass dies im muslimischen Fastenmonat geschah.

Wie die Nachrichtenagentur Dogan berichtet, wurden mindestens zwei Menschen verletzt. Videos der Attacke, die im Internet kursieren, zeigen einen blutenden Mann. Einer der Angreifer schreit: "Wir werden euch töten, ihr Bastarde!" Ein anderer ruft nach wüsten Beschimpfungen: "Wie kann man im Ramadan Alkohol trinken?" Die Polizei leitete Ermittlungen ein. Im Stadtviertel Tophane, das im europäischen Teil der Stadt am Bosporus liegt, wurden bereits mehrere Galerien von Islamisten attackiert.

"Wir schicken den Fans unsere Liebe"

Laut der Zeitung "Hürriyet" hielten sich während des Übergriffs viele Südkoreaner in dem Laden auf. Auch der Besitzer des Geschäfts stammt demnach aus Südkorea, lebt aber schon seit vielen Jahren in der Türkei. Das neue Radiohead-Album "A Moon Shaped Pool" konnte am Freitag weltweit in den Plattenläden angehört werden.

Die Band zeigte sich bestürzt und sprach denen, die von der Attacke betroffen waren, ihr Mitgefühl aus: "Wir schicken unseren Fans in Istanbul unsere Liebe und unsere Unterstützung", schrieben die britischen Musiker im Internet. "Wir sind mit unseren Herzen bei denen, die angegriffen wurden." Und dann fügen sie noch eine Zukunftsvision an: "Wir hoffen, dass wir auf solche gewalttätigen Ausbrüche eines Tages wie auf Dinge aus einer fernen Vergangenheit zurückblicken können."

jj/sti (dpa, afp)