Irakische Armee-Offensive gegen ISIS-Rebellen in Tikrit | Aktuell Nahost | DW | 28.06.2014
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Aktuell Nahost

Irakische Armee-Offensive gegen ISIS-Rebellen in Tikrit

Die Gefechte gehen weiter: Irakische Regierungstruppen attackieren die Rebellen der ISIS. Die Terrorgruppe kämpft derweil an zwei Fronten. Auch der syrische Arm von Al-Kaida leistet Widerstand mit Waffen.

Die Offensive der irakischen Armee zur Rückeroberung der Stadt Tikrit dauert an. "ISIS-Kämpfer haben nur zwei Möglichkeiten - fliehen oder getötet werden", sagte Generalleutnant Sabah Fatlawi der Nachrichtenagentur AFP. Tausende Soldaten, unterstützt von Kampfflugzeugen, Artillerie, Panzern und Bombenräumkommandos, rückten auf die Geburtsstadt des früheren Machthabers Saddam Hussein vor.

Die Militäroffensive ist die bisher größte Aktion der Streitkräfte seit dem Beginn der ISIS-Offensive vor beinahe drei Wochen. Am 11. Juni hatten ISIS-Rebellen auch Tikrit unter ihre Kontrolle gebracht. Am Donnerstag gelang es der Armee, das Universitätsgelände am Rande der Stadt zurückzuerobern.

USA zögern mit Luftangriffen

Tikrit, 140 Kilometer westlich von Bagdad gelegen, ist neben Mossul eine der größten Städte in der Hand der Dschihadistengruppe ISIS, die inzwischen weite Teile des Nordiraks kontrolliert. Die Armee hatte zunächst vielfach kampflos ihre Positionen geräumt, zahlreiche Soldaten waren desertiert. Später fing sich die Armee aber wieder und stoppte den Vormarsch der sunnitischen Rebellen auf die Hauptstadt Bagdad.

Die irakische Regierung bittet die USA seit Wochen darum, sie im Kampf gegen die Extremisten mit Luftangriffen zu unterstützen. Die USA verlegten zunächst jedoch nur 180 Militärberater in den Irak, um sich ein besseres Bild von der Lage zu machen und die einheimischen Sicherheitskräfte zu unterstützen.

ISIS kämpft an zwei Fronten

Allerdings stellen sich der ISIS auch der syrische Arm des Terrornetzwerks Al-Kaida und andere islamistische Gruppen entgegen. In der Grenzregion zum Irak haben sie einen Angriff gegen die ISIS gestartet. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wird in der Grenzstadt Albu Kamal auf syrischer Seite seit den frühen Morgenstunden gekämpft. Bislang kontrollieren ISIS-Kämpfer Positionen auf beiden Seiten der Grenze.

Flüchtlinge im Irak (Foto: Getty Images)

Sie fliehen vor den Kämpfen: Binnenvertriebene im Irak

Unter dem Eindruck des Vormarschs sunnitischer Extremisten auf Bagdad beraten die Parteien über die Bildung einer neuen Regierung im Irak. Der wichtigste schiitische Geistliche, Großajatollah Ali Sistani, forderte die politischen Gruppierungen auf, sich rasch auf eine neue Führung zu einigen, bevor das Parlament am Dienstag zu seiner konstitutierenden Sitzung zusammenkommt. Ministerpräsident Nuri al-Maliki hatte sich dem Drängen auch der USA widersetzt, eine Einheitsregierung zu bilden. Obwohl zunehmend isoliert, strebt er offenbar eine weitere Amtszeit an.

Flüchtlinge ohne Trinkwasser

Deutschland hat unterdessen als Reaktion auf die wachsende Not im Irak zwei Millionen Euro für humanitäre Hilfe bereitgestellt. Die Mittel seien für die Flüchtlingshilfe des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz bestimmt, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. Unter anderem gehe es um die Versorgung mit sauberem Trinkwasser. In den umkämpften Gebieten gibt es für Flüchtlinge nur eingeschränkten Zugang zu Wasser, Nahrung und medizinischer Versorgung. Nach Schätzungen sind 1,2 Millionen Menschen als Binnenvertriebene im Irak auf der Flucht.

jj/kle (dpa, afp, rtr)