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Kultur

International ist beim Oktoberfest normal

Das Oktoberfest ist ein touristisches Highlight für viele Gäste aus dem Ausland. Für einige Asiaten aber auch ein Stressfaktor. Denn sie erkunden Europa ja gern im Schnelldurchlauf. Ist das trotzdem schön? Ja.

Japaner trinkt Bier auf dem Oktoberfest 2002 (Foto: dpa)

Auf geht's zur Wies'n!

Erster Wiesnsonntag, und das Oktoberfest zeigt sich von seiner besten Seite. Die Sonne scheint, die Mädchen tragen luftige, bunte Dirndl und nach dem Trachtenumzug tummeln sich auch Musikkapellen und historisch gekleidete Gruppen auf dem riesigen Bierfest. Eine halbe Million Menschen schoben sich am ersten Wochenende über das Festgelände. Darunter auch meine japanische Freundin Maro und ich. Wir halten Ausschau nach japanischen Gästen, um herauszufinden, wie ihnen das alles so gefällt.

Junge Asiatin beim Oktoberfest 2010 in München, Bayern. (Foto: Hans Lauer)

Maro posiert mit Oktoberfest-Accessoires

Internationale Besucher gehören genauso wie Blasmusik und bayerische Spezialitäten zum Flair des Oktoberfestes. Über das Ausmaß der Veranstaltung sind die meisten erstmal überrascht. Eine Gruppe aus Malaysia staunt nicht über die großen Mengen Festbier in Literkrügen, sondern über das Angebot an Fahrgeschäften, Schießbuden und Karussells. Einige Japanerinnen, die schon seit einiger Zeit in München wohnen, haben zwar schicke Dirndl-Kleider wie die Einheimischen an, flüchten sich aber am Nachmittag in ein kleineres Zelt, wo es nur Kaffee und Kuchen gibt.

Das würde einem Münchner natürlich nie einfallen. Nick zum Beispiel. Er hat bereits die sechste Mass des Tages in der Hand und liebt das Oktoberfest: "Auf der Wiesn gibt es das beste Bier, das beste Essen, die beste Stimmung. Es ist wie ein achtes Weltwunder."

Kollektiver Rausch unter Zeitdruck

Zumindest, was die Größe betrifft, ist das nicht ganz falsch. Jedes Jahr wieder werden die Zelte aufgebaut, in die fast zehntausend Menschen hineinpassen. Es entsteht für zwei Wochen Wiesn eine Stadt, in der Millionen Masskrüge mit speziell gebrautem Bier ausgeschenkt werden. Das ist zünftig, das finden auch die Besucher aus dem Ausland und ergeben sich in den kollektiven Rausch.

Oder sie kämpfen mit dem Zeitdruck ihrer Reiseplanung. Der Flieger von Andrew, Thomas und Jamal aus Malaysia Richtung Heimat geht diesmal schon um 21.00 Uhr. Das nächste Mal wollen sie sich mehr Zeit zum Feiern nehmen. Jamal trinkt zwar nur Apfelsaft, aber seine Freunde loben das deutsche Bier und alle sind sich einig über die Atmosphäre: "Es vibriert, es ist aufregend, ein Wahnsinn. Ich glaube, das ist der glücklichste Ort auf der Welt."

Ein japanischer Tourist studiert seinen Deutschland-Reiseplan beim Münchner Oktoberfest (Foto: Hans Lauer)

Ein eng gestrickter japanischer Reiseplan

Vielleicht auch, weil eben in München während der Wiesnzeit alle Nationen miteinander an einem Tisch sitzen. Und meine japanische Freundin Maro und ich wollen endlich wissen, wie die Japaner das Oktoberfest erleben. Aber alle asiatisch aussehenden Oktoberfestbesucher, die wir ansprechen, leben seit Jahren in Bayern oder kommen aus Boston und London. Wir waren im Hofbräuzelt und im Augustiner und jetzt noch in der Fischer-Vroni. Und hier treffen wir tatsächlich doch noch ein paar Landsleute von Maro.

Das Pärchen fotografiert und wartet auf seine Reisegruppe, die gleich noch einen wichtigen Termin hat - im Hofbräuhaus. Beide haben sich gut eingelesen und wissen, dass es das Oktoberfest nur gibt, weil vor 200 Jahren Kronprinz Ludwig Prinzessin Therese heiratete. Dass deshalb für das Volk ein großes Pferderennen veranstaltet wurde und dass seitdem die Wiese vor den Toren der Stadt Theresienwiese heißt und jetzt "der glücklichste Ort der Welt" ist, wo jedes Jahr zwei Wochen lang Oktoberfest gefeiert wird. Mit Gästen aus aller Welt. Und das gefällt ihnen.

Autorin: Renate Heilmeier

Redaktion: Marlis Schaum

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