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Kultur

In Katowice wird ermittelt

Nachdem die Suche nach weiteren Opfern in der eingestürzten Messehalle im südpolnischen Katowice eingestellt wurde, beginnt jetzt die Suche nach den Ursachen des Unglücks. Spielten versperrte Notausgänge eine Rolle?

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Trauer um die Opfer des Unglücks

Mehrere der Türen wiesen Spuren auf, die auf ein gewaltsames Aufbrechen von Innen hindeuteten, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft im polnischen Katowice am Montag (30.1.2006). Zeugen hätten zudem berichtet, dass die Notausgänge von den Menschen mit Bänken und Feuerlöschern aufgestoßen wurden. Der polnische Präsident Lech Kaczynski will persönlich die Ermittlungen leiten.

Blockade durch Schlösser?

Die Ermittlungen müssten nun klären, ob die versperrten Türen Einfluss auf das Ausmaß der Tragödie gehabt habe, sagte der Sprecher. Untersucht werde auch, ob die Notausgänge mit Schlössern oder durch Schneeverwehungen blockiert waren. Zudem sollte die Identität von rund 20 Fahrzeughaltern überprüft werden, deren Autos nahe der Messehalle geparkt waren.

Von den insgesamt 141 Verletzten wurden noch rund 70 in Krankenhäusern behandelt. 15 Menschen galten am Montag noch als vermisst. Unter den knapp 70 Toten sind auch eine 35-jährige Frau und ein 65 Jahre alter Mann aus Deutschland. Am Montag inspizierte eine von der Regierung eingesetzte Kommission das Gelände an der Stadtgrenze zwischen Katowice und Chorzow. Es wurde geprüft, ob ein weiteres Mal Hunde durch die Trümmer geschickt werden sollten um nach weiteren Leichen zu suchen, oder ob bereits schweres Räumgerät eingesetzt werden könnte, sagte der Sprecher.

Dreitägige Staatstrauer

Polen Halleneinsturz in Kattowitz Mann trauert

Bestürzung nach dem Unglück

Lech Kaczynski forderte am Sonntagabend in einer Fernsehansprache Maßnahmen, die solche Unfälle künftig vermeidbar machten. Zuvor hatte der Staatschef den Unglücksort in der Nähe des südpolnischen Katowice besucht und eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. Kaczynski sprach von der "schwersten Katastrophe im demokratischen Polen" seit dem Ende des Kommunismus 1989. Ein Unglück ähnlichen Ausmaßes hatte sich 1987 ereignet, als eine Maschine der polnischen Gesellschaft LOT bei Warschau abstürzte. 183 Menschen starben.

Parallelen zu Bad Reichenhall

Das schneebedeckte Dach der Messehalle von Chorzow, in der eine Brieftaubenausstellung stattfand, war am Samstagabend eingestürzt. Die Tragödie ähnelte dem Unglück von Bad Reichenhall, wo am 2. Januar 15 Menschen beim Einsturz einer Eislaufhalle starben. Laut polnischen Experten verdichteten sich die Hinweise darauf, dass die Schneemassen den Einsturz verursachten. Auf dem Dach habe eine 50 Zentimeter dicke Schicht schweren, vereisten Schnees gelastet, sagte Verkehrsminister Jerzy Polaczek.

Das Unglück ereignete sich in Chorzow, dem ehemals oberschlesischen Königshütte, einer Vorstadt der südpolnischen Industriestadt Katowice. Zum Zeitpunkt des Einsturzes gegen 17.15 Uhr hielten sich mehrere hundert Menschen in der 100 mal 150 Meter großen Halle auf. Gegen 19.00 Uhr am Samstagabend stürzte dann ein weiterer Teil der zehn Meter hohen Dach-Konstruktion aus Wellblech ein. Insgesamt brachen einige hundert Quadratmeter Decke herab.

Vorsichtsmaßnahmen

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Ein Gebäude der Uni Katowice wird vom Schnee befreit

Die polnische Regierung hat die Sperrung mehrerer großer Gebäude angeordnet. "Wir wollen die Schließung aller so großer Gebäude, wenn sich viel Schnee angesammelt hat", sagte Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz am Montag im Rundfunk. Es war zunächst unklar, wie viele Gebäude geschlossen wurden. Betroffen waren vor allem Ausstellungshallen und Supermärkte mit Flachdächern. So musste zum Beispiel die britische Einzelhandelskette Tesco eine schneebedeckte Filiale in der Stadt Bytom sperren. Laut Regierungsmitarbeitern wurden während des Baubooms bei Unternehmensgebäuden in Polen im vergangenen Jahrzehnt Entwürfe benutzt, die für wärmere Länder wie Großbritannien und Spanien gedacht waren. Manche seien nicht geeignet für das Klima in Polen, wo es erheblich mehr schneie. (chr)

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