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Hunger in Afrika

Hunger und leere Kornkammern trotz voller Felder

In Subsahara-Afrika sind 30 Prozent der Kinder unterernährt und in Ostafrika herrscht Hungersnot. Zugleich verderben auf dem Kontinent 40 Prozent der Lebensmittel, bevor sie es auf den Teller der Konsumenten schaffen.

Heftige Sturmfluten und langanhaltende Dürreperioden - das Wetterphänomen El Nino zerstört komplette Ernten und sorgt für Verwüstung und Hunger in Ostafrika. Mehr als 12 Millionen Menschen in Äthiopien, Somalia und Kenia sind von ausländischen Lebensmittellieferungen abhängig.

Das Paradox: Während beispielsweise am einen Ende Kenias die Menschen hungern, verderben am anderen Tonnen von Lebensmitteln.

Post harvest losses, zu Deutsch Nachernteverluste, nennen Lebensmittelexperten dieses Phänomen, bei dem ein Großteil der Ernte verdirbt, bevor sie es überhaupt zum Konsumenten schafft. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt, dass weltweit rund ein Drittel der produzierten Lebensmittel nie auf den Tellern der Konsumenten landet. In Subsahara-Afrika sind es sogar rund 40 Prozent - das macht im Jahr 150 Kilogramm pro Einwohner, die verschwendet werden.

Hungersnot trotz fruchtbarem Boden

Nachernteverluste sind ein Problem, das so alt ist wie die Landwirtschaft selbst. "In Afrika ist es aber noch dramatischer, weil dort Menschen wegen Nahrungsmittelknappheit sterben", sagt Jane Ambuko, Agrarwissenschaftlerin an der Universität Nairobi, im DW-Gespräch. "Während viele Kenianer nichts zu essen haben, verdirbt im selben Land Nahrung aus ganz verschieden Gründen."

Die Gründe sind in allen Ländern in Subsahara-Afrika dieselben: Schlechte Stromversorgung, mangelnde Lagerungsmöglichkeiten und nicht genug Kühlhäuser, sodass die Ernte Problemen wie Ungeziefer und Witterung schonungslos ausgeliefert ist. Aber auch marode Straßen führen dazu, dass Bauern ihre Ware gar nicht erst zu den Märkten transportieren können. "Es gibt Regionen in Afrika, die sind extrem fruchtbar und haben das Potential, zum Brotkorb des Kontinents zu werden, die aber leider absolut nicht erschlossen sind", sagte Christian Borgemeister, Direktor am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) in Bonn.

Landwirtschaft Kenia Anbau von Mais (Getty Images/AFP/Y. Chiba)

Manche Regionen Kenias liefern gute und ertragreiche Ernten - aber wie kann man die Ernte lagern?

Auch veraltete Erntetechniken tragen dazu bei, dass vor allem Gemüse schon während der Ernte beschädigt wird und schneller fault. Außerdem konzentrieren sich die Bauern beim Anbau überwiegend auf Getreide und Mais.

Der Agrar-Ingenieur Helmut Spohn berät für den evangelischen Entwicklungsdienst Brot für die Welt Kleinbauern in Ostafrika. Er empfiehlt ihnen, den Anbau zu diversifizieren - damit könnten sie zu unterschiedlichen Zeiten Ernte einfahren. Zwar habe Mais das größte Ertragspotential, bürge aber auch das größte Risiko bei langen Trockenperioden, so Spohn. Es müssten wieder vermehrt traditionelle Pflanzen angebaut werden. "Hirse und Kassava sind relativ resistente Pflanzen, die auch mal lange Dürreperioden oder schwere Regenfälle überstehen."

Einfache Lösungen für große Probleme

In Tansania haben Bauern bereits gute Erfahrung mit dem Anbau von Hirse gemacht. "Als ich gesehen habe, dass mein Mais anfängt zu vertrocknen, habe ich angefangen, Hirse anzubauen", berichtet der Kleinbauer Paulo Isangu aus einem kleinen Dorf nahe des Rukwa-Sees. "Aber wegen der schlechten Regenfälle wächst die Hirse nicht weiter. Ich hoffe, dass sie dann genügend Früchte trägt, wenn ich mich gut um sie kümmere, bis endlich Regen fällt."

Da könnte auch der Ausbau von Bewässerungsanlagen helfen, so Borgemeister vom ZEF. "Es gibt viele einfache Technologien, die auch eigentlich bekannt sind." Dazu zählen einfache traditionelle Holzkohlekühler, die mit Verdünstungskälte funktionieren, aber auch richtiges Verpackungsmaterial. Kleinbauern könnten sich zu einer Genossenschaft zusammenschließen, um gemeinsam in Kühlkammern, Verpackungen, Traktoren und Dünger zu investieren."Es sind also keine technischen Innovationen notwendig, es geht viel mehr um die Implementierung", so Borgemeister.

Es mangele den Kleinbauern vor allem an Wissen, sagt die kenianische Agrarwissenschaftlerin Ambuko. "Es ist wichtig, dass die Regierung bei der Aufklärung der Bauern ansetzt - und das macht sie in Kenia schon."

"Langfristige Lösungen müssen her"

"Nahrungsmittelverluste einschließlich Nachernteverlusten bis 2030 zu verringern" - das ist auch eines der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) der Vereinten Nationen. Afrikanische Staatsoberhäupter wollen dies schon bis 2025 erreichen. In der Malabo Deklaration der Afrikanischen Union haben sie sich dazu verpflichtet, mindestens zehn Prozent ihrer öffentlichen Ausgaben in Landwirtschaft zu investieren. "Aber viele dieser Regierungen haben bisher nicht einmal zwei Prozent investiert", sagte Ambuko der DW.

Video ansehen 02:27

Ostafrika trocknet aus

Auch seien Entwicklungspartner immer schnell, wenn es darum gehe, Nahrungsmittelhilfen bei Hungersnöten bereitzustellen, doch Ambuko fordert langfristige Lösungen.

"Wir brauchen verbesserte und effektive Lagerungsmöglichkeiten, sodass wir Getreide speichern können und dann in Notzeiten herausgeben können. Nur so werden wir langfristig in der Lage sein, uns selbst zu ernähren."

Ende März findet in Nairobi der erste "Africa Postharvest Congress and Exhibition" statt. Ambuko, die zu den Veranstaltern gehört, verspricht sich davon, dass dort gemeinsam mit Landwirten, Vertretern der Lebensmittelindustrie und Politikern eine dauerhafte Lösung gefunden wird.

Nahrungsmittelsicherheit wird für Afrika immer wichtiger. Laut Vereinten Nationen wird sich die Bevölkerung auf dem Kontinent bis 2050 verdoppeln. Die Kapazitäten, um die ganze Bevölkerung zu ernähren, seien jetzt schon da, so Ambuko. "Jetzt bleibt die Herausforderung, die Lebensmittel in der richtigen Qualität und Quantität an die Konsumenten zu bringen."

Mitarbeit: Dotto Bulendo

 

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