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Standpunkt

Kommentar: Der Krieg produziert Hunger

Der Südsudan ist jetzt völlig von internationaler Hilfe abhängig. Der Bürgerkrieg hat eine Hungerkrise ausgelöst. Dabei könnte das Land selbst genügend Nahrungsmittel produzieren, meint James Shimanyula.

Südsudan WFP Hilfe in Rubkuai (Reuters/S. Modola)

Das Welternährungsprogramm wirft in diesen Tagen über dem Südsudan Nahrungsmittel aus der Luft ab

Der Südsudan, Afrikas jüngster Staat, ist schon seit Jahren von Nahrungshilfe von außen abhängig. Seit das arme Land vor sechs Jahren unabhängig wurde, hängt es am Tropf der internationalen Gemeinschaft. Besonders die abgelegenen Regionen brauchen Hilfe, wenn die anhaltende Dürre dort die Ernte vernichtet hat. Inzwischen leidet der Südsudan unter einer extremen Versorgungskrise und hat eine nationale Katastrophe ausgerufen: Fünf Millionen Menschen - also knapp die Hälfte der Gesamtbevölkerung - brauchen dringend Nahrung!

Hunger bleibt Realität

Der Hunger ist in dem von Bürgerkrieg und Wirtschaftsproblemen gezeichneten Land zur flächendeckenden, tragischen Realität geworden. Und das wird auch in naher Zukunft so bleiben, wenn der Südsudan sich nicht endlich selbstständig macht. Dafür müssen Infrastrukturprogramme umgesetzt und längst überfällige Reformen eingeleitet werden. Die Voraussetzung dafür ist ein Friedensschluss im Land. Doch der ist nicht in Sicht.

James Shimanyula (DW)

James Shimanyula berichtet aus Ostafrika für die DW

In den anhaltenden Kämpfen zwischen Präsident Salva Kiirs Truppen und den Rebellen um Anführer Riek Machar sterben täglich Dutzende Menschen, Tausende werden weiterhin vertrieben. Ein weiten Regionen liegt Land brach, welches das Potenzial hätte, seine Bewohner problemlos zu ernähren. Doch die Felder werden wegen des Krieges schon seit Jahren nicht mehr bestellt. Nun blieb auch der lang ersehnte Regen in den vergangenen zwei Jahren oft aus - die Vorräte sind längst aufgezehrt. Für die Farmer liegen die Jahre, in denen sie stolz auf ihre Viehwirtschaft blicken konnten, weit zurück.

Dabei wäre es für die Regierung in Juba schon lange überfällig, sich von den Hilfen der internationalen Gemeinschaft abzunabeln. Kein unabhängiges Land darf sich dauerhaft auf Hilfe von außen verlassen - vor allem wenn man die Chance hat, sich selbst zu helfen. Die Regierung muss endlich die Möglichkeiten nutzen, die Bewässerungssysteme zu verbessern.

Denn der Südsudan ist in der glücklichen Lage, vom Nil durchquert zu werden. Der Fluss führt viel Wasser, und das ermöglicht prinzipiell die ganzjährige Bewässerung der Felder. Mit dem Bau von Pumpanlagen und Wasserleitungen könnte man problemlos das fruchtbare Farmland versorgen, das an den Ufern des längstens Flusses der Welt liegt.

Blühenden Kornkammern schaffen

Die Äcker und Felder in der Nähe von Städten wie Malakal, der Hauptstadt der oberen Nilregion, von Bor, der Metropole der Provinz Jonglei, und der Hauptstadt Juba könnten so zu blühenden Kornkammern des Landes umgewandelt werden. Denkbar wäre sogar zusätzliches Einkommen durch den Export von Ackerfrüchten. Denn bisher lebt der Südsudan fast ausschließlich von der Ölförderung als Devisenquelle - obwohl die Landwirtschaft immer noch der wesentliche Wirtschaftszweig ist und so große Potenziale hat.

Leider hat Südsudan das selbstgesteckte Ziel verfehlt, die eigene Bevölkerung ernähren zu können. Versuche, Nahrungsmittel für den Export zu produzieren, sind bisher nicht einmal unternommen worden. Die gegenwärtige Katastrophe ist hausgemacht: Nicht das Klima, sondern die verfehlte Infrastrukturpolitik der Regierung und vor allem der anhaltende Bürgerkrieg sind die entscheidenden Ursachen.

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