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EM 2016

Hugo Lloris, Frankreichs Rückhalt

Er ist ein ruhiger Zeitgenosse. Vielleicht gilt Hugo Lloris deshalb selbst bei seinen Landsleuten als Durchschnittstyp. Spätestens seit dem Halbfinalsieg hat sich der Torwart den verdienten Respekt erspielt.

Hugo Lloris wirkte irgendwie größer. Als der Kapitän der französischen Fußball-Nationalmannschaft am Samstag den Presseraum des Stade de France betrat, um über die Chancen im

EM-Finale am Sonntag gegen Portugal

(21.00 Uhr MESZ im DW-Liveticker) zu reden, schien der Torwart seit dem

Halbfinale gegen Weltmeister Deutschland

um einige Zentimeter gewachsen zu sein. Auf dem Podium saß nicht mehr der ganz ordentliche Keeper von Tottenham Hotspur, anwesend war vielmehr der große Lloris - der beste Torhüter der UEFA EURO 2016.

Der Spielführer der Équipe tricolore stellte das neue Selbstbewusstsein, das er bei seiner überragenden Vorstellung beim 2:0 (1:0) in der Vorschlussrunde gegen Deutschland gewonnen hat, eindrucksvoll zur Schau - auch mit markigen Worten. "Wir sind bereit für die nächste Schlacht. Wir haben das große Verlangen nach dem Titel", sagte der Anführer der Franzosen.

Aus dem Schatten Neuers

Dabei war ihm anzumerken, dass er selbst wusste, was ihm im Halbfinale gelungen war: Endlich, gerade noch rechtzeitig vor dem Endspiel, war er aus dem langen Schatten seines Kontrahenten im deutschen Torwart-Trikot herausgetreten. Lloris durfte sich als klarer Punktsieger im Duell mit Manuel Neuer fühlen.

Der 29-Jährige hatte das geschafft, wovon er schon seit den Begegnungen mit dem neun Monate älteren Neuer in den Junioren-Länderspielen träumte: Die Schlagzeilen gehörten ihm - und nicht dem angeblich weltbesten Keeper aus Deutschland.

Lloris neuer Rekordkapitän

"Lloris - ganz einfach großartig", beschrieb die Sportzeitung "L'Équipe" die Halbfinal-Leistung des Torhüters, der seinen Trainer Didier Deschamps während der Endrunde als Rekordkapitän der Équipe tricolore abgelöst hatte. Auch Doppeltorschütze Antoine Griezmann dankte Lloris, der vor der EM noch als blass, spröde und ungeeignet für die Anführer-Rolle kritisiert worden war: "Wir hatten einen hervorragenden Torwart."

Torhüter Frankreich Hugo Lloris

Nur auf dem Platz laut: Hugo Lloris

Und ob die Franzosen den hatten! Lloris machte das Spiel seines Lebens. Erst brachte er die Deutschen mit zahlreichen Paraden zur Verzweiflung, dann hatte Lloris in der Schlussphase auch das nötige Glück auf seiner Seite - wie beim Pfostentreffer von Joshua Kimmich (74.). Und wenn es nach Lloris geht, sollen auf diese Art und Weise auch die Portugiesen um Superstar Cristiano Ronaldo in Schach gehalten werden.

Nächster Verein: Real Madrid?

"Der Sieg gegen den Weltmeister ist eine besondere Freude für uns. Denn wir haben unsere enormen Qualitäten gezeigt. Ich bin stolz, zu diesem Team zu gehören", sagte Lloris: "Aber es fehlt noch ein Schritt. Wir müssen ganz schnell wieder runter von der Wolke sieben, müssen uns neu konzentrieren. Wenn wir das schaffen, wird es ganz schwer, uns zu schlagen. Denn wir alle haben uns während des Turniers gesteigert."

Dass vor allem Lloris eine starke Endrunde spielt, hat auch Real Madrid erkannt. Der Champions-League-Sieger ist angeblich stark an einer Verpflichtung des Torhüters interessiert und will rund 42 Millionen Euro an Lloris' Arbeitgeber Tottenham Hotspur nach London überweisen. Für Lloris wäre ein Wechsel zu den "Königlichen" der ultimative Karrieresprung. Den Vergleich mit Neuer müsste er spätestens dann nicht mehr scheuen.

sw/sn (sid)

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