Hollywoodstar Jane Fonda wird 80 Jahre alt | Filme | DW | 21.12.2017
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Filme

Hollywoodstar Jane Fonda wird 80 Jahre alt

Sie war Barbarella, Hanoi Jane und Fitness-Ikone: Jane Fonda, die linksliberale Aktivistin, ist unbequem - und wahnsinnig erfolgreich. Trotzdem brauchte die Oscarpreisträgerin lange, um zu sich selbst zu finden.

Ihren 80. Geburtstag hat Jane Fonda schon längst gefeiert, mit einer Party im ganz großen Stil, Anfang Dezember in Atlanta. Familie und Freunde kamen - nicht nur um zu gratulieren, sondern um nebenbei auch noch Geld für einen guten Zweck zu spenden. Natürlich wurde der Abend ein Erfolg: "Alles, was sie anfasst, hat Hand und Fuß", erklärte ihr Ex-Mann, Medienmogul Ted Turner, der ebenfalls eingeladen war. 1,3 Millionen Dollar (etwa 1,1 Millionen Euro) kamen zusammen. Geld, das in Fondas Wohltätigkeitsprojekt zur Unterstützung junger Frauen fließt. Ein Thema, das ihr am Herzen liegt. Was in ihrer eigenen Geschichte begründet ist.

Die kleine Jane, geboren 1937 in New York, ist das Kind eines Schauspielerpaares. Der Vater, Henry Fonda, ist gerade dabei, in Hollywood Fuß zu fassen und sich seinen Ruf als einer der größten Charakterdarsteller zu erarbeiten. Für seine Tochter und Sohn Peter ist er unerreichbar. Oft mürrisch, wütend, kalt. Eine Beziehung, die sie geprägt hat. "Ich fühlte mich bedeutungslos", erzählte Jane Fonda kürzlich in einem Interview mit dem Magazin "The Edit". Die Mutter, Frances Ford Seymour, ist manisch-depressiv und begeht Selbstmord, als Jane zwölf Jahre alt ist. Danach wächst das Mädchen bei seiner Großmutter auf.

Die vierjährige Jane Fonda und ihr Vater Henry Fonda (picture-alliance/Globe-ZUMA)

Die vierjährige Jane mit ihrem Vater Henry Fonda

"Barbarella" - eine "Jugendsünde"

Eigentlich möchte Fonda Kunst studieren, zwei Jahre verbringt sie als junges Mädchen in Paris, dann tritt sie doch in die Fußstapfen der Eltern: 1960 gibt sie ihr Broadway-Debüt in "There was a Little Girl" und bekommt gute Kritiken. Noch im selben Jahr tritt sie erstmals vor die Kamera ("Je länger, je lieber"), doch der Durchbruch als Filmschauspielerin gelingt ihr erst 1965 mit der Westernkomödie "Cat Ballou - Hängen sollst du in Wyoming" (Regie: Elliot Silverstein).

Drei Jahre später besetzt sie ihr damaliger Ehemann, Regisseur Roger Vadim, für die Rolle der "Barbarella" im gleichnamigen Science-Fiction-Sexfilm - und die Fonda steigt zum Sexsymbol auf. Ein Status, dem sie so gar nichts abgewinnen kann. Im Interview mit "The Edit", ein halbes Jahr vor dem Weinstein-Skandal, berichtet Fonda über die sexuelle Gewalt, die ihr von klein auf widerfahren ist: "Ich wurde vergewaltigt, als Kind sexuell missbraucht und später gefeuert, weil ich nicht mit meinem Chef schlafen wollte. Ich dachte immer, dass es meine Schuld sei und dass ich nicht das Richtige gesagt oder getan habe." "Barbarella" bezeichnet sie heute als "Jugendsünde".

Jane Fonda 1972 in HANOI, VIETNAM (STF/AFP/Getty Images)

Bilder wie dieses nahm man ihr in der Heimat krumm: Jane Fonda in Hanoi, 1972

Zwischen Vietnam und Oscars

Vadim, mit dem sie eine Tochter hat, ist notorisch untreu. 1973 reicht sie die Scheidung ein und heiratet den Anti-Kriegs-Aktivisten Tom Hayden, den sie für seine Arbeit bewundert. Sie selbst protestiert schon seit 1969 lautstark gegen den Vietnamkrieg, was ihr viele Landsleute übel nehmen. Fonda spricht auf Kundgebungen und reist sogar nach Nordvietnam, wo sie sich auf einer Flugabwehrkanone sitzend fotografieren lässt. Die Aufnahmen bezeichnet sie später als Fehler. Zuhause wird sie als "Hanoi Jane" geschmäht und vom FBI überwacht.

Nach eigenen Angaben bedeutete dies einen Karriereknick für sie, der sich allerdings nicht allzu stark ausgewirkt haben kann: Gleich zwei Oscars als beste Hauptdarstellerin heimst Fonda in den 1970er-Jahren ein. Den ersten 1971 für ihre Verkörperung der Prostituierten Bree im Thriller "Klute" (Regie: Alan J. Pakula), den zweiten 1979 für das Vietnam-Drama "Coming Home - Sie kehren heim" (Regie: Hal Ashby). Immer wieder sucht Fonda sich politisch und gesellschaftlich brisante Themen aus, wie etwa den Kernkraft-Thriller "Das China-Syndrom" (1979, Regie: James Bridges).

Fonda als Fitness-Ikone

Dann baut sich in den USA die Fitness-Welle auf, und Jane Fonda reitet sie mit unfassbarem Erfolg. In ihren Aerobic-Videos springt sie in knalligen Outfits über die Bretter, und alle Frauen wollen das plötzlich auch können. 23 Videos veröffentlicht Fonda, das letzte 2010, und verkauft 17 Millionen von ihnen. Dazu Stretch-Anzüge, Socken und Hanteln. Rund 600 Millionen Dollar (etwa 507 Millionen Euro) ist ihr Fitnessunternehmen wert. In Hollywood bleibt der ganz große Erfolg unterdessen aus. Anfang der 1990er verabschiedet sich Jane Fonda vom Filmbusiness - und ihr Ehemann Tom, mit dem sie eine Adoptivtochter und einen Sohn hat, trennt sich von ihr.

Jane Fonda beim Aerobic, sie liegt auf dem Boden und streckt das Bein (picture-alliance/dpa)

Wer schon beim Anblick dieses Fotos eine Zerrung bekommt, hat wohl keines von Jane Fondas Aerobic-Videos gekauft

Die Beziehung war keine glückliche. Hayden verbietet ihr, eine Waschmaschine zu benutzen, blickt auf ihre Erfolge herab und diskutiert vor Freunden ihre Fehler. "Ich dachte einfach nicht, dass meine Ideen oder Gefühle so wichtig wie seine seien", bekennt sie später.

Es ist Zeit für eine Selbstreflexion: "Als ich 60 wurde, entschied ich, egal wie erschreckend es sein mag, dass die Wunden verheilen müssen, die mir das Patriarchat zugefügt hatte. Ich wollte nicht am Ende meines Lebens ankommen, ohne alles probiert zu haben, um eine komplette Frau mit einer lauten Stimme zu werden", schreibt sie 2016 in einem Essay. Sie habe 30 Jahre gebraucht, um zum Feminismus zu finden. Aber dann habe sie endlich beschlossen, "das zentrale Thema meines eigenen Lebens zu werden."

Bestseller-Autorin

2001 trennt sie sich von Ted Turner, Ehemann Nummer drei. Fünf Jahre lang schreibt sie an ihren Memoiren, die 2005 unter dem Titel "My Life So Far" ein Bestseller werden. Im selben Jahr wagt sie mit "Das Schwiegermonster" ein Comeback und bleibt seitdem vor der Kamera präsent. In Venedig nimmt sie im Sommer dieses Jahres zusammen mit ihrem viermaligen Filmpartner Robert Redford den Ehrenlöwen für ihr Lebenswerk entgegen. Die Netflix-Comedy-Serie "Grace und Frankie", in der Fonda eine Ehefrau verkörpert, deren Mann lieber einen anderen Mann heiraten möchte, geht 2018 in die vierte Staffel, und weitere Filme stehen bereits in ihrem Terminplan. 

Dazu profiliert sie sich immer wieder als liberale Aktivistin, spricht auf Anti-Kriegs-Demonstrationen, setzt sich für afroamerikanische Frauen und indigene Völker ein - und schwimmt noch immer bereitwillig gegen den Strom, wenn es die Situation erfordert. Als Kanadas Premier Justin Trudeau Anfang dieses Jahres Öl-Pipelines in der Provinz Alberta genehmigt, ist ihre Kritik so drastisch wie treffend: "Wir dachten nach seinem heroischen Auftritt [bei der UN-Klimakonferenz 2015, Anm. d. Red.] in Paris alle, cooler Typ. Was für eine Enttäuschung."

Jane Fonda spricht in ein Mikrofon und zeigt mit erhobenem Arm nach links (picture-alliance/AP Photo/J. Amis)

Jane Fonda auf einer Spendengala für den Umweltschutz in diesem Jahr

Noch einmal auf die Barrikaden

Und ihr Alter? Scheint keine Rolle zu spielen. Noch immer sieht sie blendend aus. Dass einige Schönheitsoperationen dazu beigetragen haben, gibt sie offen zu: "Ich wünschte, ich wäre mutig genug gewesen, um auf plastische Chirurgie zu verzichten, aber ich glaube, ich habe mir damit zehn Jahre erkauft", sagt sie dem "Guardian" 2015. Zusätzlich zwingt sie eine Brustkrebserkrankung 2010 unters Messer - und der natürliche Verschleiß: "Ich habe eine künstliche Hüfte, ein neues Knie und einen neuen Daumen, aber ich kann noch immer Pilates machen." Und das Alter habe auch Vorteile: "Man wird nicht mehr angegrapscht", scherzt sie gegenüber "People" auf ihrer Geburtstagsparty.

Der Ruhestand ist nicht in Sicht. "Ich hatte gedacht, ich könnte vielleicht mal gärtnern", sagt sie der Zeitschrift Vanity Fair kurz vor ihrem Geburtstag. Doch angesichts der politischen Entwicklungen - nicht nur in den USA - sei daran nicht zu denken: "Ich hatte nicht gedacht, dass unsere Freiheit, unsere Demokratie noch einmal so in Gefahr geraten könnte." Als geht sie weiter auf die Barrikaden. Fit genug dafür ist sie allemal. Happy birthday, Jane Fonda!

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