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Musik

Hans Zimmer - Dem Filmkomponisten zum 60. Geburtstag

Egal, um welche Art von Stimmung es auch geht - Hans Zimmer vermag sie mit seiner Musik zu transportieren. Kein Wunder, dass er in Hollywood extrem gefragt ist. Daran dürfte anfangs aber kaum jemand geglaubt haben.

Seine Noten im Musikunterricht: mäßig. Musikstudium? Fehlanzeige. Notenlesen - auch das kann er nicht so richtig, wie er selbst sagt. Und trotzdem: Hans Zimmer gehört heute zu den erfolgreichsten Filmkomponisten unserer Zeit.

Zimmer, am 12.September 1957 in Frankfurt am Main geboren, gewann den Oscar, zwei Golden Globes und ebenso viele Grammys. Er arbeitete mit Hollywood-Regie-Größen wie Christopher Nolan oder Terence Malick zusammen und komponierte für gefeierte Produktionen wie "Der König der Löwen", "Inception", "Thelma und Louise" oder "Rain Man". Als geradezu revolutionär gilt seine typische Kombination von Synthesizer- und Orchesterklängen.

Mit Glück zum großen Erfolg

Dustin Hoffman und Tom Cruise laufen nebeneinander in Rain Man (picture-alliance/dpa)

In "Rain Man" verkörperte Dustin Hoffman (l.) den authistischen Bruder von Charlie (Tom Cruise) - oscarwürdig

Der Durchbruch in Hollywood gelang ihm 1988 mit dem Soundtrack zu "Rain Man" - dass er ihn überhaupt schreiben durfte, dazu gehörte eine große Portion Glück: "Ich hatte einen kleinen englischen Film gemacht, der hieß 'A World Apart'. Ich liebe diesen Film, aber ich kenne keinen Menschen, der ihn gesehen hat. Außer meiner Mutter und der Frau von Barry Levinson, der der Regisseur bei 'Rain Man' war", erzählte Zimmer 2016 im DW-Interview. Levinsons Frau habe Zimmers Soundtrack geliebt und ihrem Mann eine CD davon gekauft. Der, ebenfalls von der Arbeit des Deutschen begeistert, engagierte Zimmer daraufhin für die Musik zu seinem Drama "Rain Man" mit Tom Cruise und Dustin Hoffman. Dank der vier gewonnenen Oscars und vier weiterer Nominierungen, darunter eine für die beste Musik, war der Name Hans Zimmer Hollywood fortan ein Begriff.

Musik für Kassenschlager des Action-Genres

In der Folgezeit ging es für Zimmer jedoch erst einmal wieder weg vom Drama-Genre und hin zu actiongeladenen Produktionen. Er schrieb Musiken für Kassenschlager wie "Thelma und Louise", "Backdraft (beide 1991) oder "The Rock" (1996). Dabei entwickelte er einen unverwechselbaren Stil aus am Computer erzeugtem Sound, rhythmischen und rockigen Motiven sowie tiefen Bässen. Als "pompös, geradezu brachial" (Spiegel Online, 2011) wurden seine Werke mitunter bezeichnet, was ihm zugleich den Vorwurf einbrachte, immer gleich zu klingen. Mit der Komposition einer klassischen Symphonie mit einigen Dutzend Orchestermusikern für "Das Geisterhaus" (1993) konnte er diese Kritik aber aus dem Weg räumen.

Erster - und einziger Oscarerfolg

Zwei Jahre später gelang Zimmer schließlich der ganz große Wurf: Für seine Musik für den Walt Disney-Zeichentrickfilm "Der König der Löwen" gewann er den Oscar - trotz zahlreicher Nominierungen sein bisher einziger. Zimmer, der heute mit einem ganzen Team im eigenen Studio in Los Angeles produziert, verband hierfür afrikanische Musik mit klassischen Elementen vom sowjetischen Komponisten Prokofjew oder Wolfgang Amadeus Mozart. Dafür gab es neben dem Oscar auch den Golden Globe.

Ein Löwe und zwei weitere Tiere aus Der König der Löwen laufen über einen Baumstamm. (picture-alliance/KPA Honorar & Belege)

Die Musik von "Der König der Löwen" ist legendär

Sieht man sich die Filme an, für die Hans Zimmer Musiken komponiert, wird deutlich, wie groß seine Bandbreite ist: Von Kinderfilmen über Dramen bis hin zu Actionstreifen und Thrillern ist alles dabei. Das ist natürlich kein Zufall: "Ich kann nicht immer dasselbe tun. Ich muss nach einem Actionfilm sofort eine Komödie machen. Nach einem großen Film für einen kleinen komponieren", erklärt Zimmer. Woher er die Inspiration nimmt? Von anderen. "Das Wichtigste für einen Musiker ist, hören zu lernen. Nicht, spielen zu lernen. Die Inspiration kommt von den anderen. Das ist wie eine Konversation, die auf einer ganz anderen Ebene stattfindet", so der Komponist im vergangenen Jahr gegenüber der DW.

Das Unsichtbare über die Musik vermitteln

Ein Kommandant der Armee vor Rauchschwaden und anderen Soldaten. Filmstill aus Dunkirk (Warner Bros. Entertainment Inc./M. S. Gordon)

In "Dunkirk" setzt Hans Zimmer das Motiv einer tickenden Uhr ein

Der besondere Stil von Zimmer, mit dem er es vermag, sämtliche Emotionen und Stimmungen - egal ob Leid, Trauer, Wut, Angst, Verzweiflung, Hoffnung oder Freude - präzise auszudrücken, ist wohl auch seiner Sichtweise auf die Musik zu verdanken. Er selbst erklärte einmal, während es früher immer geheißen habe, eine Filmmusik sei gelungen, wenn man sie nicht bemerke, wolle er sehr wohl gehört werden. Filmbilder in seiner Musik einfach nur wiederholen möchte er nicht. "Am Ende geht es darum, mit der Musik Dinge auszudrücken, die eben nicht elegant in Bildern oder Wörtern auf der Leinwand ausgedrückt werden."  

Bald der zweite Oscar?

Zu seinem 60. Geburtstag kann Hans Zimmer auf eine beachtliche Karriere zurückblicken: Mehr als 130 Filmmusiken komponierte er über die Jahrzehnte, jedes Jahr kommen bis zu sechs Soundtracks hinzu. Zu den jüngeren gehören die für "Inception", "Interstellar" - beide oscarnominiert - oder die für das Kriegsdrama "Dunkirk" (Regie: Christopher Nolan). Für letzteren sagen ihm Kritiker schon jetzt eine Oscarnominierung voraus. Zu gönnen wäre ihm der Preis allemal. 

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