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Filme

Christopher Nolan versetzt die Zuschauer an den Strand von "Dunkirk"

Der britische Regisseur hat die berühmte Evakuierungsaktion an der nordfranzösischen Küste während des Zweiten Weltkriegs verfilmt. Die 107 Filmminuten sollen dem Zuschauer ein Live-Gefühl vermitteln.

Der britische Regisseur Christopher Nolan gilt als Ausnahmekönner. Die Vorfreude auf seinen Film "Dunkirk" war groß - das Kriegsepos ist eines der am meisten erwarteten Kinoereignisse des Jahres. In London hat es vor kurzem (13.07.2017) seine Welturaufführung erlebt. Der Film kommt an diesem Mittwoch auch in die amerikanischen Kinos und startet Ende des Monats in Deutschland.

Dunkirk: Moralischer Sieg der Alliierten

Nolan hat die historischen Ereignisse um die Schlacht von Dunkirk (Dünkirchen) fürs Kino adaptiert. Unter dem Namen "Operation Dynamo" wurden damals rund 340.000 britische, französische und belgische Soldaten mit Kriegsschiffen, aber auch vielen kleineren privaten Booten über den Seeweg von der nordfranzösischen Küste nach England evakuiert. Die alliierten Truppen waren zuvor von der deutschen Wehrmacht bei Dünkirchen eingekesselt worden.

Premiere des Films Dunkirk mit Rotem Teppich und Ehrengästen (Reuters/E.M. McCormack)

Roter Teppich für "Dunkirk" mit Darstellern und Prinz Harry

Die Geschehnisse, die sich in den wenigen Tagen zwischen dem 26. Mai und dem 4. Juni 1940 abspielten, haben sich tief in die britische Volksseele eingegraben. Auch wenn Briten und Franzosen von den Deutschen nach einer militärischen Niederlage in die Zange genommen wurden, die weitgehend erfolgreiche Evakuierung stärkte im Nachhinein den Durchhaltewillen vor allem der britischen Soldaten. Die Ereignisse wurden von vielen als "moralischer Sieg" über Nazi-Deutschland empfunden.

Nolan will Zuschauer "Todesangst" spüren lassen

Als bekannt wurde, dass sich Christopher Nolan bei seinem aktuellen Filmprojekt mit der berühmten Schlacht von Dünkirchen auseinandersetzen wollte, dachten viele an ein weiteres weitausholendes, langes Kriegsepos auf der Leinwand. Doch Nolan hatte anderes im Sinn: "Viele Filme über den Zweiten Weltkrieg, die ich eigentlich bewundere, wirken genau da heute veraltet: beim Schnitt auf die Landkarte, wo jemand dasteht und alles erklärt", verriet der Regisseur jetzt in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung".

Filmszene aus Dunkirk mit Soldaten, die auf ihre Flucht übers Meer warten (Warner Bros. Entertainment Inc.)

Flucht vor den Deutschen - Angriffe aus der Luft in "Dunkirk"

"Ich will die Zuschauer an diesen Strand bringen, mit der Todesangst, der Unsicherheit, ob sie das Überleben. Als wären sie live dabei", so Nolan über sein Vorhaben, den Zuschauern einen möglichst realistischen Eindruck von den Geschehnissen an der französischen Küste zu vermitteln. Dramatische und spektakulär in Szene gesetzte Kampfszenen zu Land, zu Wasser und am Himmel sorgen im Kino für eine visuelle Achterbahnfahrt.

Christopher Nolan: Blockbuster-Regisseur mit Anspruch

Der Brite steht mit seinem bisherigen Werk für spektakuläres Überwältigungskino der intelligenten Art. Bereits seine ersten Filme "Memento" und "Insomnia" boten faszinierende Reisen in das Unterbewusstsein ihrer filmischen Protagonisten und loteten die Grenzen zwischen Wahrheit, Realität, Phantasie und Traum aus. Danach gelang es dem Briten, den Mix aus Unterhaltung und Kunstfertigkeit auch in teurere Blockbuster-Produktionen zu übertragen.

Filmszene aus Dunkirk mit Kenneth Branagh als britischer Commander Bolton (2017 Warner Bros Entertainment/Foto: Melinda Sue Gordon)

Kenneth Branagh spielt den britischen Commander Bolton

Sowohl in seinen Batman-Filmen ("The Dark Knight") als auch in seinen Science-Fiction-Epen ("Interstellar") fanden Ausstattung und spektakuläre Spannungsmomente sowie ästhetischer Anspruch zusammen. Ohne Zweifel gehört Nolan zum weltweit überschaubaren Kreis der Regisseure, die mit viel Geld aus Hollywood überaus intelligentes Unterhaltungskino mit Tiefgang auf die Beine stellen können.

"Dunkirk": Keine Superstars aus Hollywood, keine Identifikationsfigur

Und so ist auch "Dunkirk" beides: Kino für die große Masse, aber auch für diejenigen Zuschauer, die sich für neue Spielarten der siebten Kunst interessieren. Der Film verzichtet über weite Strecken auf Dialoge - und auf einen zentralen Filmcharakter, mit dem sich der Zuschauer identifizieren kann. Es sind vornehmlich drei Erzählstränge und Perspektiven, die Nolan vor dem Zuschauer ausbreitet: Zwei britische Soldaten an der Küste, zwei Männer in Booten sowie ein britischer Pilot treiben die Handlung voran.

Bei den Schauspielern verzichtete der Regisseur ganz bewusst auf aktuelle Superstars aus Hollywood und besetzt die Rollen ausnahmslos mit europäischen Darstellern: "Das ist ungewöhnlich für Hollywood, und es ist auch ein Risiko", so Nolan gegenüber der SZ. Er habe dem produzierenden Studio gesagt, wie er es machen wolle: "Mit einer gewissen Ernsthaftigkeit und mit Respekt vor den historischen Fakten." Mit dabei ist auch der britische Sänger Harry Styles ("One Direction") in der Rolle eines jungen Soldaten.

Filmszene aus Dunkirk mit Soldaten und Boot am Strand der Nordsee 1940 (Warner Bros. Entertainment Inc./M. S. Gordon)

Jedes Boot wird für die Evakuierung nach England gebraucht

Auch die Beschränkung auf die bei diesem Thema ungewöhnliche kurze Spieldauer, 107 kompakte Film-Minuten, waren eine ganz bewusste Entscheidung des Regisseurs. Nolan wollte die Zuschauer vor allem emotional ansprechen: "Es ist kein klassischer Kriegsfilm. Der Feind wird nicht einmal benannt, es geht nur ganz am Rande um Kriegspolitik, und wir sehen die Deutschen kaum, außer in ihren Flugzeugen." Er habe ein "elementares, universales, fast biblisches Gefühl erzeugen" wollen: "Die Israeliten, gefangen am Strand des Roten Meeres, im Rücken die Ägypter" erzählt der Regisseur im Interview.

Deutschlands Hans Zimmer steuerte den Soundtrack bei

Der Film, der im vergangenen Jahr vor allem an Originalschauplätzen gedreht wurde, und zu dem der deutsche Hollywood-Komponist Hans Zimmer die Musik beisteuerte, wird von amerikanischen Filmjournalisten bereits als heißer Oscarkandidat für 2018 gehandelt.

Premiere des Films Dunkirk in London mit Prinz Harry und Harry Styles (Reuters/E.M. McCormack)

Prinz Harry begrüßt bei der Weltpremiere den Sänger und Schauspieler Harry Styles

Anschauen sollte man sich "Dunkirk", wo immer das möglich ist, auf der großen Leinwand - am besten in einem IMAX-Kino. Der Film wurde zum Teil mit 70-mm-Spezialkameras aufgenommen, was besonders hochauflösende und scharfe Bilder ermöglicht. Christopher Nolan gilt als bekennender Fan analoger Filmmaterialien und der Aufführungspraxis von Filmen in großen Kinos.

Nolan: "Diese Seherfahrung sollten Sie machen."

Im SZ-Interview verriet Nolan den Zuschauern, wie er sich die einzelnen Szenen von "Dunkirk" während der Dreharbeiten angeschaut hat - und gibt ihnen einen Rat mit auf den Weg: "Es ist das Kino, in dem ich mir selbst alles anschaue, in jeder Phase der Postproduktion. Die Leinwand ist 18 Meter hoch, es sind noch echte Filmrollen im Projektor, 70-Millimeter-Film, superscharf und hochauflösend, besser geht es nicht. Diese Seherfahrung sollten Sie machen." Wenn es nach ihm ginge, so Nolan, sollte diese Erfahrung eigentlich am besten jeder Zuschauer machen: "Diese traditionsreiche Technik ist jeder digitalen Projektion haushoch überlegen." 

Mehr zu Christoper Nolans aktuellem Film "Dunkirk" in der neuen Ausgabe von KINO, darin auch ein Bericht über Sönke Wortmanns "Sommerfest" und ein Ausblick auf einen möglichen deutschen Kinohit des Sommers: "Bullyparade".

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