″Gladbeck″ - das Geiseldrama im Film | Filme | DW | 07.03.2018
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Filme

"Gladbeck" - das Geiseldrama im Film

Zwei Bankräuber nehmen Geiseln und fahren mit ihnen durch die Republik - mit etlichen Journalisten im Schlepptau. Die ARD hat das Verbrechen und das skrupellose Verhalten der Medien zum TV-Zweiteiler verarbeitet.

Filmstill aus dem ARD-Zweiteiler Gladbeck mit den beiden Hauptdarstellern. (picture alliance/dpa/M. V. Menke/ARD Degeto/Ziegler Film)

Alexander Scheer (links) und Sascha Alexander Gersak (rechts) als Verbrecher-Duo Dieter Degowski Hans-Jürgen Rösner im Film "Gladbeck"

30 Jahre ist es her: In der kleinen nordrhein-westfälischen Stadt Gladbeck überfallen Dieter Degowski, 32, und Hans-Jürgen Rösner, 31, eine Deutsche-Bank-Filiale. Sie fliehen mit zwei Geiseln nach Bremen und bringen dort einen Bus mit 35 Insassen in ihre Gewalt. Mit zwei von ihnen fliehen sie weiter nach Köln - und eine Schar von Journalisten ist bei den Ereignissen live dabei. Mitten in der Kölner Innenstadt werden Interviews mit den Tätern und ihren Geiseln geführt. Der Boulevardreporter Udo Röbel, später Chefredakteur bei BILD, steigt sogar zu Degowski und Rösner ins Auto, weist ihnen den Weg aus der Stadt hinaus und greift damit als Akteur ins Geschehen ein. Die Tat geht als Gladbecker Geiseldrama in die deutsche Fernsehgeschichte ein. Es ist das erste Verbrechen, das als "Live-Krimi" zu sehen war.

Rüge für die Medien

Als die Geiselnahme nach 54 Stunden am 18. August 1988 endet, sind drei Menschen tot. Die Polizei wird mit schweren Vorwürfen konfrontiert, im Fall der Medien ist von einem "Sündenfall", vom Verlust der Unschuld die Rede.

Geiselnehmer Rösner wird interviewt beim Gladbecker-Geiseldrama. (picture-alliance/AP Photo)

Während die Geiseln im Auto sitzen, interviewen zahlreiche Journalisten Geiselnehmer Rösner

Bereits in der Vergangenheit hatten sich Filmemacher, Musiker und Autoren mehrfach dem Gladbecker-Geiseldrama gewidmet. Am Mittwoch- und Donnerstagabend (7./8. März) ist im öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ARD der neueste Beitrag zu den Geschehnissen aus dem Jahr 1988 zu sehen: der Zweiteiler "Gladbeck" von Regisseur Kilian Riedhof. Schon jetzt gilt der Film als eines der deutschen TV-Highlights des Jahres.

Er wolle die "Erschütterung und Ohnmacht", die er selbst angesichts von Gladbeck empfunden habe, auf das Publikum übertragen, so Riedhof. "Filme dürfen nicht im Kopf stecken bleiben, sie müssen uns bewegen. Das Trauma von Gladbeck braucht unsere kollektive Empathie, um verarbeitet zu werden", erklärte der 46-Jährige der Deutschen Presseagentur. Und so holt er den Nervenkrieg von vor 30 Jahren zurück auf den Bildschirm - mit größtmöglicher Faktentreue und, so sagt er, der Begegnung mit dem Animalischen - der Frage also, wie sich anarchische Gewalt auf Polizisten, Journalisten und vor allem die Geiseln auswirkte.

Filmstill ARD-Zweiteiler Gladbeck mit Menschenmassen und Journalisten um Polizeiauto. (picture alliance/dpa/M. V. Menke/ARD Degeto/Ziegler Film)

Erschütternde Szene aus dem Film "Gladbeck": Zuschauer und Reporter behindern die Polizeiarbeit

In der Rolle des Geiselnehmers Rösner ist Sascha Alexander Gersak zu sehen. Alexander Scheer spielt seinen Komplizen Degowski, und Zsa Zsa Inci Buerkle verkörpert die damals 18-jährige und durch Rösner getötete Geisel Silke Bischoff. 

Opferperspektive im Vordergrund

Bei dem Film handelt es sich um kein Dokudrama, sondern um einen "dramatisch verdichteten Spielfilm", erläutert Regisseur Kilian Riedhof. Für das Drehbuch zog Autor Holger Karsten Schmidt unter anderem die Untersuchungsberichte aus Nordrhein-Westfalen und Bremen als Quellen heran. Daneben seien etwa Tondokumente umfassender als zuvor ausgewertet worden, so Produzentin Regina Ziegler über das mehrjährige Projekt. Was der Öffentlichkeit zunächst verborgen blieb - Chaos, aber auch Kalkül in den Behörden - rekonstruierte die Crew anhand von Protokollen, Aufzeichnungen und Gesprächen.

"Gladbeck" wird bei Riedhof aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet: aus der Sicht von Polizei, Journalisten und Geiseln. Letzteren wollte der Grimme-Preisträger aber mehr Raum geben, wie er sagte.

Täter Hans-Jürgen Rösner, der bis heute in Haft sitzt, hatte versucht, den Film juristisch zu verhindern, scheiterte aber damit. Dieter Degowski wurde im Februar dieses Jahres aus dem Gefängnis entlassen.

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