Gladbecker Geiselgangster Degowski nach fast 30 Jahren Haft frei | Aktuell Deutschland | DW | 16.02.2018
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Justiz

Gladbecker Geiselgangster Degowski nach fast 30 Jahren Haft frei

Der zu lebenslanger Haft verurteilte Gladbecker Geiselgangster Dieter Degowski ist aus der Haft entlassen worden. Das blutige Geiseldrama gehört zu den spektakulärsten Verbrechen der deutschen Kriminalgeschichte.

Degowski 1988 während der Entführung eines Linienbusses in Bremen (picture-alliance/AP Photo)

Degowski 1988 während der Entführung eines Linienbusses in Bremen

Dieter Degowski ist nach fast 30 Jahren Haft wieder frei. Der Gladbecker Geiselgangster konnte nach Angaben des Landgerichts Arnsberg die Justizvollzugsanstalt im westfälischen Werl mit neuer Identität verlassen. 

Degowski und sein ein Jahr jüngerer Komplize Hans-Jürgen Rösner hatten im August 1988 die Bundesrepublik in Atem gehalten. Sie hatten eine Bank in der Ruhrgebietsstadt überfallen und mehrere Geiseln genommen. Im Verlauf ihrer dreitägigen Flucht erschossen die Täter zwei Geiseln, ein Polizist kam während des Einsatzes durch einen Verkehrsunfall ums Leben.

Journalisten wetteiferten daraum, Interviews mit Hans-Juergen Rösner und seinem Komplizen Degwoski zu gekommen - und behinderten so die Arbeit der Polizei(picture-alliance/AP Photo)

Journalisten wetteiferten daraum, Interviews mit Hans-Juergen Rösner und seinem Komplizen Degwoski zu gekommen - und behinderten so die Arbeit der Polizei

Das Gladbecker Geiseldrama ging als eines der spektakulärsten Schwerverbrechen in die deutsche Kriminalgeschichte ein. Zudem gilt es angesichts der Schonungslosigkeit, mit der Journalisten um die Berichterstattung wetteiferten, während die Geiseln um ihr Leben bangten, als medienhistorisch bedeutende Ausnahmesituation.

Degowski und Rösner wurden zu lebenslanger Haft verurteilt. Bei Degowski wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Rösner, bei dem zusätzlich Sicherungsverwahrung angeordnet wurde, sitzt weiterhin im Gefängnis. Auch er strebt eine vorzeitige Entlassung an. Voraussetzung ist eine Therapie. 

Degowski (M.) mit der Geisel Silke Bischoff (r.), die von einer Kugel seines Komplizen getötet wurde

Degowski (M.) mit der Geisel Silke Bischoff (r.), die von einer Kugel seines Komplizen getötet wurde

Degowskis lebenslange Freiheitsstrafe hatte die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Arnsberg am 10. Oktober 2017 unter zahlreichen Weisungen zur Bewährung ausgesetzt. Sie hatte sich nach Angaben des nordrhein-westfälischen Justizministeriums auf die günstige Prognose und das tadellose Verhalten Degowskis im Vollzug gestützt. Eine Entlassung war für die nächsten Monate angekündigt worden. 

Laut Gutachten sei der 61-Jährige "nachgereift, psychisch stabil" und ohne Alkohol- und sonstige Suchtprobleme, hatte Justizminister Peter Biesenbach (CDU) im November erklärt. Degowski habe alle Lockerungen der Justizvollzugsanstalt Werl beanstandungsfrei absolviert - insgesamt 38 unbegleitete sowie zwölf Langzeitausgänge. Auch die Staatsanwaltschaft hatte keinerlei Einwände erhoben. 

Der Fluchtwagen der Täter (r.), der von einem Mercedes der Polizei gestoppt wurde. Die Geisel Silke Bischoff starb hier durch eine Kugel aus Rösners Waffe (picture-alliance/dpa)

Der Fluchtwagen der Täter (r.), der von einem Mercedes der Polizei gestoppt wurde. Die Geisel Silke Bischoff starb hier durch eine Kugel aus Rösners Waffe

Degowskis Anwältin Lisa Grüter hatte bereits im vergangenen Oktober mit Blick auf die nahende Entlassung ihres Mandanten mitgeteilt, dass er künftig nicht mehr Degowski heißen werde. Mit einem neuen Namen wolle er "dieses Stigma" loswerden, dass "er sich mit Degowski vorstellen muss, dem Namen, der so viele Erinnerungen weckt", erläuterte Grüter. Zudem sei er dankbar dafür, "dass er von der Gesellschaft noch eine Chance bekommt". 

stu/ww (afp, dpa, epd)
 

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