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Filme

Generalabrechnung mit George W. Bush

Michael Moore hat in Cannes den Siedepunkt erreicht. Nach der Premiere von "Fahrenheit 9/11" wurde er mit 20-minütigen Standing Ovations gefeiert. Doch nach wie vor ist offen, ob der Film in die US-Kinos kommt.

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Michael Moore sorgt für Medienrummel

Medienrummel um Michael Moore in Cannes

US-Dokumentarfilmer Michael Moore und seine Frau, die Produzentin Kathleen Glynn.

Der überlange Abwahl-Spot gegen George W. Bush "Fahrenheit 9/11" wurde in dieser Woche als offizieller Beitrag im Hauptwettbewerb des Festivals gezeigt. Die Zuschauer waren begeistert. Unter den prominenten Gästen: Mick Jagger und Caroline von Monaco. Viele Zuschauer wollten sich selbst ein Bild davon machen, ob der Film die bevorstehende Wahl in den USA beeinflussen könnte. Die einhellige Meinung: Wenn er denn in die Kinos käme, dann ja. Doch nach wie vor hat Moore nach der Absage des Disney-Konzerns noch keinen Vertriebspartner gefunden.

Der Disney-Boykott

Finanziert wurde der Film von Miramax, dessen Mutterkonzern Disney den Vertrieb jedoch verhindern will. Die beiden Miramax-Chefs, Bob und Harvey Weinstein wollen den Film nun zurückkaufen. Auf die Frage, ob "Fahrenheit 9/11" in den USA gezeigt wird, gab sich Harvey Weinstein in Cannes zuversichtlich: "Habe ich Sie jemals enttäuscht"? Auch Michael Moore versprach seinen Fans, dass der Film noch vor den Wahlen im November laufen werde. "Wenn die Amerikaner meinen Film sehen werden, werden sie Dinge sehen, die sie noch nie zuvor gesehen haben, weil die US-Medien ihre Arbeit nicht gemacht haben", kritisierte er die US-amerikanische Presse. Moore ließ sich vor hunderten von Journalisten die Gelegenheit zum Wahlkampf nicht nehmen: "Der dümmste Mann, der jemals um das Rennen im Weißen Haus war, muss im November abgewählt werden" - mit dieser Botschaft fand Moore viel Anklang.

Für seinen Film hat Moore noch einmal alles aus den Archiven geholt, was die Amtszeit von Bush hergibt - angefangen mit der gestohlenen Wahl in Florida, bis hin zu Vorwürfen, die Familie Bush unterhielte geschäftliche Verbindungen zu saudi-arabischen Ölfirmen und damit letztlich zur Familie von Osama bin Laden. Der derzeitige Präsident habe vor dem 11. September 2001 schlicht geschlafen und die Terroranschläge dann für seine Kriegspläne in Irak ausgenutzt. Der Titel des Films ist abgeleitet von Ray Bradburys "Fahrenheit 451". In dem Roman, der 1966 verfilmt wurde, geht es um die Temperatur, mit der in einer utopischen Albtraumgesellschaft Bücher verbrannt werden. Moore nennt "Fahrenheit 9/11" die "Temperatur, bei der die Freiheit verbrennt".

"Das Problem liegt im Weißen Haus"

In der ersten Hälfte des Films berichtet Moore rein dokumentarisch. Hiernach wird der Film zusehends propagandistisch und emotional. Mit allen Mitteln appelliert der Filmemacher an die Gefühle der Zuschauer. So zeigt er beispielsweise nie gesehene, verstörende Bilder von irakischen Kindern und besucht Mütter verstorbener GIs. Ihm ist es sogar gelungen, Filmteams als sogenannte "embedded journalists", in die Reihen der Soldaten in Irak zu schicken. Daneben findet Moore zu alter - humoristischer - Form zurück, wenn er Kongress-Abgeordnete überreden will, ihre Kinder in den Krieg zu schicken.

Diese Szenen erinnern an Moores Auftritte in "Bowling for Columbine". Für diesen Dokumentarfilm über den weit verbreiteten Waffenbesitz in den USA wurde Moore im vergangenen Jahr mit einem Oscar ausgezeichnet. Die Preisverleihung nutzte er zu einer ebenso spektakulären wie scharfen Attacke gegen den Irak-Krieg und Präsident Bush. In "Fahrenheit 9/11" tritt Moore kaum selbst auf. Dies sei nicht notwendig gewesen, weil der Inhalt für sich selbst spreche, sagte er. Doch natürlich stehe der Film für seine Stimme, seine Sichtweisen und Visionen sowie für seinen Humor. Auf die Frage, ob "Fahrenheit 9/11" die Präsidentschaftswahl in den USA beeinflussen werde, sagte Moore: "Ich hoffe, dass er die Zuschauer wenigstens so weit beeinflussen wird, dass sie aus dem Kino kommen und bessere Staatsbürger werden." (fro)

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