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Wirtschaft

Gelassen sieht Frankreich dem Euro entgegen

Händler rechnen, Medien informieren, Politiker machen Mut. In Frankreich läuft die Vorbereitung auf den Euro.

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Befürworter des Euro: der französische Premierminister Lionnel Jospin, der Präsident Frankreichs Jacques Chirac und der deutsche Kanzler Gerhard Schröder (von links).

Der Händler in dem kleinen Zeitungskiosk im achten Pariser Arrondissement ist nicht besonders begeistert, wenn man ihn auf den Euro anspricht, und das hat praktische Gründe: "Ich benötige eine zweite Kasse. Die alte für Euro, in die neue kommen die Francs. Für mich wird es hier noch enger, und für die Leute ein bisschen lästiger."

Den Umrechnungskurs hat er sich aber bis zur zweiten Stelle hinterm Komma gemerkt: "Ein Euro macht 6,55 Francs und ein paar Zerquetschte. Ich werde mit einem Rechner arbeiten, sonst halten mich die Leute noch für einen Dieb."

Francs in Euro umzurechnen sei aber gar nicht so nicht kompliziert, meint Jean-Francis Pecresse, Journalist der Wirtschaftszeitung Les Echos: "So schwer ist die Umrechnung von Euro in Franc nicht. Man multipliziert mit sechs und addiert zehn Prozent. Das ist die einfachste Regel."

Vielleicht liegt es an der Mathematik, dass sich viele Franzosen noch nicht so richtig begeistern können für die neue Währung. Jean-Francis Pecresse von Les Echos: "Interesse gibt es, aber die Menschen verspüren noch keine rechte Lust auf den Euro. Die Folge: Insbesondere der Mittelstand ist schlecht vorbereitet. Gerade 15 Prozent der Betriebe rechnen bereits in Euro. Jeder dritte will mit der Umstellung bis zum Stichtag warten." Die Medien haben das Defizit erkannt. Sonderseiten und Sondersendungen werden vorbereitet.

Auch die Politiker melden sich immer wieder zu Wort. Trotz der Schwäche der neuen Währung gegenüber dem Dollar verbreiten Präsident und Premierminister Optimismus. Die Botschaft von Präsident Jacques Chirac: "Die Stärke einer Währung misst sich an ihrem langfristigen Wert und nicht an kurzen Wechselkursschwankungen. Der Euro ist unsere Währung, ein gemeinsames Gut aller Europäer. Sie ruht auf einem sicheren Fundament."

Langfristig werde der Euro stark und stabil, meint auch Premierminister Lionel Jospin: "Ich glaube, der Euro hat von der aktuellen, unbefriedigenden Situation aus gesehen ein starkes Aufwertungspotential."

Der Euro sei aber gar nicht das eigentliche Problem meint Pecresse. Die Franzosen seien schließlich durch den Francs an schwache Währungen gewohnt. Viel beunruhigender sei aber, dass man den Menschen gesagt habe, der Euro stehe für Wirtschaftswachstum. Der gegenwärtigen Konjunktureinbruch könnte nun das Vertrauen erschüttern.

Fragt man auf der Straße nach, äußern sich die meisten Passanten wohlwollend: Das europäische Geld erleichtert das Reisen, sagt ein Mann. Ein anderer meint: Die gemeinsame Währung sei gut für die Wirtschaft. Nur eine Frau befürchtet, dass die Preise mit der Einführung des Euro steigen werden. Am ersten Januar ist Stichtag. "Was mit den zwei Währungen passieren wird", meint ein junger Mann. "Schauen wir mal."

Es wird schwierig. Vor allem für die Einzelhändler, die Taxifahrer oder Bäcker, und überhaupt für alle Verbraucher. Man werde gemeinsam rechnen und sich eben durchboxen, sagt Pecresse: "Die Menschen werden Solidarität üben. Das ist eine der französische Spezialitäten und in harten Zeiten so üblich."

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