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Welt

Gehen in Deutschland die Lichter aus?

Kein Land der Welt verlässt sich so auf Solarenergie wie Deutschland. Doch was passiert mit der Stromversorgung während der Sonnenfinsternis? Müssen wir uns Sorgen machen?

Die Sonnenfinsternis am 20. März ist eine besondere Herausforderung für die Solarstromproduktion - in ganz Europa, aber vor allem in Deutschland. Denn hier befindet sich ein Viertel der weltweiten Photovoltaik-Kapazität: Die Deutschen verwenden so viel Solarstrom wie niemand sonst.

Das deutsche Energienetz verlässt sich mehr und mehr auf erneuerbare Energien. Statt wenigen, großen kommen nun viele kleine, flexible Kraftwerke ans Netz. Experten meinen, dass die Sonnenfinsternis eine Chance ist zu testen, wie anpassungsfähig und entwickelt dieses neue Netz ist.

Was passiert während der Sonnenfinsternis?

Während der Sonnenfinsternis schiebt sich der Mond zwischen Erde und Sonne. Eine totale Sonnenfinsternis passiert nur, wenn der Mond die Sonne komplett abdeckt: Dann wird der Tag kurzfristig zur Nacht.

Während der Sonnenfinsternis sind die einzigen zugänglichen Orte, an denen eine totale Sonnenfinsternis sichtbar ist, die Färöer Inseln und das norwegische Inselarchipel Spitzbergen. Doch eine partielle Sonnenfinsternis wird im weiten Umfeld zu sehen sein: Deutschland und andere Teile Mitteleuropas werden bis über 80 Prozent abgedunkelt.

Die letzte Sonnenfinsternis dieser Stärke spielte sich in Europa 1999 ab. Aber damals waren die Rahmenbedingungen noch komplett andere: Deutschland bezog zu diesem Zeitpunkt nur ein Prozent der Elektrizität aus Solarenergie - jetzt sind es fast sieben Prozent.

ENTSO-E, der Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber, schätzt, dass die Hälfte der Solarenergieeinbußen während der Sonnenfinsternis in Deutschland zu erwarten sind, 21 Prozent in Italien. Laut ENTSO-E wird es das erste Mal sein, dass eine Sonnenfinsternis sich auf das Stromnetz spürbar auswirkt.

Bricht das Netz zusammen?

Innerhalb der vergangenen Monate haben mehrere Medien in Deutschland Artikel veröffentlicht, die die Frage aufwerfen, ob Deutschland während der Sonnenfinsternis der Strom ausgeht. Es sei eine Herausforderung: Die Einspeisemenge von solarer Energie könnte von 18 auf neun Gigawatt fallen und wieder auf 26 Gigawatt ansteigen - innerhalb weniger Stunden.

Während dieser Zeit wird der fehlende Solarstrom durch Strom aus konventionellen Kraftwerken ersetzt. Bruno Burger vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesystem ISE erklärt: "Die große Leistung werden Steinkohle-, Braunkohle-, Gas- und Pumpspeicherkraftwerke liefern." Kernkraftwerke sind nicht schnell genug regulierbar und werden daher nicht für Solarkraftwerke einspringen.

Genau die richtige Menge Strom im Netz zu haben, wird die Herausforderung. "Weil das Netz an sich ja keinen Speicher hat, müssen wir zu jeder Sekunde so viel Strom erzeugen, wie wir auch verbrauchen", sagt Bruno Burger der DW. Dabei ist nicht so sehr das Fehlen des Lichts der Knackpunkt - schließlich geht die Sonne jeden Tag unter, ohne dass die Solarbranche damit ein Problem hätte. Vielmehr ist es die Geschwindigkeit, mit der es verschwindet und wiederkommt.

Solarenergie in Deutschland

Kein ungewöhnlicher Anblick in Deutschland: Familienhäuser mit Photovoltaikanlagen

Laut Burger ist dabei das Wiederkehren des Lichts nach der Sonnenfinsternis das größere Problem. Dann ist der Wechsel der Lichtinsensität drastischer als beim Verschwinden der Sonne. In Berlin beginnt die Sonnenfinsternis morgens um 9.38 Uhr, wenn die Sonne noch nicht steil am Himmel steht und endet um 11.58 Uhr, wenn die Einstrahlung viel intensiver ist. "Wenn die Sonne wiederkommt, müssen die konventionellen Kraftwerke ihre Leistung wieder zurückregeln. Die Solarenergie fahren wir dann in einer oder eineinhalb Stunden von neun auf bis zu 26 Gigawatt hoch", so Burger.

Hoffen auf die größte Herausforderung

Deutschland ist einer der Vorreiter, wenn es um Solarenergie geht. 1,4 Millionen Solarinstallationen gibt es im Land. Bis 2050 sollen 80 Prozent der Elektrizität aus erneuerbaren Energie stammen. Wenn das Deutsche Netz dem Test der Sonnenfinsternis stand hält, könnte dies auch international Signalwirkung haben. Und Experten sind sich einig: Das Energienetz wird nicht zusammenbrechen. Es ist ein gut durchplanbares Ereignis, auf das sich Netzbetreiber und Forscher seit Monaten vorbereitet haben.

Solarpark Deutschland

Ein Solarpark im mitteldeutschen Ronneburg

Sollte der Tag bewölkt sein, sind die Effekte der Sonnenfinsternis milder. Aber für Bruno Burger ist das noch nicht einmal das wünschenswerte Szenario: Er hofft auf einen sonnigen Tag. "Wir, die Solarenergieleute und die Netzbetreiber fänden es gut, wenn viel Sonne da ist. Dann wird das ganze System auf die Probe gestellt und alle sind gefordert. Danach können wir auch stolz sein, wenn wir es gemeistert haben." Für die Wissenschaft ist der schwierigste Fall also der Beste.

Denn nur der wird Hinweise darauf geben können, wie gut das Netz für die Zukunft ausgerichtet ist: Das Forscherteam des Think Tanks Agora Energiewende glaubt, dass im Jahr 2030 die eingespeiste Strommenge manchmal innerhalb einer Stunde um bis zu 14 Gigawatt steigen oder fallen wird. Am 20.März sind bei gutem Wetter bis zu 15 Gigawatt Unterschied zu erwarten, also ein realistischer Prüfstein. Wenn das Netz, das heute lange nicht so flexibel ist wie in 15 Jahren, mit dem wechselnden Sonnenlicht umgehen kann, dann wird dies auch 2030 möglich sein.

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