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Solarwirtschaft

Solarkraft vor globalem Durchbruch

Immer mehr Länder setzen auf die günstige Solarkraft. Der Absatz von Solarmodulen stieg 2014 um 20 Prozent. Um die Zukunftstechnologie wird aber auch hart gerungen. Deutschland fällt als Vorreiter zurück.

Im globalen Solarmarkt geht es weiter stürmisch voran. Getrieben wird der Boom durch die purzelnden Preise für die solare Stromerzeugung. Solarkraftwerke produzieren an immer mehr Orten der Welt den Strom günstiger als aus Dieselgeneratoren und neuen Gas-, Kohle- und Atomkraftwerken.

Weltweit wurden 2014 nach vorläufigen Schätzungen rund 45 Gigawatt (GW) Solarkraft installiert. Dies entspricht der Stromerzeugungskapazität von etwa 11 großen Kohle- oder Atomkraftwerken. Nach Ansicht von Experten steht der große globale Boom aber erst noch bevor.

Für dieses Jahr prognostizieren die Marktforscher neue Installationen von über 50 GW, "für 2020 erwarten wir einen Zubau zwischen 100 und 150 Gigawatt. Der Markt wird also weiter rasch wachsen", erklärt Europas führender Solarforscher Professor Eicke Weber, Chef des Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme, gegenüber der DW. Der weltweite Strombedarf würde dann schon zu etwa vier Prozent mit Solarkraft gedeckt.

Infografik Zubau von Photovoltaik pro Jahr

Der Zubau in Europa stagniert. Der Boom findet vor allem in Asien statt. In Lateinamerika und Afrika beginnt die Dynamik

Auch Lateinamerika und Afrika setzen zunehmend auf Solarkraft

In den Anfangsjahren wurden Solaranlagen vor allem in Europa aufgebaut, in Spanien und Italien, vor allem aber in Deutschland. Seit 2013 verändert sich der Solarmarkt jedoch radikal. Deutschland und Italien drosselten die Dynamik des Ausbaus, dafür legten China, Japan und die USA kräftig zu.

Nach vorläufigen Schätzungen wurden 2014 in China rund 13 GW, in Japan neun und USA sieben Gigawatt Photovoltaik neu installiert. In Deutschland schrumpfte der Zubau auf etwa zwei Gigawatt, in den Jahren 2010 bis 2012 waren es noch über sieben Gigawatt pro Jahr.

Seit 2014 gibt es aber auch außerhalb von Asien und den USA ein starkes Interesse an der Solarenergie. Einige Länder in Lateinamerika, dem Nahen Osten und Afrika treiben den Solarausbau kräftig voran.

Tiefpunkt für deutsche Solarbranche durchschritten

Die vergangenen zwei Jahre waren für die deutsche Solarbranche bitter: Modulfabriken gingen wegen des einbrechenden Heimatmarktes und der harten Konkurrenz aus China in die Insolvenz, Installationsbetriebe entließen Personal. Von den 127.000 Beschäftigten in der Solarbranche verloren über 50.000 ihren Job.

Das Tal der Tränen scheint für die Branche 2014 aber durchschritten zu sein. Energieversorger, Stadtwerke und Wohnungswirtschaft wollen Mieter mit günstigen Solarstrom vom Hausdach versorgen. Auch der Verkauf von Batteriespeichern für die Solarstromnutzung am Abend zieht kräftig an. "Die Branche blickt etwas optimistischer ins Jahr 2015 was Deutschland betrifft und besonders optimistisch bezüglich der weltweiten Märkte", so Jörg Mayer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft. "Die allermeisten Unternehmen haben sich um-orientiert und machen in der Regel auch das Auslandsgeschäft."

Optimistisch zeigen sich auch die Ausrüster für Photovoltaikfabriken. Die deutschen Maschinenbauer sind weltweit führend bei der Ausstattung der High-Tec-Fabriken, 2014 verzeichneten sie im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzplus von über 30 Prozent. Und auch für 2015 sind die Aussichten positiv: "Wir erwarten wieder verstärkte Investitionen in neue Produktionslinien", so Dr. Peter Fath vom Fachverband Photovoltaik-Produktionsmittel in der Deutschen Maschinenbauindustrie (VDMA).

Infografik Sonnenstrom welweit günstiger 2015

Solarstrom ist inzwischen konkurrenzfähig, besonders im Vergleich zum Strom aus dem Netz.

Rennen um günstige Technik

Die Solarenergie kann eine wesentliche Stütze für die klimafreundliche Energieversorgung werden, die Perspektiven dieser Technik sind gut. Weltweit werden verschiedene Technologien mit Nachdruck vorangetrieben. Dabei geht es um mehr Effizienz und um Kostensenkung.

Professor Eicke R. Weber

Ein Ende der Dynamik ist noch lange nicht in Sicht. Weber prognostiziert anhaltenden Boom.

Nach Schätzung von Experten wird sich die Erzeugung von Strom aus Solarkraft daher weiter verbilligen, in den nächsten fünf Jahren um über 30 Prozent. "Unsere Planung für die neueste Technologie, die ab 2017, 2018 verfügbar wird, geht davon aus, dass wir hier in Süddeutschland dann eine Kilowattstunde Strom (kWh) für ca. sechs Eurocent erzeugen können und in Südspanien für drei bis vier Cent. Das ist deutlich unter dem Preis von heute", so Weber. Im Vergleich zu allen anderen Technologien wäre damit Solarstrom sehr viel günstiger.

Das Rennen um die beste und günstigste Solartechnik wird aber nicht nur auf der Ebene der Forschung geführt. Verärgert reagieren westliche Solarkonzerne auf staatliche Subventionen für die chinesische Solarindustrie. "Das ist Planwirtschaft pur. China versucht dmit unsauberen Methoden, den Weltmarkt zu dominieren. Da wird unter den Herstellungskosten verkauft", wettert Milan Nitzschke, Konzernsprecher des Bonner Solartechnikunternehmens Solarword, gegenüber der DW.

Um sich vor der chinesischen Konkurrenz zu schützen, initiierte der deutsche Konzern Zollverfahren in den USA und Europa. Mit Erfolg.

Für Nitzschke geht es ums Überleben im freien Wettbewerb. "Hätten wir keine Zollregelung mit Mindestpreisen, dann hätten wir auch keine europäische Solarindustrie mehr. Daher ist es wichtig, dass die Regelung in Kraft bleibt. Verstöße können nicht toleriert werden."

Doch nur sehr wenige Solarkonzerne überlebten den harten Preiskampf in den vergangenen Jahren. Für viele kamen die Zölle zu spät. Und wer es schaffte, brauchte neben innovativer Technologie auch einen sehr finanzkräftigen Investor, der zudem genügend Durchhaltewillen zeigt.

Solarworld war erfolgreich, überstand diese schwierigen Jahre und blickt wieder optimistisch in die Zukunft. "Wir arbeiten am Ausbau der Kapazität und der Effizienz und sind wieder Technologielokomotive in der weltweiten Solarindustrie", zeigt sich Nitzschke selbstbewusst. "Wir werden wieder in den Top Ten mitspielen. Außerhalb Chinas sind wir der größte Hersteller und wollen es bleiben."

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