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Sport

Gefallene und echte Helden

Die Tour de France ist reich an Geschichten, guten wie schlechten. Die Historie der Frankreich-Rundfahrt kennt inzwischen viele Skandale, aber auch Geschichten zum Schmunzeln - ein Rückblick.

"Die Tour de France drei Wochen lang ungedopt zu fahren, ist nicht gesund", hat vor wenigen Tagen Stefan Schumacher vor Gericht gesagt. Der deutsche Radprofi ist des Betrugs angeklagt. Seit Jahren wird die traditionsreiche Frankreich-Rundfahrt den langen Dopingschatten nicht mehr los. Kurz vor dem Start der 100. Auflage berichtet die Sportzeitung L'Equipe, dass auch der in Frankreich äußerst beliebte Ex-Zeitfahrweltmeister Laurent Jalabert bei der Tour 1998 positiv auf EPO getestet worden sei. Die damalige Rundfahrt hatte nach der Dopingaffäre um das Team Festina kurz vor dem Abbruch gestanden.

Drei Gesamtsiegern wurden seit der Premiere im Jahr 1903 ihre Titel wegen Dopings nachträglich aberkannt: dem US-Amerikaner Floyd Landis 2006, dem Spanier Alberto Contador 2010 und zuletzt - unter großem Aufsehen - Lance Armstrong aus den USA, der alle sieben Titel zwischen 1999 und 2005 verlor.

Fahrerstreik bei der Tour 1998 aus Protest gegen Dopingkontrollen. Foto: dpa

Der Fahrerstreik 1998 wegen Dopingkontrollen war nicht der erste seiner Art bei der Tour

Dynamit in Pillenform

Gedopt wird bei der Tour de France jedoch nicht erst seit jüngerer Zeit. Schon 1924 verkündete Vorjahressieger Henri Pélissier aus Frankreich, dass die Fahrer "gefährliches Zeug" nähmen, um die Tour der Leiden durchzustehen: Kokain, Chloroform und Pillen mit der Bezeichnung "Dynamit". Es dauerte jedoch noch über vier Jahrzehnte bis zur ersten offiziellen Dopingkontrolle der Tour-Geschichte. Folge der unangemeldeten Aktion 1966 war ein Streik der Fahrer. Sie fuhren erst weiter, nachdem ihnen der Tourdirektor zugesichert hatte, dass solche überraschenden Kontrollen künftig ausbleiben würden. 1967 brach der Brite Tom Simpson am legendären Anstieg zum Mont Ventoux zusammen und starb wenig später. Der Ex-Weltmeister war vollgepumpt mit Amphetaminen - und auch mit Alkohol.

In die falsche Richtung

Schon der erste Gewinner der Tour de France, der Franzose Maurice Garin, griff bei der Tour-Premiere 1903 häufig zur Rotwein-Flasche. Zu tief ins Glas guckte 1950 Abdel-Kader Zaaf. Erst schlief der Algerier im Schatten eines Baumes seinen Rausch aus, dann stieg er wieder aufs Rad und fuhr in die falsche Richtung, zurück zum Startort.

So ein Pech

Für solche Geschichten lieben die Radsport-Fans die Tour de France. Bis heute unvergessen ist auch der Franzose Eugène Christophe – als Pechvogel. Nachdem er 1913 als Führender den Tourmalet-Pass überquert hatte, brach ihm bei der Abfahrt die Gabel am Vorderrad. Christophe trug sein defektes Rad 14 Kilometer weit bis zu einer Dorfschmiede, wo er den Schaden selbst reparierte. Und doch kassierte er noch eine Zeitstrafe wegen unerlaubter Hilfe: Ein Dorfjunge hatte in der Schmiede den Blasebalg betätigt.

Werbekarawane der Tour de France. Foto: dpa

Lange vor dem Feld rollt die Werbekarawane der Sponsoren über die Tour-Strecke

Erste Werbekolonne

Ein Redakteur der Sportzeitung L'Auto hatte die Idee zur Tour de France. Von 1903 an begeisterte die Radrundfahrt die Fans und verschaffte dem Blatt Rekordauflagen. Chefredakteur Henri Desgrange, der selbst ein erfolgreicher Radsportler gewesen war, leitete bis 1936 als Tour-Direktor nicht nur die sportlichen Geschicke der Rundfahrt. Desgrange schickte 1930 auch erstmals vor dem Fahrerfeld eine Werbekolonne über die Strecke, um die Tour zu finanzieren. Heute wird das Budget der Frankreich-Rundfahrt auf rund 100 Millionen Euro geschätzt. Die Tour de France gilt als drittgrößtes Sportereignis der Welt hinter den Olympischen Spielen und der Fußball-Weltmeisterschaft.

In den Zug gestiegen

Die Bezeichnung "Tour der Leiden" erhielt die Rundfahrt schon in ihrer Gründerzeit. Die erste Etappe 1903 führte von Paris nach Lyon und war mit 467 Kilometern etwa doppelt so lang wie die Tagesabschnitte heutzutage. Gefahren wurde auch nachts. Bereits 1911 wurden die Teilnehmer erstmals ins Gebirge geschickt, über Pyrenäen-Pässe, die damals noch Schotterwege waren. Seitdem gibt es auch den "Besenwagen" (La voiture balai), der alle Fahrer "zusammenkehrt", die den Strapazen der Tour nicht gewachsen sind. Schon bei der zweiten Auflage im Jahr 1904 gab es einen Skandal: Fahrer wurden disqualifiziert, weil sie sich von Autos hatten ziehen lassen oder nachts mit der Eisenbahn gefahren waren. Heute erscheinen diese Tour-de-France-Vergehen fast schon verzeihlich – verglichen mit den Betrügereien, die die Dopingskandale seit 1998 offenbarten.

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