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Politik

Furcht vor dem Domino-Effekt

Washingtons Verbündete in der arabischen Welt fühlen sich unter Druck. Im Fall eines Irak-Kriegs droht auch Gefahr für ihre eigene Herrschaft. Einziger Ausweg: Saddam verschwindet auf friedliche Weise.

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Mit wehenden Fahnen ins Exil?!

Der türkische Ministerpräsident Abdullah Gül erörterte am Sonntag (5.1.2003) auf seiner Rundreise durch mehrere arabische Staaten mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak Möglichkeiten zur friedlichen Beilegung der Irak-Krise. Ein Krieg und eine Zerfall von Irak müsse verhindert werden, forderte Gül nach dem Gespräch im Badeort Scharm el Scheich.

Geht er oder geht er nicht?

US-Außenamtssprecher Richard Boucher hatte Saddam Hussein den Gang ins Exil nahe gelegt. Mehrere Zeitungen hatten anschließend berichtet, Saddam Hussein solle in einem arabischen Staat Asyl erhalten. Bereits seit Monaten kursieren Gerüchte über eine mögliche Zukunft Saddams als politischer Flüchtling in Libyen, Ägypten, Russland oder Mauretanien.

Nach Einschätzung westlicher Beobachter in der Region hat die jüngste Initiative der so genannten gemäßigten arabischen Führer das Ziel, den irakischen Machthaber Saddam Hussein angeblich in letzter Minute zum Rücktritt zu drängen. "Es gibt arabische Staaten, die ihre Unterstützung für dieses Szenario bekundet haben", sagte der türkische Außenminister Yasar Yakis kürzlich in einem TV-Interview. Während die irakische Opposition und die US-Regierung schon detailliert darüber diskutieren, welche Führungspersönlichkeiten aus Bagdad neben Saddam Hussein als Kriegsverbrecher angeklagt werden sollten, sehen die Gegner einer Militäraktion in diesem Appell an den Präsidenten die letzte Chance für eine friedliche Lösung.

Regionalkonflikte drohen

Außer Kuwait, das dem Regime in Bagdad die irakische Invasion von 1990 nicht verzeihen will, gibt es bislang keinen einzigen arabischen Staat, der einen von den USA angeführten Krieg gegen den Irak befürwortet. Denn für viel gefährlicher als die Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen halten sie die Umwälzungen, die ein Krieg gegen ein wirtschaftlich und geostrategisch so bedeutendes Land wie den Irak mit sich bringen würden.

Arabische Beobachter berichten über angebliche Geheimpläne Israels, das Chaos eines Irak-Krieges auszunutzen, um einen Großteil der Palästinenser aus dem Westjordanland nach Jordanien zu vertreiben. Der türkische Regierungschef Abdullah Gül sagte am Samstag (5.1.2003) bei seinem Besuch in Damaskus, eine Militärintervention im Irak könne zu einem Bürgerkrieg führen, in den letztlich auch andere Staaten der Region hineingezogen werden könnten. Was jedoch keiner von ihnen laut auszusprechen wagt, ist die Tatsache, dass den pro-westlichen arabischen Führern in diesem Fall die geballte Wut der eigenen Bürger entgegenschlagen könnte. (arn)

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