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Kultur

Fritz Lang: "Ich bin ein Augenmensch"

Er schuf "Metropolis" und "Die Nibelungen" und floh vor den Nazis nach Hollywood. Fritz Lang, dem berühmtesten deutschen Filmregisseur, ist jetzt die erste große Biografie in deutscher Sprache gewidmet.

Man kann nun wirklich nicht sagen, dass Fritz Lang in den letzten Jahren in Deutschland nicht oft genug gewürdigt worden wäre. Seine berühmten Stummfilme wurden in aufwendig restaurierten Fassungen in festlichem Rahmen wiederaufgeführt. Festivals und Filmmuseen veranstalteten Retrospektiven und Werkschauen seines Oeuvres. Das alles wurde auch publizistisch begleitet. Es gibt zum Beispiel auch international nur wenige andere Filme, über die so viele Bücher geschrieben worden sind wie über Langs Zukunftsvision "Metropolis".

Erste große Lang-Biografie

Doch nach einer klassischen Biographie

Biografie

über diesen Regisseur suchte man lange vergeblich. Jetzt hat der in Mainz Medientheorie und Filmwissenschaft lehrende Norbert Grob eine vorgelegt: "Fritz Lang: Ich bin ein Augenmensch" ist sie betitelt und lässt, was Detailreichtum und Ausführlichkeit betrifft, kaum Wünsche offen.

Nibelungen-Film von Fritz Lang, Filmszene (Foto: picture alliance/United Archives)

Fritz Lang bannte deutsche Mythen auf die Leinwand: Die Nibelungen

Norbert Grob hat sich tief eingegraben in das Leben und Werk Fritz Langs, hält sich bis auf wenige Ausnahmen chronologisch an die bekannten Lebensetappen des Regisseurs. Der Leser kann all dies, was er bisher in Büchern nur als Stückwerk präsentiert bekam, verfolgen: die Anfänge des jungen ehrgeizigen Filmemachers in Berlin, der aus Wien kam und sich in der deutschen Hauptstadt schnell und zielgerichtet auf das Regieführen vorbereitete.

Monumentale Erfolge

Mit "Der müde Tod" feierte Lang 1921 einen ersten großen Erfolg, dem er große, monumentale Filme folgen ließ. Die sollten ihn weltweit bekannt machen: "Die Nibelungen", "Metropolis", die "Mabuse"-Filme sowie das bis heute einflussreiche Werk "M - eine Stadt sucht einen Mörder". Dann der Bruch mit der deutschen Filmindustrie, nachdem Goebbels 1933 noch versucht hatte, den Regisseur für Propagandazwecke der NSDAP einzuspannen. Interessant ist es in diesem Zusammenhang nachzulesen, dass Fritz Lang nicht unmittelbar nach dem Gespräch mit Goebbels das Land verließ, wie es der Regisseur selbst später immer kolportiert hatte, sondern sich zunächst noch Zeit ließ, weiter arbeitete und erst Monate später ins Exil nach Paris ging.

Filmstill aus M - eine Stadt sucht einen Mörder mit Peter Lorre (Foto: Praesens)

Vorbild für viele Thriller der Filmgeschichte: Fritz Langs "M - eine Stadt sucht einen Mörder".

Von dort der Sprung nach Hollywood, wo er zwar zu einem fleißigen und auch erfolgreichen Regisseur wurde, aber nie fest verwurzelt war. Fritz Lang, so Norbert Grob, war wohl auch aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur wenig geeignet, sich dem starren Studiosystem unterzuordnen, in dem mächtige Produzenten und Studiobosse das Ruder in der Hand hielten und nicht die Regisseure.

Aufarbeitung der Zeit in Hollywood

Es ist das Verdienst Grobs insbesondere diese amerikanische Zeit des Regisseurs, die hierzulande wesentlich weniger gut dokumentiert ist, vor dem Leser auszubreiten. Grob konnte hierfür auf umfangreiche Materialien der Deutschen Kinemathek in Berlin zurückgreifen. Auch die persönlichen Aufzeichnungen des Regisseurs konnte Grob einsehen: Lang hatte schon früh begonnen, seinen Lebensalltag akribisch zu dokumentieren.

Das hatte einen Grund. Nach dem bis heute nicht völlig geklärten Tod seiner ersten Frau, die durch einen Pistolenschuss zu Hause starb, während sich der angehende Regisseur nebenan mit seiner Geliebten und späteren Ehefrau Thea von Harbou vergnügte, war Lang unter Mordverdacht geraten. Davon wurde er zwar freigesprochen, doch der Schock saß tief. Fritz Lang begann, alles zu notieren. Wohl auch, um die vollständige Kontrolle über sein Leben zu erhalten. Das Thema des zu Unrecht Verdächtigten spielte später in seinen Hollywood-Filmen nicht selten eine Rolle.

Großer Detailreichtum

Einen Makel hat Grobs Biografie allerdings: Das große Wissen des Film-Professors hat offenbar dazu geführt, alles, aber auch wirklich alles erzählen zu wollen. Das eigentliche Objekt der Untersuchung gerät dabei nicht selten aus dem Blickfeld. Das mag bei dem ehemaligen Filmkritiker Grob zwar nicht auf akademisches Imponiergehabe zurückzuführen sein, stört aber immer wieder erheblich den Lesefluss. Trotzdem: Norbert Grobs Fritz-Lang-Biografie dürfte Standards setzen. Künftig wird man in das Buch schauen müssen, wenn man sich intensiv mit dem Regisseur beschäftigen will.

Norbert Grob: "Fritz Lang: Ich bin ein Augenmensch", Propyläen Berlin 2014, 448 Seiten, ISBN 978-3-549-07423-7.

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