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G20

"First Daughter" besucht Deutschland

Es war Angela Merkels Idee, Ivanka Trump zum G20-Frauengipfel einzuladen. Die Tochter des US-Präsidenten wird in Berlin über die Förderung von Unternehmerinnen diskutieren. Aber was hat die Kanzlerin außerdem im Sinn?

Es sind nur ein paar Stunden, die Ivanka Trump am Dienstag in Berlin verbringen wird, aber Aufmerksamkeit ist ihr dabei sicher. Nicht nur, weil die 35-Jährige einen großen Glamour-Faktor hat. Es ist die unmittelbare Nähe zu US-Präsident Donald Trump, der bekanntermaßen immer ein offenes Ohr für seine erklärte Lieblingstochter hat, die Ivanka auch politisch so interessant macht. Wie ihr ebenfalls höchst einflussreicher Ehemann Jared Kushner hat Trump einen Beraterposten im Weißen Haus inne. "First Daughter and Assistant to the President of the United States" steht in der Reiseankündigung, die das Weiße Haus vor dem Deutschlandbesuch von Ivanka Trump herausgab.

Wie weit die Befugnisse der Präsidententochter gehen, bekam Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch in Washington vor sechs Wochen ganz unmittelbar zu spüren. Vor einer Diskussionsrunde des US-Präsidenten mit Wirtschaftsvertretern im Weißen Haus, an der auch Ivanka Trump teilnahm, arrangierte diese die Tischordnung so um, dass die Kanzlerin den Platz neben ihr zugewiesen bekam.

Die beiden Frauen verstanden sich offenbar recht gut. Es habe "eine angenehme Gesprächssituation" gegeben, so formulierte es der deutsche Vize-Regierungssprecher Georg Streiter.

Diskussion über Unternehmerinnen

Offenbar so angenehm, dass Merkel auf die Idee kam, Ivanka Trump auf den "Women20 Summit", den G20-Frauengipfel, nach Berlin einzuladen. Nicht persönlich natürlich. Es habe "einen Wink" an die Veranstalter der Konferenz, den Verband deutscher Unternehmerinnen und den deutschen Frauenrat gegeben, so Streiter.

Deutschland hat in diesem Jahr die Präsidentschaft der G20 inne. Das Gremium umfasst die 19 weltweit wichtigsten Wirtschaftsnationen plus die Europäische Kommission. Anfang Juli werden sich die G20-Staats- und Regierungschefs in Hamburg treffen. Der Gipfel wird seit Wochen auf Ministerebene vorbereitet. Zudem finden Konferenzen zu verschiedenen Themenfeldern statt. Kommende Woche beispielsweise der Wirtschaftsgipfel "Business20", in dieser Woche der Frauengipfel "Women20".

Ivanka Trump wird in Berlin an einer eineinhalbstündigen Diskussionsrunde teilnehmen, in der es um die Förderung von Unternehmerinnen geht. Mit auf dem Podium werden Bundeskanzlerin Merkel, IWF-Chefin Christine Lagarde, die niederländische Königin Maxima, Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland und die deutsche Unternehmerin und Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller sitzen.

Über die Tochter den Vater erreichen?

Merkel messe der Diskussion mit der Präsidententochter "große Bedeutung" bei, so Regierungssprecher Streiter. Dass es anschließend noch zu einem Gespräch unter vier Augen zwischen der Kanzlerin und der "First Daughter" kommen werde, sei zwar unwahrscheinlich, aber auch nicht unmöglich. "Es ist nicht fest geplant, aber das weiß man nie."

Ganz fest ist hingegen sicherlich eingeplant, dass Angela Merkel Ivanka Trump einige positive Eindrücke von Deutschland mit nach Washington geben will. Vielleicht erreichen sie das Ohr des Präsidenten. Der ist bislang bekanntlich nicht besonders gut auf die Bundesregierung und auch nicht auf die wirtschaftliche Stärke Deutschlands zu sprechen.

Video ansehen 01:31

Trump und Merkel suchen nach Einigkeit

Da kann es nicht schaden, Tochter Ivanka die Grundlagen des deutschen Erfolgsmodells zu erklären und nahezubringen. Siemens-Chef Joe Kaeser hat sie daher eingeladen, sich in Berlin ein duales Ausbildungszentrum seines Konzerns anzuschauen. Als Mitglied der die Kanzlerin begleitenden Wirtschaftsdelegation war Kaeser vor sechs Wochen in Washington ebenfalls mit an Bord.

Deutschland, ein Vorbild für die USA?

Ivanka Trump zeigt sich durchaus interessiert. Deutschland sei bei der Berufsausbildung ein "absoluter Wegbereiter", sagte sie der Zeitung "Wirtschaftswoche" im Vorfeld ihrer Reise. Das deutsche System sei ein "praktisches, erfolgreiches Beispiel für eine echte öffentlich-private Partnerschaft", das Berufsschulunterricht und berufliche Praxis in den Betrieben verbinde. Die USA könnten bei ihren Plänen, mehr Lehrstellen zu schaffen, "einiges von Deutschland lernen", so Trump.

Angela Merkel wird sich freuen, das zu hören.

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