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Berufsbildungsbericht 2017

Licht und Schatten auf dem Lehrstellenmarkt

Im Ausland ist das deutsche Modell der dualen Ausbildung in Betrieben und Berufsschulen ein Hit. Zuhause läuft aber noch längst nicht alles rund auf dem Lehrstellenmarkt.

Ein Lehrling in einem Autohaus (Archivbild/picture-alliance/dpa/S. Kahnert)

Ein Lehrling in einem Autohaus (Archivbild)

In Deutschland sind die Chancen für junge Menschen, eine Lehrstelle zu bekommen, nach Angaben der Bundesregierung "so gut wie nie". Auf 100 Schulabgänger, die einen Ausbildungsplatz suchten, kamen im vergangenen Jahr statistisch gesehen 104,2 Angebote. Dies geht aus dem Berufsbildungsbericht 2017 hervor, den das Kabinett in Berlin verabschiedete.

Die Anzahl freier Lehrstellen stieg zum Stichtag 30. September 2016 um 4,5 Prozent auf rund 43.500 und damit auf einen neuen Rekordwert. Für viele Betriebe sei es schwieriger geworden, Ausbildungsplätze zu besetzen, schreibt das Bundesbildungsministerium zu seinem Report. Zugleich ging die Zahl unversorgter Bewerber leicht (um 1,1 Prozent) zurück - aber es gab immer noch 20.600 Jugendliche, die leer ausgingen. Bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen blieb die Gesamtzahl mit 520.300 im Vergleich zu 2015 praktisch konstant (minus 0,4 Prozent).

Übergangsprogramme für 300.000 Schulabgänger

Eine zentrale Herausforderung seien weiterhin, so formulieren es die Experten von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU), "Passungsprobleme", - viele Ausbildungsbewerber genügen nicht den Ansprüchen der Betriebe. Fast 300.000 junge Menschen begannen 2016 ein Programm im sogenannten Übergangsbereich (ein Plus von 12,2 Prozent), um überhaupt erst einmal für eine Lehrstelle fit gemacht zu werden.

Für die sogenannte Ausbildungsbetriebsquote und Vertragsauflösungen weist der Berufsbildungsbericht Zahlen von 2015 aus. Demnach bildet in Deutschland nur noch jeder fünfte Betrieb einen oder mehrere Lehrlinge im dualen System aus - ein Tiefstand. 24,9 Prozent der Lehrverträge wurden vorzeitig aufgelöst - allerdings gingen mehr als die Hälfte dieser Vertragslösungen mit einem Wechsel des Ausbildungsbetriebs oder -berufs einher. "Diese Auszubildenden verbleiben also weiter im Qualifizierungsprozess als berufliche Fachkräfte", heißt es in dem Report.

Kritik des DGB

Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes haben gut 1,2 Millionen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren in Deutschland keine abgeschlossene Ausbildung. Sie seien auch nicht in der Schule oder im Studium, sagte die stellvertretende DGB-Chefin Elke Hannack der Deutschen Presse-Agentur. Dies seien fast 13 Prozent dieser Altersgruppe. "Das heißt: Unter dem Strich bleiben pro Jahrgang mehr als 120.000 Jugendliche ohne Ausbildung", kritisierte Hannack. "Wir brauchen deshalb eine Ausbildungsgarantie, die allen Jugendlichen die Perspektive auf einen Berufsabschluss eröffnet."

Bundeskanzlerin Merkel (l.) spricht bei dem deutsch-amerikanischen Beratungen im Weißen Haus mit Ivanka Trump (picture alliance/P. Benic/Consolidated News Photos)

Bundeskanzlerin Merkel (l.) spricht bei dem deutsch-amerikanischen Beratungen im Weißen Haus mit Ivanka Trump

Ivanka Trump will sich informieren

Der internationalen Strahlkraft des deutschen Systems der dualen Berufsausbildung tun diese Probleme keinen Abbruch. Ende des Monats will Ivanka Trump, Tochter und Beraterin von US-Präsident Donald Trump, nach Deutschland kommen, unter anderem um sich über die Ausbildung für den Arbeitsmarkt hierzulande zu informieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die 35-Jährige bei ihrem Washington-Besuch im März eingeladen.

wl/gri (dpa)