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Amerika

Ferguson kommt nicht zur Ruhe

Die Entsendung der US-Nationalgarde und eine nächtliche Ausgangssperre scheinen in Ferguson im US-Bundesstaat Missouri nicht zur Entspannung der Lage beizutragen - im Gegenteil: Die Stimmung wird immer gereizter.

Die Spannung steigt, wenn sich das Dunkel der Nacht über Ferguson legt: Wird es erneut zu Ausschreitungen kommen? Werden erneut zum Teil gewaltbereite Demonstranten mit Tränengas in Schach gehalten? Missouris Gouverneur Jay Nixon hat eigentlich die nächtliche Ausgangssperre aufgehoben. Er hatte gehofft, dass sich die Lage zehn Tage nach den tödlichen Schüssen auf den schwarzen Teenager Michael Brown beruhigt - vergebens.

In den Straßen der Kleinstadt mit rund 21.000 Einwohnern patrouillieren gepanzerte Fahrzeuge der Nationalgarde. Am Himmel kreisen auch zu mitternächtlicher Stunde Polizeihubschrauber. Viele Journalisten werden nicht vorgelassen zu den Demonstranten. Einige werden aus fadenscheinigen Gründen sogar zeitweise festgenommen, darunter auch

Ansgar Graw, Korrespondent der "Welt" oder Frank Herrmann,

der unter anderem für die "Rheinische Post" schreibt. Während die beiden bald wieder freikamen, wurde Lucas Hermsmeier von der "Bild"-Zeitung, nach Angaben des Blattes in das Gefängnis von St. Louis gebracht.

Kein Vertrauen

Jay Nixon hat die Nationalgarde nach Ferguson zitiert, um die Polizeizentrale sowie die Einkaufszentren in Ferguson zu beschützen. Die sichtlich nervösen Sicherheitskräfte fordern Gruppen von Jugendlichen dazu auf, auseinander zu gehen: "Los, bewegt Euch!" rufen sie ihnen zu.

Doch immer wieder folgen Demonstranten ihren Anweisungen nicht,

Einige provozieren die Polizei und die Nationalgarde. Noch immer hat die Polizei Verantwortung für die öffentliche Sicherheit. Doch praktisch jeder afroamerikanische Einwohner, den man anspricht, traut ihr nicht.

Straßenproteste in Ferguson (Foto: Scott Olson/Getty Images)

Das Misstrauen gegenüber der Polizei wächst

Dass die militärisch organisierte US-Nationalgarde eingesetzt wird um amerikanische Demonstranten in Schach zu halten, ist für die Einwohner in Missouri völliges Neuland. In der Vergangenheit half die Nationalgarde in St. Louis vor allem dann, wenn die Folgen einer Naturkatstrophe zu bewältigen waren: Wenn im Winter zu viel Schnee die Straßen unpassierbar machte oder in den wärmeren Jahreszeiten, wenn der Mississippi River über seine Ufer stieg.

Nur einmal seit dem Zweiten Weltkrieg, im April 1968, musste die Nationalgarde gemeinsam mit der Polizei die öffentliche Ruhe und Ordnung wieder herstellen. Damals kam es nach der Ermordung des Menschenrechtlers Martin Luther King zu gewaltsamen Ausschreitungen. 1500 Nationalgardisten wurden aufgeboten, damit der Alltag wieder einkehren konnte. Diesmal sind offenbar weniger Nationalgardisten im Einsatz, aber wie viele genau, darüber schweigen sich die Behörden aus. Sie bemühen sich aber darum, deren Rolle klein zu reden.

"Ein Bulle ist ein Bulle"

Nationalgarde oder Polizei - die Jugendlichen in der Innenstadt von Ferguson machen keinen Unterschied zwischen den Sicherheitskräften. "Ein Bulle ist ein Bulle", sagt ein junger Mann, der seinen Namen nicht nennen will. Vertrauen gegenüber den staatlichen Stellen sieht anders aus. Genau das scheint derzeit das

Grundübel in Ferguson zu sein.

Was immer Politiker, Staatsanwälte oder Polizeichefs bei eilig zusammen gerufenen Pressekonferenzen vor TV-Kameras von sich geben: Für viele Einwohner der Kleinstadt sind dies nur leere Worte, Versprechen, denen man nicht traut.

Die Stimmung in der Stadt ist schon seit Jahren nicht gut, sagt ein Afroamerikaner, der in einem Hotel gleich neben dem Flughafen arbeitet. Viele Schwarze hätten keinen Job. Selbst diejenigen, die einen haben, verdienten oft nicht genug, um über die Runden zu kommen.

Barack Obama und Eric Holder Besprechung zur Situation in Ferguson (Foto: REUTERS/Larry Downing)

Im Auftrag des Präsidenten - Justizminister Holder (Mitte) muss nach Ferguson

"Wir wollen Gerechtigkeit", rufen einige Dutzend Jugendliche, die gemeinsam durch die nächtliche Innenstadt von Ferguson laufen. Kommt man ihnen ins Gespräch, wird schnell klar, was sie vor allem damit meinen: Die Festnahme von Darren Wilson, jenem Polizisten, der Michael Brown offenbar aus nächster Nähe erschossen hatte. Mindestens sechs Kugeln trafen das unbewaffnete Opfer, heißt es in einer Autopsie, die die Eltern von Michael Brown in Auftrag gegeben haben. Sie trauen der Autopsie der örtlichen Sicherheitskräfte nicht.

Als ob zwei Autopsien nicht genug wären, hat Justizminister Eric Holder in Washington D.C. bereits angekündigt, dass es noch eine dritte geben soll. An diesem Mittwoch will er sich in Ferguson selbst ein Bild von der Lage machen.

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