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Amerika

Die Wut von Ferguson

Ferguson kommt nicht zur Ruhe. Nach den tödlichen Schüssen eines Polizisten auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen gibt es fast jede Nacht gewaltsame Proteste. Eine Chronologie der Ereignisse.

9. August 2014: Der 18-jährige Michael Brown wird gegen Mittag von einem Polizisten in Ferguson, einem Vorort der Großstadt St. Louis im Bundesstaat Missouri, erschossen. Über die Umstände, die zu den tödlichen Schüssen führen, gibt es zunächst widersprüchliche Aussagen. Laut Polizei hatte Brown versucht, in einem Geschäft mehrere Päckchen Zigarillos zu stehlen und sich "aggressiv" verhalten, bevor er erschossen wurde. Ein Augenzeuge schilderte gegenüber Journalisten einen anderen Tathergang: Brown sei auf dem Weg zu seiner Großmutter gewesen. Als auf ihn geschossen wurde, habe er die Hände in die Höhe gehalten. Brown ist wie die große Mehrheit der Einwohner von Ferguson Afroamerikaner.

Michael Brown seiner kleinen Schwester (Foto: Scott Olson/Getty Images)

Michael Brown mit seiner kleinen Schwester

10. August 2014: Die Polizei hält am Vormittag eine Pressekonferenz ab. Laut St. Louis County Police Chief Jon Belmar wurde der Polizeibeamte, der die tödlichen Schüsse abgab, zunächst von Michael Brown zurück in sein Polizeiauto geschubst und dort "angegriffen". Im Wagen wurde ein erster Schuss abgegeben, der aber niemanden traf. Außerhalb des Polizeiautos wurden dann die tödlichen Schüsse abgefeuert. Weitere Fragen der Presse zum Tathergang bleiben unbeantwortet.

In Gedenken an Michael Brown versammeln sich am Nachmittag Menschen in der Nähe des Tatortes. Einige beten, andere protestieren friedlich gegen die Polizei. Am Abend und in der Nacht schlagen die Proteste in Gewalt um, es kommt zu Plünderungen in umliegenden Geschäften. Ein Polizeihubschrauber wird beschossen.

11. August 2014: Aufräumarbeiten nach einer Nacht der Gewalt. Am Nachmittag rufen die Eltern von Michael Brown die Menschen auf, ruhig zu bleiben. Doch am Abend und in der Nacht gibt es wieder Proteste, Gewalt und Plünderungen. Erstmals setzt die Polizei Tränengas ein.

12. August 2014: Die Polizei weigert sich, den Namen des Todesschützen zu veröffentlichen. US-Präsident Barack Obama mahnt die Menschen in Ferguson zur Ruhe und spricht Browns Familie sein Beileid aus. Es ist die dritte Nacht mit gewaltsamen Protesten, dem Einsatz von Tränengas und gepanzerten Fahrzeugen.

Plünderungen in Ferguson (Foto: Reuters)

Dauerzustand in Ferguson: Plünderungen in der Nacht

13. August 2014: Tagsüber protestieren die Menschen in Ferguson friedlich. Das martialische Auftreten der Polizei wird in der Öffentlichkeit kritisiert. Am Abend kommt es erneut zu Gewalt. Wieder werden von der Polizei Tränengas und Blendgranaten eingesetzt.

14. August 2014: Präsident Obama ruft zu "Frieden und Ruhe" in Ferguson auf. Jay Nixon, Governor von Missouri, überträgt die Führung des Polizeieinsatzes von der lokalen Polizei an die Staatspolizei "Missouri State Highway Patrol". Der Einsatz wird geleitet von Ronald Jonson, der selber Afroamerikaner ist und aus Ferguson stammt. Am frühen Abend gibt es am Gateway Arch, dem Wahrzeichen von St. Louis, weitgehend stille Proteste gegen Polizeigewalt, an denen auch die Familie von Michael Brown teilnimmt. Die Nacht in Ferguson bleibt ruhig.

Governor Jay Nixon (Foto: picture-alliance/AA)

Governor Jay Nixon verkündet rigorose Maßnahmen

15. August: Die Polizei nennt am Morgen den Namen des Todesschützen: Darren Wilson, ein weißer Polizist mit sechsjähriger Berufserfahrung, der bisher nie auffällig geworden sei. In der Nacht gibt es friedliche Proteste, gleichzeitig gehen die Plünderungen weiter. Es kommt zum Streit zwischen Demonstranten und Plünderern. Die Polizei ist präsent, aber hält sich weitgehend zurück.

16. August 2014: Governor Nixon verhängt den Ausnahmezustand und eine nächtliche Ausgangssperre zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens in Ferguson. Trotzdem gehen Gewalt und Plünderungen weiter.

17. August 2014: Laut einem Gutachten, das von Michael Browns Eltern in Auftrag gegeben wurde, ist Brown von sechs Kugeln getroffen worden - zwei in den Kopf und vier in den rechten Arm. Alle Kugeln seien von vorne eingedrungen. Am Abend kommt es schon vor Inkrafttreten der nächtlichen Ausgangssperre erneut zu Unruhen. Einzelne Demonstranten greifen mit Molotowcocktails Polizisten an, nach Polizeiangaben fallen in der Menge auch Schüsse. Die Polizei setzt Tränengas ein, um die Demonstration aufzulösen.

18. August 2014: Governor Nixon unterzeichnete am frühen Morgen eine Anordnung, die den Einsatz der Nationalgarde in Ferguson ermöglicht.

19. August 2014: Auch der Einsatz der Nationalgarde verhindert die gewaltsamen Proteste nicht. Die Behörden sprechen in einer Zwischenbilanz von sechs Verletzten - darunter vier Beamte. Es wurden in dieser Nacht 31 Menschen festgenommen, vorübergehend auch zwei deutsche Journalisten.

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