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Aktuell Amerika

Ferguson: Deutsche Reporter wieder frei

Es ist schon Routine in der US-Stadt: Irgendwann wird der Protest gegen die Polizeikugeln auf den Teenager Michael Brown gewalttätig, und die Beamten reagieren wenig zimperlich - auch deutschen Journalisten gegenüber.

Mit Tränengas und Blendgranaten ist die Nationalgarde in der US-Kleinstadt Ferguson gegen Randalierer bei Protesten gegen den Tod eines schwarzen Jugendlichen vorgegangen. In der Nacht kam es in der Stadt in Missouri erneut zu vereinzelten Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Als Randalierer mit Glas- und Plastikflaschen warfen und versuchten, eine Straße zu blockieren, setzte die Polizei Tränengas und Blendgranaten ein. In der Menge seien auch Schüsse gefallen, berichteten Augenzeugen.

Die Polizei selbst bestritt, Schusswaffen eingesetzt zu haben. Sie sprach in einer Zwischenbilanz von sechs Verletzten - darunter sind allein vier Beamte - sowie 31 Festnahmen. Die Führung der Polizei rief die Bürger auf, in Zukunft tagsüber zu demonstrieren, um sich von Provokateuren abzusetzen. Die Provokateure kämen aus anderen US-Staaten angereist, um Unruhe zu stiften.

US-Justizminister nach Ferguson

Journalisten erinnerte das Vorgehen der hochgerüsteten Polizei an Kriegstaktik. Polizisten hätten vom Dach gepanzerter Fahrzeuge aus ihre Waffen auf Demonstranten gerichtet. US-Präsident Barack Obama sagte zum Vorgehen der Ordnungshüter in den vergangenen Tagen: "Es gibt keine Entschuldigung für unverhältnismäßige Härte der Polizei." Justizminister Eric Holder werde an diesem Mittwoch nach Ferguson reisen, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

In Ferguson war am 9. August der unbewaffnete schwarze Teenager Michael Brown von einem weißen Polizisten erschossen worden. Seitdem gibt es dort beinahe täglich Unmutsbekundungen gegen die Gewalt der vornehmlich aus Weißen rekrutierten Polizeikräfte, wobei die Proteste vor allem nachts immer wieder in Gewalt umschlagen. Als Reaktion auf die anhaltenden Unruhen rückte am Montag die Nationalgarde in Ferguson ein.

Auch "Bild" und "Die Welt" betroffen

Bei der Berichterstattung über die Proteste wurden insgesamt drei deutsche Journalisten zeitweise von der Polizei festgenommen. Zwei kamen bald wieder frei. Auch der dritte, Lucas Hermsmeier von der "Bild"-Zeitung, wurde nach Angaben seines Arbeitgebers inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt.

Laut einem Bericht der Zeitung "Die Welt" wurden zudem die Journalisten Ansgar Graw und Frank Herrmann am Montag in Handschellen abgeführt und ins Gefängnis gebracht. Drei Stunden später wurden sie aber wieder freigelassen. Graw schreibt für die "Welt"-Gruppe, Herrmann für Regionalzeitungen. Graw gehe es gut, er sei aber über das Verhalten der Polizei empört, sagte eine "Welt"-Sprecherin auf Anfrage.

Deutscher Journalisten-Verband empört

Die Fotoagentur Getty Images teilte mit, dass einer ihrer Fotografen ebenfalls festgenommen worden sei. Scott Olson wurde demnach in Gewahrsam genommen, als er Bilder von einer Demonstration aufnahm. Zu den Gründen der Festnahme machte sein Arbeitgeber keine Angaben

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) erklärte, Übergriffe der Sicherheitskräfte auf Journalisten seien durch nichts zu rechtfertigen. Hintergrund der Festnahme soll die Aufforderung der Polizei gewesen sein, auf einer fast menschenleeren Straße nicht stehenzubleiben. Graw und Herrmann Die beiden Deutschen versicherten, der Aufforderung gefolgt zu sein. Allgemein hatte die Polizei mit Festnahmen wegen Zusammenrottung gedroht, wenn die Menschen nicht weitergingen.

sti/se (afp, dpa, rtr)