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Amerika

"Für den Job des Sicherheitsberaters braucht man die richtige Einstellung"

Generalleutnant McMaster ist eine kluge Wahl als neuer Sicherheitsberater von Donald Trump, sagt der Heimatschutz-Experte und ehemalige Präsidentenberater Frank Cilluffo. Dies gelte gerade mit Blick auf Russland.

DW: Was unterscheidet den neuen nationalen Sicherheitsberater, Generalleutnant Herbert Raymond McMaster, von seinem umstrittenen Vorgänger, dem ehemaligen Generalleutnant Michael Flynn, der vergangene Woche zurücktreten musste?

Frank Cilluffo: General McMaster ist ein Soldat, der gleichzeitig ein Gelehrter ist: Er hat Erfahrung auf dem Schlachtfeld in Afghanistan und im Irak, er hat aber auch einen Doktor-Titel - diese Mischung ist eher selten. Er ist ein ausgewiesener Stratege, aber gleichzeitig eine Art "Bilderstürmer": Er ist jemand, der allgemein akzeptierte Sichtweisen und Vorgesetzte kritisch hinterfragt.

Besonders wichtig finde ich aber, dass er sich in verschiedenen Funktionen in den Streitkräften mit Russland beschäftigt hat, vor allem mit der Bedrohung durch Russlands hybride Kriegsführungsstrategien. Er ist also genau das, was wir brauchen: Er wird sich nicht davor scheuen, gegenüber dem Präsidenten unbequeme Wahrheiten auszusprechen, auch zum Thema Russland. Für mich ist er daher eine sehr starke und sehr kluge Wahl für den Job des nationalen Sicherheitsberaters, für den man den richtigen Hintergrund und die richtige Einstellung braucht.

Und General Flynn hatte nicht die richtige Einstellung?

Auf jeden Fall habe ich andere Ansichten als General Flynn darüber, wer eine Gefahr für unsere nationale Sicherheit ist und wer nicht.

Warum hat Präsident Trump also General McMaster ausgewählt? Weil er anders ist als Flynn und nicht so umstritten?

Nun, ich hoffe doch, dass der Präsident General McMaster vor allem ausgewählt hat, weil er der richtige Mann für diese Position ist. Der nationale Sicherheitsrat ist so wichtig, weil er die vielen verschieden Institutionen der amerikanischen Sicherheits- und Außenpolitik und ihre Ziele und Bestrebungen koordiniert und zusammenbringt. General McMaster bringt die richtigen Fähigkeiten und den richtigen Charakter mit, um diesen schwierigen Job zu bewältigen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass er mit Verteidigungsminister Mattis, Heimatschutzminister Kelly, dem Außenministerium und den verschiedenen Nachrichtendiensten gut zusammenarbeiten wird.

USA Michael Flynn (Reuters/C. Barria)

Michael Flynn musste zurücktreten, weil er nicht die Wahrheit über Kontakte zum russischen Botschafter gesagt hatte

Und wie gut wird General McMaster mit Stephen Bannon zusammenarbeiten, dem mächtigen Chef-Strategen und Chef-Ideologen von Präsident Trump?

Das wird in der Tat ein sehr interessanter Test - wie McMaster mit Bannon und Anderen in seinem Umfeld umgeht. Als General war er natürlich schon in vielen schwierigen Situationen. Aber er ist kein Insider im politischen Betrieb, er ist kein Politiker. Und Washington ist ein hartes Pflaster; da werden ihm von Anfang an einige Herausforderungen begegnen.

Stephen Bannon und Michael Flynn hatten in vielen Bereichen sehr ähnliche Ansichten: Beide sahen und sehen den radikalen Islam als derzeit größte Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA an. Beide waren für eine Annäherung an Russland. Wird sich durch den Einstieg eines Mannes wie McMaster die ideologische Ausrichtung des Weißen Hauses und die Chemie zwischen den handelnden Personen ändern?

Natürlich wird das die Chemie verändern und auch die täglichen Abläufe im Weißen Haus. Da gibt es gar keinen Zweifel. Aber ich glaube, General McMaster wird diese Dinge angehen, wie er auch früher Herausforderungen angegangen ist. Eine Charaktereigenschaft, die viele Menschen während seiner gesamten Karriere sehr geschätzt haben, ist, dass er seine Leute ermuntert, sich frei zu äußern. Er will einen Wettbewerb der besten Ideen.

McMaster ist ein Absolvent der Militärakademie von West Point, er hat in Afghanistan und im Irak gekämpft, aber international ist er dennoch eher unbekannt im Vergleich zu Generälen wie David Petraeus oder Stanley McCrystal, die die US-Streitkräfte nach einer Reihe von Rückschlägen wieder einigermaßen auf Erfolgskurs gebracht hatten. Sie sagten, McMaster sei eine Art "Bilderstürmer". Dieses Attribut hat er sich unter anderem durch seine Studien zum Vietnamkrieg, in denen er die damalige US-Strategie heftig kritisiert hat, auch redlich verdient. Welche Art von neuem Denken können wir von ihm als nationalem Sicherheitsberater erwarten?

Portrait Frank Cilluffo (The George Washington University/Rick Reinhard )

Frank Cilluffo von der George Washington University

Die Kriege in Afghanistan und im Irak sind gute Beispiele dafür, wie unkonventionell General McMaster an Probleme herangeht. Er hat das Denken von Petraeus und McCrystal und ihre Vorgehensweisen in diesen asymmetrischen Konflikten maßgeblich beeinflusst. Er hat Strategien, Taktiken und die dazugehörige Planung zusammengebracht, mehr jedenfalls, als dies vorher der Fall war.

Auch der Ansatz, dass man die "Herzen und Köpfe" der lokalen Bevölkerung gewinnen muss, um in der Aufstandsbekämpfung Erfolg zu haben, ist mit auf ihn zurückzuführen. Solche unkonventionellen Ansätze benötigen wir heute auch wieder. Wenn wir uns zum Beispiel das Verhältnis zu Russland ansehen, dann wird General McMaster sicher deutlich machen, wo wir mit Moskau zusammenarbeiten sollten und wo wir vorsichtig sein sollten.

McMaster hat - Sie haben es erwähnt - den Ruf, auch gegenüber Vorgesetzten unkonventionell und offen zu sein. Aber er ist immer noch Soldat im aktiven Dienst und gegenüber dem Präsidenten als Oberstem Befehlshaber zum Gehorsam verpflichtet. Wird er wirklich Widerstand leisten, wenn er es für notwendig erachtet - auch gegenüber dem Präsidenten?

Wenn man sich seinen bisherigen Werdegang ansieht, bin ich mir da ziemlich sicher. In der Vergangenheit hat er selbst dann für seine Ansichten eingestanden, wenn dies für seine Karriere zumindest nicht förderlich war. Erst gestern hat mir jemand erzählt, wie er einmal während des Irak-Krieges in einer wichtigen strategischen Frage allein auf weiter Flur stand, und trotzdem unbeirrt seine Sicht der Dinge vertreten hat. Das ist eher ungewöhnlich in einer Organisation, die über Befehl und Gehorsam funktioniert. Ich weiß natürlich nicht, wie sich die Dinge konkret entwickeln werden. Aber in meinen Augen ist die Ernennung von General McMaster definitiv ein Schritt in die richtige Richtung.

Frank J. Cilluffo (45) ist der Direktor des überparteilichen Zentrums für Cyber-Sicherheit und Heimatschutz an der George Washington University in Washington, D.C. Er war "Special Assistent to the President for Homeland Security" unter George W. Bush und leitete den Rat der Heimatschutz-Experten im Weißen Haus.

Das Interview führte Carsten von Nahmen.

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