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Standpunkt

Gastkommentar: Donald Trumps Eignungstest

Der neue US-Präsident hat bisher keine glückliche Hand bei der Auswahl seines Spitzenpersonals. Das weckt Zweifel daran, ob aus dem Unternehmer noch ein brauchbarer Politiker werden kann, meint Peter Sturm von der FAZ.

Über Donald Trump kann man eine Menge sagen, aber ganz bestimmt nicht, dass er Konflikten aus dem Weg gehe. Andererseits gehört zum Konflikt zwangsläufig der streitbare Meinungsaustausch. Und in dieser Disziplin hat der amerikanische Präsident noch deutlich Luft nach oben. Konflikte trägt er vielmehr am liebsten dadurch aus, dass er eine Entscheidung fällt, diese in Befehlsform bekanntgibt und dann selbstverständlich erwartet, dass sie befolgt wird.

Den Staat wie ein Unternehmen führen?

Das zeigt, dass Trump ein zupackender Unternehmer ist, der die dort üblichen Methoden auf die Politik übertragen will. In der Politik gibt es aber Gremien, denen der Entscheider Rechenschaft schuldet. Und diese Gremienmitglieder haben genauso ihre Eigenheiten wie Unternehmer. Zu forsches Auftreten ihnen gegenüber weckt den Kampfgeist.

Sturm Peter Frankenberger Frankfurter Allgemeine Zeitung (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Peter Sturm ist Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Das bekommt der Präsident jetzt zu spüren. Darin liegt ein Grund, warum es bei der Besetzung wichtiger Posten in der Regierung auch Wochen nach dem Amtsantritt noch Schwierigkeiten gibt. Das genaue Durchleuchten der Kandidaten hat in den USA Tradition. Ebenso wenig ist neu, dass dabei nicht immer aus rein edlen Motiven gehandelt wird, damit wirklich nur die Besten die wichtigen Posten bekommen. Immer schon haben persönliche und politische Motive eine Rolle bei der Personalauswahl und der Suche nach "dunklen Stellen" gespielt. Da kann man verstehen, dass sich manch ein Kandidat gar nicht erst den peinlichen Befragungen aussetzen will.

Einer, der sich für klasse hält

Im Falle Trumps kommt nun erschwerend hinzu, dass da jemand das Personal aussucht, der - vorsichtig formuliert - eine ziemlich hohe Meinung von sich und seinen Fähigkeiten hat. Diese hat er ja zum Beispiel in einer Fernsehshow der Nation demonstriert. Wir wissen nicht genau, ob der Präsident auf Berater hört, oder ob auch in Personalfragen "der Bauch" regiert.

Jedenfalls hat Trump schon einige personelle Rückschläge einstecken müssen. Der Rückzug von Wirtschaftsberatern war noch relativ harmlos, der Verzicht des von Trump nominierten Kandidaten für das Amt des Arbeitsministers wiegt schwerer. Aber der erzwungene Rücktritt des Nationalen Sicherheitsberaters war ein Schlag ins Kontor. Er wirft - völlig unabhängig vom Thema etwaiger illegaler Verbindungen zu Russland - massive Zweifel daran auf, ob der Unternehmer Trump noch ein zumindest brauchbarer Politiker wird.

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