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Terrorismus

Europol warnt vor IS-Anschlägen in Europa

Die europäische Polizeibehörde rechnet in naher Zukunft mit neuen Anschlägen des IS in Europa. Die Terrorgruppe habe vermutlich neue Taktiken für Angriffe gegen den Westen entwickelt, warnt die Europol.

Die Europol-Zentrale in Den Haag (Imago/CHROMORANGE)

Die Europol-Zentrale in Den Haag

Wegen der Gebietsverluste der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien und im Irak steigt nach Einschätzung von Europol die Gefahr neuer Anschläge in Westeuropa. Dabei könnten auch Autobomben zum Einsatz kommen, heißt es in einem Bericht des Europäischen Anti-Terrorismus-Zentrums von Europol. Bisher hätten Extremistengruppen wie der IS bei ihren Anschlägen in EU-Ländern noch keine "fahrzeuggestützten" Sprengsätze genutzt. Dies sei in Zukunft aber vorstellbar, weil die Dschihadisten dazu neigten, ihre Vorgehensweise im Nahen Osten zu kopieren.

Bereits bei den islamistischen Anschlägen vom 13. November 2015 in Paris und vom 22. März 2016 in Brüssel hätten die Attentäter solche Sprengsätze zünden wollen, heißt es in dem Europol-Bericht über Taktik und Methoden des IS. Angesichts polizeilicher Maßnahmen hätten sie jedoch ihre Pläne geändert.

Polizisten auf dem Flughafen Tegel in Berlin (picture-alliance/dpa/P. Zinken)

Behörden gehen seit langem von einer erhöhten Terrorgefahr aus. Vielerorts, wie hier auf dem Flughafen Tegel in Berlin, sind die Sicherheitsmaßnahmen deshalb erhöht worden

Der IS habe vermutlich bereits neue Taktiken für Angriffe gegen den Westen entwickelt. Frankreich ist den Experten zufolge am meisten gefährdet. Aber auch Belgien, Deutschland, die Niederlande und Großbritannien seien mögliche Ziele. Anschläge könnten sowohl von vernetzten Gruppen als auch Einzeltätern verübt werden. Das mögliche Waffenarsenal enthalte Sprengstoff, automatische Waffen, Messer, Äxte und Macheten..

Nach Einschätzung von Geheimdiensten könnten bereits mehrere Dutzend potenzielle IS-Terroristen in Europa sein. "Der sogenannte Islamische Staat hat sich als sehr effektiv erwiesen, Personen zu Terroranschlägen zu inspirieren und sie selbst auszuführen", heißt es.

Im Einsatz von Sprengstoff ausgebildet

Durch die Verluste des IS in Syrien und dem Irak kehren immer mehr ausländische Kämpfer zurück nach Europa. Von ihnen gehe eine große Gefahr aus, warnt der Koordinator für Terrorabwehr der EU, Gilles de Kerchove. "Diese Leute sind im Einsatz von Sprengstoff und Waffen ausgebildet und wurden mit der dschihadistischen Ideologie indoktriniert."

Die blutigen Anschläge 2015 in Paris, hier ein Verletzter vor der Konzerthalle Bataclan, wertet der IS als Erfolg(Reuters/P. Wojazer)

Die blutigen Anschläge 2015 in Paris, hier ein Verletzter vor der Konzerthalle Bataclan, wertet der IS als "Erfolg"

Als weitere Risikogruppe nennen die Ermittler syrische Flüchtlinge. Extremisten würden versuchen, sie anzuwerben und zu radikalisieren. Auch ist es wahrscheinlich, dass IS-Kämpfer Flüchtlingsheime infiltrierten. Der IS habe ein Interesse, die Migrationskrise anzustacheln, um die EU-Bürger zu polarisieren und gegen Flüchtlinge aufzuhetzen.

Die Europol-Experten warnen außerdem davor, dass Libyen nach Syrien für den IS zum "zweiten Sprungbrett" für Anschläge in Europa und Nordafrika werden könnte. Bisher konzentrierten sich die IS-Kämpfer in Libyen vor allem darauf, Gebiete zu erobern und ihre dortigen "Feinde zu beseitigen". Experten gehen nach Europol-Angaben aber davon aus, dass sie "nach dieser Phase" dazu übergehen, von Libyen aus Anschläge zu planen und zu starten.

Der IS hatte sich sowohl zu den Anschlägen in Paris mit 130 Toten als auch zu den Selbstmordanschlägen auf den Brüsseler Flughafen und eine U-Bahnstation mit 32 Toten bekannt.  Aus der Perspektive des IS waren diese Anschläge "erfolgreich", heißt es in der Analyse der europäischen Polizeibehörde. "Weitere Anschläge in der EU, sowohl von Einzeltätern als auch Gruppen, werden wahrscheinlich in der nahen Zukunft stattfinden."

stu/gri (afp, dpa)

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