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Kultur

Erfolgreicher Kampf gegen verrufene Seuche

Der Weltlepra-Tag (27.1.2008) erinnert an eine Krankheit, die seit der Antike mit Verstümmelung und Isolation verbunden ist. Heute ist Heilung möglich - auch in armen Ländern wie Pakistan.

Leprakranker, Quelle: dpa

Rund 600.000 Menschen erkranken jährlich an Lepra, schätzt die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe

Mohammad Anwar hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Beim Holzhacken hatte er sich die Hand abgeschlagen – und keinerlei Schmerz verspürt. Beim Notarzt war die Diagnose schnell klar: Lepra, oder Aussatz, wie es vor 30 Jahren noch hieß. "Seit 30 Jahren bin ich jetzt Patient im Leprazentrum von Dr. Pfau. Sie ist immer sehr nett zu mir und arbeitet hart für meine Gesundheit", erzählt er.

Ruth Pfau kam 1960 als Lepra-Ärztin nach Pakistan und gründete in Karachi das Marie-Adelheit-Leprosy-Center, in dem Anwar behandelt wird. Sie denkt noch heute mit Schrecken an die Verhältnisse damals: "Irgendetwas musste gemacht werden und zwar sofort. Wir haben zunächst angefangen, ohne irgendwelche Planung Schwerkranke zu behandeln", erzählt sie. Aus Angst vor Ansteckung seien vor 40 Jahren Aussätzige streng isoliert und oft zum Sterben in die Wüste der Provinz Sindh verfrachtet worden, berichtet Pfau.

Stoppen konnte man Lepra lange nicht nicht, doch mittlerweile versprechen die Multi-Drug-Therapien, eine Mischung aus verschiedenen Wirkstoffen, gute Heilungschancen für die Bakterieninfektion. In vielen Entwicklungsländern wird die Krankheit immer noch nicht erkannt, weil es an Behandlungszentren fehlt. Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW), die weltweit tätig ist, schätzt, dass weniger als die Hälfte der rund 600.000 neu Erkrankten in diesem Jahr behandelt werden.

156 Leprastationen gibt es mittlerweile in Pakistan

Die deutsche Ärztin Ruth Pfau, Quelle: dpa

Die deutsche Ärztin Ruth Pfau kämpft seit 48 Jahren in Pakistan gegen Lepra

Noch vor 20 Jahren raffte die Krankheit allein in Pakistan Tausende alljährlich dahin. Mittlerweile gibt es ein Netz von 156 Leprastationen im Land, die Ruth Pfau gemeinsam mit dem pakistanischen Staat aufgebaut hat. Heute ist die Krankheit heilbar, doch die Behandlung ist langwierig: zwischen sechs und zwölf Monaten im Normalfall. Auch wenn es in Pakistan immer noch Löcher im Netz der Leprastationen gibt, ist Chris Schmotzer, evangelische Ordensschwester und Lepra-Ärztin im Lepra-Zentrum Rawalpindi, stolz auf das Erreichte: "Wir haben in Pakistan zwischen 400 und 500 Neuerkrankungen pro Jahr. Das ist für eine Bevölkerung von rund 150 Millionen eine geringe Zahl. Aber das bedeutet auch, dass die Krankheit noch nicht ausgelöscht ist", erklärt sie.

Junge Leprakranke in Indien, Quelle: Ap

Junge Leprakranke in Indien: Auch Kinder sind gefährdet

Noch für Jahrzehnte, sagen Pfau und Schmotzer, müssen die Leprazentren weiter jeden Verdachtsfall prüfen, um die Ausbreitung des Erregers zu verhindern. Der wandert per Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Seine Inkubationszeit beträgt bis zu 30 Jahren, was ihn so heimtückisch macht.

Noch immer wissen zu wenige Ärzte in Pakistan über Lepra bescheid, klagt Zamir Khan. "Als meine Lepra begann, lebte ich in einer kleinen Stadt im Nordwesten von Karachi. Niemand dort wusste etwas über die Krankheit." Erst auf Umwegen kam er nach Karachi ins Marie-Adelheit-Leprosy-Center. "Die Behandlung hier ist erfolgreich. Früher ging's mir dreckig, heute fühl ich mich prima", sagt Khan voller Freude.

Regierung soll mehr Fortbildungen finanzieren

Chris Schmotzer fordert die Regierung dringend auf, mehr Schulung für die Landärzte Pakistans anzubieten: "Wir machen seit 1989 in unserem Arbeitsbereich Fortbildungen für Ärzte zu Lepra. Und es ist für mich doch immer wieder erschütternd, wenn ich erlebe, dass die Ärzte ein sehr niedriges Basiswissen haben, vor allem die Ärzte in der Peripherie. Da würde ich mir wünschen, dass die Regierung mehr macht", sagt Schmotzer.

Nur wenn viele Pakistaner verinnerlichen, dass Lepra keine Strafe Gottes für Ungläubige ist und dass die Betroffenen oft geheilt werden können, sei in Zukunft nicht mehr zu befürchten, dass geschieht, was sie noch vor ein paar Jahren im südlichen Sindh beobachtete, glaubt auch Ruth Pfau: "Es gab Fälle wie Adina, ein dreizehnjähriges Mädchen, die das Dorf in einer Höhle eingemauert hatte, weil sie Lepra hatte. Sie konnte nicht raus, ihr wurde noch Wasser und Fladenbrot gebracht, erzählt Ruth Pfau. "Als wir das erfahren hatten, haben wir sie rausgeholt. Adina ist heute verheiratet und hat vier Kinder."

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