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Kultur

Abseits von AIDS, Malaria und Tuberkulose

Durch vernachlässigte Krankheiten sterben jährlich elf Millionen Menschen. Es sind Krankheiten, die im Westen als ausgerottet gelten oder unbekannt sind. Die Weltgesundheitsorganisation will darum ihre Strategie ändern.

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Neue medizinische Wege gesucht

Mehr als elf Millionen Bewohner Afrikas, Asiens und Lateinamerikas starben 2001 an einer der so genannten vernachlässigten Krankheiten. Hunderte Millionen leiden unter ihnen. Dennoch tragen die "vernachlässigten Krankheiten" zu Recht ihren Namen: Im reichen Norden sind Krankheiten wie Leishmaniose oder Elephantiasis so gut wie unbekannt, viele halten Lepra für weltweit ausgerottet, klagt Anarfi Asamoa Baah, stellvertretender Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Die Gründe hierfür seien vielfältig, meint Baah: "Erstens treten diese Krankheiten im Westen nicht auf. Der zweite Grund ist, dass diese Krankheiten normalerweise ihre Opfer nicht töten. Sie lassen die Menschen erblinden, sie hindern sie an der Arbeit, man kann nicht schlafen, man hat Würmer. Aber es sind keine eigentliche Killerkrankheiten."

Ein soziales Problem

Auch wenn diese Krankheiten die Menschen möglichweise nicht sofort töten, bringen sie ihre Opfer in einen Teufelskreis. Durch die Krankheit können sie nicht mehr arbeiten, sinken damit tiefer in die Armut hinein, haben kein Geld für zum Beispiel sauberes Trinkwasser oder ausreichende Ernährung. Die hygienischen Bedingungen vor Ort sind verheerend - alles Bedingungen, in denen sich Erreger und Parasiten besonders wohlfühlen.

Doch der Teufelskreis kann durchbrochen werden, so Baah vom WHO: "Viele dieser Krankheiten traten noch vor ein paar Jahren weltweit auf. Aber heute kann man die meisten von ihnen mit Medikamenten heilen."

Lepra zum Beispiel lässt sich heutzutage heilen - früher war eine lebenslange Behandlung die einzige Möglichkeit, die Krankheit zu bremsen. Gab es 1984 noch 122 Länder, in denen Lepra verbreitet war, gab es 15 Jahre später nur noch 24 betroffene Länder.

Dabei könnte Lepra längst vollständig ausgerottet sein. Aber sie ist es nicht - ein Schicksal, das sie mit zahlreichen anderen vernachlässigten Krankheiten teilt. Der Grund: Die Krankheiten treffen fast ausschließlich die Schwächsten und Ärmsten der Gesellschaft, Menschen ohne politische Lobby.

Mehr Öffentlichkeit herstellen

Deshalb hat die Weltgesundheitsorganisation gemeinsam mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit eine internationale Konferenz ins Leben gerufen. Das soll ein erster Schritt sein, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die vernachlässigten Krankheiten zu lenken. Baah ist der Meinung: "Das wirkliche Problem ist das fehlende Bewusstsein der meisten Menschen in den Industrieländern. Sie sehen diese Krankheiten nicht in ihrem Alltag. Es ist nicht so, dass die Leute nicht helfen wollen. Aber einige von ihnen wissen nicht einmal, dass es auch im Jahr 2003 auf der Welt noch immer Lepra gibt."

Die erste Konferenz fand im Dezember 2003 in Berlin statt. Gemeinsam entwickelten Delegierte aus allen fünf Kontinenten eine neue Strategie für den Kampf gegen die vernachlässigten Krankheiten, von der sie sich größere Effektivität erhoffen.

Mehrere Krankheiten mit einem Schlag

Bislang hat sich die WHO immer nur auf den Kampf gegen einzelne Krankheiten konzentriert. Nun aber will sie einen neuen, einen umfassenderen Ansatz verfolgen, erklärt Baah: "Eine Reihe dieser Krankheiten betreffen denselben Kreis von Opfern. Deshalb ist es in Zukunft wichtig, zugleich gegen ein ganzes Paket von Krankheiten vorzugehen. Dabei haben wir vor allem Medikamente im Auge, die gleichzeitig mehrere Krankheiten bekämpfen können."

Kombinationsmedikamente wie diese könne man schon seit Jahren auf dem Weltmarkt kaufen, sagt Baah. Allerdings gebe es noch ein Problem: der Preis. "Einige dieser Medikamente sind für arme Menschen kaum zu bezahlen. Sie kosten einen Dollar pro Tag. Für uns im Westen ist das nicht viel, aber für die meisten Opfer dieser Krankheiten ist das noch immer viel zu teuer."

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