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Wirtschaft

Eon sucht den Befreiungsschlag

Der Energieriese Eon steht vor dem größten Umbau seiner Konzerngeschichte. Unter dem Druck der Energiewende trennt sich Eon von seinen Atom- und Kohlekraftwerken und setzt ganz auf Ökostrom.

Unbemerkt von der Öffentlichkeit liefen seit Anfang des Jahres Gespräche bei Deutschlands größtem Stromversorger Eon, wie der Konzern die neuen Herausforderungen auf dem Energiemarkt stemmen sollte. Dann der

Paukenschlag

am Sonntagabend: Eon wird sich in zwei Unternehmen aufspalten.

"Eon wird sich künftig vollständig auf erneuerbare Energien, Energienetze, Kundenlösung und damit die Bausteine der neuen Energiewelt konzentrieren", sagte Konzernchef Johannes Teyssen auf einer Pressekonferenz am Montag (01.12.2014). Die Bausteine der alten Energiewelt - Wasser, Kohle, Gas und Atom - werden in ein noch zu gründendes Unternehmen ausgelagert.

Bisher versuchte Eon, mit einem breiten Geschäftsmodell beide Welten zu berücksichtigen, mit wenig Erfolg. Zu schaffen machte dem Stromriesen der Preissturz in den vergangenen Jahren. Durch Überkapazitäten an Kraftwerken und den Ausbau des Ökostroms sind die Strompreise allein seit Anfang 2013 um mehr als ein Viertel gefallen. Die 2011 von der Bundesregierung beschlossene Energiewende und der damit verbundene Atomausstieg setzten dem Düsseldorfer Konzern ebenfalls zu. Hinzu kamen Verluste aus Zukäufen in Südeuropa. Insgesamt drückt den Konzern eine Schuldenlast von 31 Milliarden Euro.

Eon trägt die Altlast

Diese Schulden werden das neue Unternehmen nicht belasten, versicherte Teyssen: "Die Finanzverbindlichkeiten bleiben komplett bei Eon. Alle Schulden müssen von Eon bezahlt werden." Damit versuchte der Konzernchef Zweifel an der neuen Gesellschaft, mit Verlustbringern und Altlasten als eine Art Bad Bank zu fungieren, zu zerstreuen.

Zu der abgespaltenen Gesellschaft würden auch der globale Energiehandel sowie die Bereiche Exploration und Produktion gehören. Während über die Öl- und Gasförderung in der Nordsee nachgedacht wird, steht das im Moment schwächelnde Russland-Geschäft nicht zur Disposition. "Mit über 50 Gigawatt Erzeugungskapazität wird das neue Energieunternehmen ein führender Stromerzeuger in Europa und Russland. In Europa wird das neue Unternehmen der viertgrößte Stromerzeuger und der größte Betreiber moderner Gaskraftwerke sein", so Teyssen. Der ungebrochene Energiebedarf in Schwellenländern werde dem neuen Konzern zusätzliche Wachstumschancen bieten.

Die Aktie der neuen Firma - ein Papier für Zocker?

Einige Experten sehen den Abspaltungsplan skeptisch

. "Damit sind die Probleme der deutschen Energiewirtschaft zwar nicht gelöst, aber zumindest verschoben", schreibt Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblatts. "Gesucht, werden nun Investoren, die seit der Energiewende keine Zeitung mehr gelesen haben", so sein beißender Kommentar.

Es seien zwar unterschiedliche Investoren, räumte Eon-Chef ein: "Die einen werden mehr auf eine Verbindung von Wachstum und Dividende setzen bei der künftigen Eon, und die anderen werden sehr gezielt auf Volatilität und Konsolidierung setzen." Aber eine Zockeraktie sehe anders aus.

Arbeitsplätze werden nicht abgebaut

Die Konzernabspaltung soll keine Arbeitsplätze kosten. "Es wird kein Arbeitsplatzabbau in beiden Unternehmensgruppen erfolgen", sicherte Vorstand Mike Winkel zu. Das neue Energieunternehmen wird ein Drittel der rund 60.000 Mitarbeiter bei Eon beschäftigen. Die restlichen 40.000 bleiben bei dem zukunftsträchtigen Teil des Ökostroms. Seit 2007 hat Eon rund zehn Milliarden Euro in erneuerbare Energien investiert und werde die geplante Investition von 4,3 Milliarden für 2015 um 500 Millionen Euro aufstocken, kündigte Konzernchef Teyssen an. Im zweiten Halbjahr 2016 werde das ganze Programm abgeschlossen.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßte den Plan von Eon und sieht keine Gefahr für den Verbraucher. Mit der geplanten Abspaltung der konventionellen Energieerzeugung folgt der Konzern dem Beispiel der Ausgliederung von Lanxess aus dem Bayer-Konzern und der Osram-Trennung von Siemens. Der Schritt von Eon könnte auch Vorbild für andere Versorger in Europa sein.