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Wirtschaft

Kommentar: Eons Energiewende

Der größte deutsche Energiekonzern Eon will in Zukunft nur noch Ökostrom produzieren - nicht aus Gründen des Klimaschutzes, sondern um des eigenen Überlebens wegen, meint Henrik Böhme.

Das war ganz bestimmt nicht beabsichtigt: Unmittelbar vor dem Auftakt der diesjährigen Weltklimakonferenz in Lima verkündet Deutschlands größter Energieversorger Eon den Abschied von Kohle- und Atomstrom.

Es war sicher nicht die Sorge ums Weltklima, die die Chefetage des in Düsseldorf ansässigen Konzerns zu dieser Entscheidung bewogen hat. Sondern vielmehr ein gigantischer Schuldenberg, unter dem das Unternehmen zusammenzubrechen droht. Die Schulden stammen aus einer Zeit, als der Riese so dick und reich war, dass er mit Geld nur so um sich schmiss und weltweit auf Einkaufstour war. Um die Zukunft machte man sich in Düsseldorf damals keine Sorgen. Man lächelte aus dem prunkvollen Hauptquartier eher über die Wind- und Solaranlagenbauer und deren Probleme. Die eigenen Kraftwerke, vor allem die mit Atombrennstäben, produzierten zuverlässig Strom und warfen eine fette Rendite ab.

Die Energiewende zeigt Folgen

Dann, 2011, geschah im fernen Japan der GAU von Fukushima. Die Bundesregierung beschloss daraufhin den Ausstieg aus der Kernkraft. Die Energiewende war geboren - und seither wird Deutschland von Welt beäugt: Schafft es eine der größten Volkswirtschaften der Welt, Strom und Wärme in absehbarer Zeit ohne Kohle und Atom zu erzeugen; nur aus Wind, Sonne und Wasser?

Deutsche Welle Henrik Böhme Chefredaktion GLOBAL Wirtschaft

DW-Wirtschaftsredakteur Henrik Böhme

Nun ist es nicht so, dass man bei Eon, aber auch bei den anderen großen deutschen Energieversorgern wie RWE, EnBW und Vattenfall, die Augen vor dieser Entwicklung gänzlich verschlossen hat. Eon zum Beispiel hat in den vergangenen acht Jahren rund zehn Milliarden Euro in erneuerbare Energien investiert. Aber zu erkennen, dass am Ende dieser Entwicklung niemand mehr riesige Energiekonzerne braucht, sondern dass dezentrale Strukturen bei der Stromversorgung die Zukunft sein werden, zu dieser Erkenntnis hatte es bislang noch nicht gereicht. Das wird nun anders. Auch wenn sich Eon-Konkurrent RWE beeilte mitzuteilen, keine Aufspaltung zu planen, so ist doch anzunehmen, dass auch dort die Alarmglocken läuten. Vattenfall ist sowieso schon auf dem Rückzug aus Deutschland, will für den Atomausstieg ein paar Milliarden von der Bundesregierung einklagen und seine Braunkohlegruben in der ostdeutschen Lausitz verkaufen.

Rückbau der Atomkraftwerke muss Unternehmensaufgabe bleiben

Für die Energiewende in Deutschland ist Eons Umschwenken trotz allem ein gutes Zeichen. Das heißt nun nicht, dass der Konzern zum Vorreiter für eine klimafreundliche Stromproduktion wird. Dafür fehlt es ihm an Idealismus. Wie gesagt: Es war zuallererst eine unternehmenspolitische Entscheidung. Aber die Feststellung von Konzernchef Johannes Teyssen, dass das bisherige Geschäftsmodell den Realitäten nicht mehr gerecht wird, sagt eine Menge: Eon war der Frontrunner gegen den Atomausstieg, jetzt lagert er das Geschäft in so etwas wie eine "Bad Bank" aus. Bleibt zu hoffen, dass der Ableger mit genügend Geld ausgestattet wird, um den langwierigen und teuren Rückbau der Atomkraftwerke stemmen zu können. Sonst bleiben die Kosten am Ende womöglich doch beim Steuerzahler hängen.

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