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Aktuell Europa

Eine Tote bei Anti-Terror-Einsatz in Paris

Schüsse, mindestens eine Explosion und wieder Tote und Verletzte - nördlich von Paris geht die Polizei gegen mutmaßliche Drahtzieher der Terroranschläge in der Hauptstadt vor.

Als Spezialkräfte am Mittwochmorgen eine Wohnung in Saint-Denis nördlich von Paris stürmten, sprengte sich eine Frau in die Luft, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Drei Männer, die sich dort ebenfalls verschanzt hatten, wurden festgenommen, zwei weitere Verdächtige in der Nähe. In Agenturberichten heißt es, die Inhaftierten würden einer weiteren Extremistenzelle angehören. Die Gruppe habe einen Anschlag im
Pariser Geschäftsviertel La Defense geplant, sagte eine mit den Ermittlungen vertraute Person.

Mehrere Polizisten verletzt

Zuvor hatten Medien unter Berufung auf Polizeikreise berichtet, es habe zwei Tote gegeben. In der Mitteilung der Staatsanwaltschaft gab es dazu aber keine Informationen. Bei dem mehrstündigen Einsatz fielen auch Schüsse, mehrere Polizisten sollen verletzt worden sein. Möglicherweise befinden sich noch Verdächtige in der Wohnung. Der Einsatz dauert noch an.

Der Zugriff richtete sich ursprünglich gegen den Islamisten Abdelhamid Abaaoud, der als Drahtzieher der Anschläge vom Freitag mit 129 Todesopfern gesucht wird. Dies berichten mehrere französische Medien unter Berufung auf Ermittler. Der 28-Jährige ist der meistgesuchte Islamist Belgiens. Er hat marokkanische Wurzeln und lebte früher in der Brüsseler Islamistenhochburg Molenbeek, zuletzt soll er sich in Syrien aufgehalten und für die Terrormiliz "Islamischer Staat" gekämpft haben.

Der Einsatz habe gegen 4.30 Uhr begonnen, hieß es beim Sender BFMTV. Gegen 7.30 Uhr waren in Liveübertragungen offenbar Explosionen zu hören. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet, die Polizei habe auch den angeblichen Mieter der Wohnung festgenommen. Der Mann gab im Gespräch mit Journalisten an, zwei Personen beherbergt zu haben, die aus Belgien gekommen seien.

Weiträumige Absperrungen

Ein Polizeisprecher wollte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zunächst keine Angaben zu der Operation der Spezialkräfte machen. Die Gegend wurde weiträumig abgeriegelt, in der Luft waren Hubschrauber zu hören.

Der Einsatz spielte sich in einem Viertel im Zentrum des nördlichen Pariser Vororts ab, das nur etwa eineinhalb Kilometer vom Stade de France entfernt liegt. Dort hatten sich am Freitag als Teil der blutigen Terrorwelle drei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt.

Auf einer Straße in der Nähe gingen Soldaten in Stellung, teilweise mit Sturmgewehren im Anschlag. Im Stade de France, etwa eineinhalb Kilometer vom Ort des Einsatzes in Saint-Denis entfernt, kontrollierten Polizisten Fahrzeuge. Die nächstgelegene Metrolinie 13 war unterbrochen. Die Polizei rief die Menschen in der Gegend auf, zu Hause zu bleiben. Die Stadt Saint-Denis kündigte an, dass die Schulen in dem Bereich geschlossen bleiben sollten.

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In Berlin tritt nach der regulären Kabinettssitzung der Bundesregierung am Vormittag auch das Sicherheitskabinett zusammen, wie aus Regierungskreisen bestätigt wurde.

Zerschlagene Hoffnung

Am Dienstag hatte es eine Razzia gegen mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Paris auch in Deutschland gegeben. Bei einer breit angelegten Fahndung im Grenzgebiet nahe Aachen ging der deutschen Polizei aber nicht wie erhofft einer der Hauptverdächtigen der Pariser Terrorserie ins Netz.

Unter den sieben Festgenommenen befand sich demnach nicht der mit internationalem Haftbefehl gesuchte Salah Abdeslam. Der 26-Jährige ist ein Bruder eines der Selbstmordattentäter von Paris. Die Festgenommenen wurden am Abend wieder freigelassen.

"Leider ist es wohl nicht der, auf den wir alle gehofft hatten, dass er es sein könnte", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière im Anschluß an die Polizeiaktion. Der Minister sagte, die Gefährdungslage in Deutschland sei "wirklich hoch". Es gebe aber keinen Grund zur Panik.

Auch Maaßen in großer Sorge

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen betonte: "Wenn der IS uns treffen kann, wenn der IS Terroranschläge in Deutschland durchführen kann, wird er es tun. Das ist unsere große Sorge", erklärte Maaßen in der ARD mit Blick auf die Terrororganisation "Islamischer Staat". Der Präsident des deutschen Verfassungsschutzes ergänzte: "Deutschland ist Feind des IS. So sieht der IS uns - genauso wie alle westlichen Staaten."

haz/pab (dpa, rtr, afp)