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Wirtschaft

Eine Seefahrt, die ist lukrativ

Die neue Königin der Meere heißt "Queen Mary 2". Das größte Passagierschiff der Welt hat seinen Geburtsort Saint-Nazaire verlassen und dampft mit voller Kraft in eine goldene Zukunft, denn Kreuzfahrten sind gefragt.

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Kapitän Ronald W. Warwick und sein Schiff: die Queen Mary 2

Das enorme Schiff ist schon jetzt eine Legende: Beinahe alles an der "Queen Mary 2" lässt sich in Superlativen ausdrücken. Sie ist das größte und luxeriöseste Kreuzfahrtschiff das jemals gebaut wurde. Das Teuerste auch: 667 Millionen Euro kostete der Bau des Ozeanriesen in der Alstrom-Werft in Saint-Nazaire an der französischen Atlantikküste. Mit 74 Metern ist sie höher als die Türme der Pariser Kathedrale Notre Dame und mit 345 Metern Länge so lang wie der Eiffelturm hoch. Auf dem Schiff finden 2600 Passagiere Platz, umsorgt werden sie von rund 1300 Angestellten.

Fantasiepreise für Jungfernfahrt

Getauft wird die "Queen Mary 2" von gekröntem Haupt. Königin Elizabeth II. höchstpersönlich wird am 8. Januar eine Flasche Champagner an dem gewaltigen Rumpf zerschellen lassen. Ein Superlativ sind auch die Preise: Für eine Kabine bei der ersten zweiwöchigen Kreuzfahrt in der Karibik müssen die Passagiere schlappe 20.000 Euro berappen. Solch gut betuchte Kundschaft gibt es offensichtlich genug. Die "Queen Mary 2" ist nach Angaben ihrer Reederei Cunard Line bereits auf Jahre hin ausgebucht.

Deutschland als Wachstumsmarkt

Doch nicht nur das neueste Vorzeigeschiff ist so gefragt. Allgemein boomt das Geschäft mit den Kreuzfahrt-Schiffen. Der lukrative Markt wird von zwei großen Reedereien beherrscht. Die Eignerin der "Queen Mary 2", die britische Cunard Line, ist eine Tochtergesellschaft des weltgrößten Kreuzfahrtunternehmens Carnival aus den USA.

Hauptkonkurrent des US-Konzerns ist die Reederei Royal Carribean deren Riesenschiffe mit bis zu 4000 Passagieren von Kritikern als "Hotels mit Schraube" bezeichnet werden. Trotz der allgemeinen Tourismuskrise durch den Irak-Krieg und die Lungenseuche SARS fuhren beide Unternehmen 2003 satte Gewinne ein. Und auch die Aussichten für das nächste Jahr sind gut, in der vergangenen Woche stiegen die Aktien der beiden Kreuzfahrtkonzerne an der Wall Street auf ein Jahreshoch.

Vor allem in Deutschland sehen beide Unternehmen noch Wachstumspotential. Rund 400.000 Urlauber haben in diesem Jahr eine Kreuzfahrt gebucht, das entspricht rund 0,5 Prozent der deutschen Bevölkerung. Zum Vergleich: in Großbritannien liegt der Anteil bei 1,2 Prozent und den USA gar bei über 2 Prozent. Mittelfristig erwarten die Reedereien, dass auch der deutsche Markt um rund 800.000 Fahrgäste zulegt.

Landausflug nicht nötig

Die Schiffe selbst sind längst nicht mehr nur Beförderungsmittel für Touristen, um von Karibikinsel zu Karibikinsel zu schippern. Vielmehr verfolgen die Reedereien ein "Rundum-sorglos" Konzept. Den Passagieren stehen auf den Schiffen Theater, Kinos, Restaurants, Eisbahnen und künstliche Kletterwände zur Verfügung. Wellness-Angebote, Golfstunden und Tenniskurse können gebucht werden. Hunderte von Geschäften die rund um die Uhr geöffnet sind machen einen Landausflug eigentlich überflüssig.

Diese Zusatzeinnahmen lassen bei den Reedereien nochmal ordentlich die Kasse klingeln. Natürlich setzt die "Queen Mary 2" auch in diesem Bereich die Standards. Fünf Schwimmbäder, eine Einrichtung für Thalasso-Therapie, ein Planetarium und eine Kunstgalerie mit 200 Meisterwerken stehen den Passagieren zur Verfügung.

Unglück überschattet Abschied

Mit traurigem Blick dürften die 5000 Werftarbeiter in Saint-Nazaire dem Ozean-Koloss nachschauen. Für sie sieht die Zukunft weit weniger rosig aus. Sie haben innerhalb von nur zwei Jahren ein technisches Meisterstück vollbracht und stehen nun vermutlich vor dem Nichts. Denn Folgeaufträge in der Größenordnung der "QM 2" sind trotz des Kreuzfahrt-Booms nicht in Sicht.

Die Feier anlässlich des Abschieds der "Queen Mary 2" aus der Bretagne fiel nicht nur deswegen bescheidener aus als ursprünglich geplant. Im November waren bei einem Unglück im Trockendock 15 Besucher des Schiffes ums Leben gekommen, 28 wurden verletzt. Aus der "Queen Mary 2" wurde schon vor ihrer ersten Fahrt die "Bloody Mary". Auch ein Stoff aus dem Legenden sind.

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