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Kultur

Ein Feingeist auf dem Papstthron

Kurz vor dem zweiten Jahrestag seiner Wahl feiern Tausende mit Papst Benedikt XVI. seinen 80. Geburtstag. Ein Porträt über einen Mann, dem in seiner Amtszeit besonders der Dialog der Religionen am Herzen liegt.

Papst Benedikt XVI. (Foto: AP)

In seiner Ostermesse prangerte der Papst das Leid der Menschen in in Kriegsgebieten an

"Ich bin nicht der Mensch, dem dauernd viele Witze einfallen. Aber das Lustige im Leben zu sehen und die fröhliche Seite daran, das ist mir sehr wichtig. Und das ist für mein Amt auch notwendig." Der Mann, der das sagt, hat 1989 in München den Karl-Valentins-Orden für seinen Humor bekommen. Heute, 18 Jahre später, ist er Papst und damit der achte deutsche in der 2000-jährigen Kirchengeschichte. Besonders dieses Deutsche sprach eigentlich gegen ihn. Ein deutscher Papst war nach dem Schrecken der Diktatur der Nationalsozialisten und sechs Millionen ermordeter Juden in den Köpfen vieler Beobachter der Kirche einfach unvorstellbar.

Doch schon einen Tag nachdem die 115 Kardinäle am 18. April 2005 ins Konklave eingezogen waren, quollen Rauchschwaden aus dem Kamin über der Sixtinischen Kapelle. Kardinal Jospeh Ratzinger nennt sich von nun an Benedikt XVI. nach dem Friedenspapst Benedikt XV., der 1914 bis 1922 regierte. Und nach dem Heiligen Benedikt, dem Mönchsvater der Benediktiner, einem Orden, der seine Heimat Bayern prägt. Die Welt, zumal die katholische, jubelt. In Deutschland ist das Echo eher durchwachsen. Ratzinger war hierzulande als konservativer Hardliner verschrien.

Konklave (Foto: AP)

Nach nur vier Wahlgängen hatten die Kardinäle den neuen Papst gewählt

68er-Studentenproteste verstörten ihn zutiefst

Joseph Alois Ratzinger wurde am 16. April 1927 in ein bayerisches und damit ein typisch katholisches Elternhaus in Marktl am Inn hineingeboren. In seiner Kindheit war der Nationalsozialismus bereits spürbare Wirklichkeit. Schon in diesen Jahren erwachte in Joseph Ratzinger der Wunsch, Priester zu werden. Er wurde erst Flakhelfer, kam zum Reicharbeitsdienst nach Ungarn und geriet als Infanteriesoldat in amerikanische Kriegsgefangenschaft in Ulm.

Nach Priesterweihe und Promotion habilitierte er 1957 und lehrte Dogmatik und Fundamental-Theologie an unterschiedlichen deutschen Universitäten, bevor er vom damaligen Kölner Kardinal Frings zum Zweiten Vatikanischen Konzil mit nach Rom genommen wurde. Als Professor in Tübingen erlebte er die Studentenrevolte von 1968. Der Versuch der Studenten, den Muff von 1000 Jahren unter den Talaren wegzublasen, muss ihn zutiefst verstört haben. Er berichtete von Studenten, die mit Tomaten nach den Professoren warfen und in die Luft schossen und von Psychoterror, den befreundete Kollegen erleiden mussten.

Beim Weltjugendtag taute der zurückhaltende Papst auf

Papst Johannes Paul II. schüttelt Joseph Ratzinger die Hand (Foto: dpa)

Ein Vorbild für den Papst: sein Vorgänger Johannes Paul II.

An der Universität Regensburg schrieb Ratzinger wenig später seine "Einführung in das Christentum", die für jeden, der nach 1971 mit dem Theologie-Studium begann, ein Standardwerk wurde. Wenige Jahre später wurde er Erzbischof von München und Freising, Kardinal und 1982 Präfekt der Glaubenskongregation für die Reinhaltung der katholischen Lehre in Rom. Seit dem 19. April 2005 ist Joseph Ratzinger der erste deutsche Papst seit 482 Jahren. Verpflichtet fühlt er sich vor allem seinem Vorgänger, den er immer wieder voller Verehrung erwähnt und in dessen Sinne er sich verhalten will. Schon zwei Tage nach seiner Wahl galt eine erste Grußbotschaft dem Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde von Rom. Ökumene-Chef im Vatikan, Kardinal Walter Kasper, sagte über Benedikt: "Die Ökumene, die Begegnung mit den Juden, der interreligiöse Dialog, das führt er sehr bewusst weiter."

Auch bei den Menschen kommt Papst Benedikt XVI. gut an. Beim Weltjugendtag in Köln war der scheue Joseph Ratzinger "glücklich, mitten unter jungen Menschen zu sein". Je länger der Weltjugendtag im August 2005 dauerte, desto mehr taute Benedikt XVI. auf. Ob auf dem Rhein-Dampfer, im Kölner Dom oder beim großen Gottesdienst auf dem Kölner Marienfeld, wo eine Million Jugendliche teilweise die ganze Nacht ausharrten.

Lesen Sie weiter, wie die Welt auf die Regensburger Rede des Papstes reagierte...

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