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Kultur

Ein echt gutes Kinojahr

Dokumentarfilme füllen die Kinos. Dank digitaler Technik und neuer Politisierung blühte das Genre im Kinojahr 2004 richtig auf. Woher kommt die neue Lust auf Wirklichkeit?

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Wiederwahl Bushs nicht verhindert, trotzdem zufrieden: Michael Moore

Dokumentarfilme waren mal was für Sonderlinge, die allein in ungeheizte Programmkinos schlichen. Echte Cineasten, die mit Hollywood und dem schönen Schein nichts anfangen wollten. Das war einmal. Dokumentarfilme im Jahr 2004 füllen die Sitzreihen und die Kassen der Kinobetreiber.

Überraschungserfolge

Filmszene The Soul of a Man von Wim Wenders

So muss er ausgesehen haben - der Blues

Ob "The Blues" von Martin Scorsese, das britische Tauchfahrabenteuer "Deep Blue" oder Michael Moores "Fahrenheit 9/11": Mit Dokumentarfilmen kann man nicht nur Preise und Auszeichnungen sammeln, sondern inzwischen auch richtig Geld verdienen.

Einer der Überraschungserfolge des deutschen Kinos in diesem Jahr war "Die Geschichte vom weinenden Kamel" von Byambasuren Davaa und Luigi Falorni. Das Doku-Märchen über ein weißes Kamel brachte es immerhin auf 250.000 Zuschauer - eine Zahl, die ambitionierte deutsche Spielfilme nur selten erreichen.

Politischer Dokumentarfilm

Filmplakat: Michel Moore und sein Film Fahrenheit 9/11

100 Millionen Dollar hat der Film in den USA eingespielt

Noch besser lief Michael Moores "Fahrenheit 9/11", die filmische Kampfansage des Filmemachers an den amerikanischen Präsidenten George W. Bush. In Amerika hat der Film, der beim Festival in Cannes mit der "Goldenen Palme" ausgezeichnet wurde, mehr als 100 Millionen Dollar eingespielt. In Deutschland haben über eine Million Menschen die Produktion gesehen.

Sein erklärtes Ziel, die Wiederwahl Bushs zu verhindern, hat Moore mit dem Film nicht erreicht. Trotzdem: Die Renaissance des politischen Dokumentarfilms ist untrennbar mit dem Namen Moore verbunden. Auch wenn Moore mit manch fragwürdig erscheinenden Mitteln arbeitet. Er reiht sich mit seiner Parteinahme in eine lange Tradition des politischen Dokumentarfilms ein: Schon Regisseure wie Dziga Vertov oder Joris Ivens wollten mit ihren Filmen immer auch gesellschaftliche Veränderungen bewirken.

"Echtes" Leben auf der Leinwand

Sitzreihen im Kino

Platz nehmen und eintauchen - ab jetzt auch gerne in die "Wirklichkeit"

Woher die neue Lust auf die Wirklichkeit im Kino kommt? Vermutlich treibt eine Sehnsucht nach einem unverstellten Blick auf die Wirklichkeit die Menschen in die Dokumentarfilme. Gelangweilt von schlechter Fernsehunterhaltung und an den Haaren herbeigezogenen Kinofiktionen wächst der Wunsch nach vermeintlich "echtem" Leben auf der Leinwand.

Ein willkomenes Gegenkonzept zum Blockbuster-Kino tut sich hier auf. Ganz ohne Special-Effect-Orgien, synthetische Bilderwahl und aalglatte Schauspielkunst. Der Dokumentarfilm scheint im Moment einfach näher dran zu sein: Näher an der Wirklichkeit und näher am Geschmack einer wachsenden Fangemeinde. (mb)

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