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Filme

Geschichtsstunde aus erster Hand

"The Fog of War" ist die Geschichte Amerikas gesehen durch die Augen des früheren Verteidigungsministers Robert S. McNamara - einer der umstrittensten politischen Figuren. Der Film wurde mit einem Oscar gekrönt.

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Schonungslose Abrechnung mit sich selbst

Kern des Films "The Fog of War" ist das Gespräch zwischen Regisseur Errol Morris ("The thin blue line") und Robert S. McNamara. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen ist McNamara 85 Jahre alt. Hinter ihm liegt eine einzigartige Lebensgeschichte.

Vom Saulus zum Paulus

In den 1950er Jahren hatte sich Robert S. McNamara bei der Ford Motor Company bis zum Präsidenten hochgearbeitet. Er hatte den Posten - als erster Nicht-Angehöriger der Ford-Familie - gerade einen Monat inne, als John F. Kennedy ihn 1960 zum Verteidigungsminister berief. McNamara hatte militärische Vorkenntnisse: Zusammen mit General LeMay organisierte er als Offizier des statistischen Kontrollamts für die 20. Luftwaffendivision die ausschließlich gegen Zivilisten gerichtete Bombardierung Japans im Zweiten Weltkrieg.

In seine Amtszeit als Verteidigungsminister fielen die Kubakrise und der Beginn des Vietnamkrieges. McNamara genehmigte den Einsatz von Agent Orange (Schädlingsbekämpfungsmittel) und unterstützte "Rolling Thunder", die massive Luftangriffskampagne der U.S. Air Force gegen Nord-Vietnam, die im März 1965 eingeleitet wurde. Zu dieser Zeit war er vermutlich der meistgehasste Politiker der westlichen Welt. Keiner galt als so skrupellos wie der Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten. "IBM-Computer auf zwei Beinen" nannte man ihn, einen Technokraten des Krieges. Ende 1967 schied McNamara überraschend aus dem Amt. Er wurde Präsident der Weltbank und organisierte Feldzüge gegen Elend und Hochrüstung. Er verwandelte sich in einen Nato-Kritiker und einen Anwalt der Armen.

McNamara nimmt kein Blatt vor den Mund

The Fog of War

The Fog of War - McNamara spricht in die Kamera

Mit "The Fog of War" ist Errol Morris ein ungemein spannendes und kritisches Portrait des Politikers gelungen. Aus mehr als 20 Stunden Interviewmaterial wurde ein 106 Minuten langer Film, der sich um elf einprägsame Lehrsätze rankt, die McNamara aus seinem nachdenklichen Rückblick auf die Ereignisse entwickelt hat. Von "Versetze dich in deinen Feind" über "Eine Richtlinie im Krieg sollte Verhältnismässigkeit sein" bis zu "Du kannst die menschliche Natur nicht verändern". Letztendlich sind diese Lehrsätze als Warnungen an künftige Generationen zu verstehen. "Mit meinen 85 Jahren habe ich ein Alter erreicht, in dem ich zurückblicken und Schlüsse aus meinen Taten ziehen kann. Mein Grundsatz lautet, versuche zu lernen, versuche zu verstehen, was passiert ist. Lerne deine Lektion und gib sie weiter".

Morris lässt McNamara direkt in die Kamera und damit zum Publikum sprechen. Offen und selbstkritisch reflektiert er über Kriege und Krisen, über Entscheidungen, die Hunderttausenden von Menschen das Leben gekostet haben. Der Film zeigt einen Mann, der einerseits stolz ist auf sein Lebenswerk, andererseits aber auch im Alter noch hadert, der sich verteidigt und anklagt, über das menschliche Wesen philosophiert und Rat geben will. Ausführliche Archivaufnahmen der Ereignisse und erst kürzlich freigegebene Tonbandaufnahmen aus dem Weißen Haus helfen dem Zuschauer, McNamaras Aussagen dem jeweiligen Kapitel der Vergangenheit zuzuordnen. Unterlegt sind die Bilder mit eindringlicher Musik von Philip Glass.

Bestes Dokumentarkino

Der Titel des Films entstammt einer englischen Redewendung: Im Krieg, so der Kern dieses Ausdrucks, hüllen sich die tatsächlichen Ereignisse im Nebel. Auch den Befehlshabern bleibt oft Wesentliches verborgen. In McNamaras Worten: "Krieg ist so komplex, dass der menschliche Verstand unmöglich alle Variablen erfassen kann". "The Fog of War" bekam in diesem Jahr den Oscar für den besten Dokumentarfilm. Zu Recht. Gemäß der New York Times sollten alle "Bürger und die militärischen und zivilen Führer in aller Welt in diesen trügerischen Zeiten 'The Fog of War' genau studieren".

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