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Afrika

Ebola bedroht Afrikameisterschaft

Afrika fiebert dem Turnier entgegen. Doch die Ebola-Epidemie überschattet das Event: Die Angst vor Ansteckung durch Spieler und Fans geht um. Jetzt hat der Verband ein Machtwort gesprochen.

Die Botschaft aus Ägypten war deutlich: Entweder, die Elfenbeinküste richtet das Qualifikationsspiel gegen die National-Elf von Sierra Leone aus, oder sie fliegt noch vor der Gruppenphase raus. Das Machtwort des Afrikanischen Fußball-Verbandes (CAF) mit Sitz außerhalb von Kairo verfehlte seine Wirkung nicht: Am Dienstag (02.09.2014) teilte der Nationale Sicherheitsrat der Elfenbeinküste mit, das Qualifikationsspiel in der Gruppenphase gegen Sierra Leone werde am Samstag(06.09.2014) wie geplant in der Hauptstadt Abidjan stattfinden.

Der Vorfall zeigt: Vor Beginn der dreimonatigen Gruppenphase der Afrikameisterschaft am 5. September

steigt die Angst

der 28 teilnehmenden Länder, dass Fußballteams und Fans neben der Begeisterung auch das tödliche Ebola-Virus einschleppen könnten. Die Seychellen hatten dem Team aus Sierra Leone bereits Ende Juli die Einreise verweigert und das Qualifikationsspiel abgeblasen.

Auch Titelverteidiger Nigeria betroffen

Die Elfenbeinküste grenzt direkt an die am stärksten von Ebola betroffenen Staaten Liberia, Guinea und Sierra Leone. Dort sind seit Ausbruch der Krankheit in diesem Jahr mehr als 1.500 Menschen gestorben, wie hoch die Zahl der Infizierten wirklich ist, weiß niemand. Doch offensichtlich war den Ivorern die Aussicht auf die Teilnahme am großen Fußball-Event in Marokko nun doch wichtiger.

Nigerias Nationalmannschaft freut sich über den Pokal Foto: BEN STANSALL/AFP/Getty Images

Glückliche Sieger: Nigerias Nationalmannschaft gewann 2013 die Meisterschaft

Wie groß die Angst unter den afrikanischen Staaten ist, hat auch Titelverteidiger Nigeria zu spüren bekommen: Nachdem Fälle von Ebola in der nigerianischen Wirtschaftsmetropole Lagos gemeldet wurden, sagte das südafrikanische Lesotho vor einigen Wochen kurzerhand ein Spiel in Nigeria ab. "Und das obwohl der Austragungsort Kaduna tausend Kilometer weit von Lagos entfernt liegt", sagt der nigerianische Sportjournalist Shehu Saula im Gespräch mit der DW. Trotzdem hat er Verständnis. "Wir sprechen hier über Angst: Angst unter den Spielern und Angst unter den anreisenden Fans, dass sie sich anstecken könnten."

Fußball-Fans sehen Africa-Cup in Gefahr

Anfang August hatte der CAF bereits alle Spiele in den betroffenen Staaten abgesagt und nach Ghana verlegt. "Diese Länder sehen glücklicherweise ein, warum wir diese Maßnahmen ergreifen mussten", sagt

Erick Mwanza

, Sprecher des Afrikanischen Fußballverbands. "Natürlich ist den Spielern klar, dass sie einen Vorteil verlieren, wenn sie nicht vor heimischem Publikum spielen können." Aber der größtmögliche Schutz sei auch in ihrem Interesse: Viele Nationalspieler von Guinea und Sierra Leone stehen im Ausland unter Vertrag, wie etwa der guineische Spieler Ibrahima Traoré beim Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Er und andere Spieler wären bei Heimspielen genauso dem Ansteckungsrisiko ausgesetzt.

ghanaischer Fußballfan Foto: REUTERS/Stefano Rellandini

Die Fans hoffen, dass die Afrikameisterschaft wie geplant stattfindet

Sollte die Ebola-Epidemie nicht drastisch eingedämmt werden, und danach sieht es derzeit nicht aus, sieht Sportjournalist Saula die Afrikameisterschaft in fünf Monaten in Marokko ernsthaft in Gefahr. "Das ist eine tödliche Situation", sagt er. "Entweder, wir bekommen die Krankheit in den Griff, oder wir müssen ein Turnier ausrichten, das viele Menschen nicht werden besuchen können und bei dem die Spieler in einem halbleeren Stadion spielen müssen." Der CAF müsse drastische Maßnahmen für die Ausrichtung der Meisterschaft in Marokko ergreifen, so der Sportjournalist.

Marokko zeigt Soldarität

Wie einige davon aussehen könnten, weiß Saidu Tanimu, Sportfunktionär im nigerianischen Bundesstaat Bauchi. "Nigeria sollte alle Personen, die zur Meisterschaft reisen wollen, untersuchen und niemanden ausreisen lassen, der Anzeichen für eine Erkrankung aufweist", rät Tanimu. "Entsprechend sollte auch Marokko an seinen Flughäfen Kontrollen durchführen und Verdächtige

nicht einreisen lassen

."

Ein Riesenaufwand für Marokko. Doch dass das Königreich diesen Aufwand auf sich nimmt, scheint nicht ausgeschlossen: Es zeigt derzeit große Solidarität mit den von Ebola betroffenen Staaten und hat seine staatliche Fluggesellschaft Royal Air Marocco (RAM) angewiesen, seine Flüge in die Länder nicht zu reduzieren - als weltweit einzige Fluggesellschaft.

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