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Afrika

Afrikas Regierungen machen dicht

Aus Angst vor der Ebola-Epidemie schotten afrikanische Regierungen ihre Häfen und Flughäfen ab. Aber was bringen Fieberkontrollen und Einreiseverbote wirklich?

Mehr als 1200 Tote und 2100 Verdachtsfälle:

Ebola

hält die Behörden vieler afrikanischer Staaten in Atem, viele schotten sich ab, viele sind nervös. Seit Dienstag (19.08.2014) fliegt kein Flugzeug der kenianischen Fluggesellschaft Kenya Airways mehr nach Liberia und Sierra Leone. Die Elfenbeinküste lässt Schiffe aus den von der Ebola-Epidemie betroffenen Ländern nicht mehr durch seine Gewässer fahren. Kamerun schließt seine Grenzen zu Nigeria. Und in Nigeria darf nur noch ins Flugzeug steigen, wer mit Normaltemperatur die Fieberkontrolle am Flughafen passiert.

"Ich denke, dass die Einschränkung des Flugverkehrs ein Ausdruck der Hilflosigkeit der dortigen Autoritäten ist, die Krankheit einzudämmen", sagt Dieter Häussinger, Direktor des Hirsch Instituts für Tropenmedizin. Der Erfolg der Fieberüberwachung sei fragwürdig, denn mit der Methode ließen sich Ebola-Infizierte nicht von Personen mit Sommergrippe abgrenzen. Viele Fragen blieben ungeklärt, bemängelt Häussinger: "Was passiert mit den fieberhaften Patienten, die kein Ebola haben? Kommen die dann auch in Quarantäne?"

Fieber-Kontrolle am Flughafen von Nigerias Hauptstadt Abuja Foto: Macjohn Akande / Anadolu Agency

Fieber-Kontrolle am Flughafen von Nigerias Hauptstadt Abuja

Purer Aktionismus?

Auch Tomas Jelinek, medizinischer Direktor des Berliner Centrums für Reise- und Tropenmedizin (BCRT), hält Maßnahmen wie die in Nigeria für puren Aktionismus. Bei der SARS-Pandemie vor zwölf Jahren habe es ähnliche Kontrollen gegeben, gebracht hätten sie wenig. "Man darf sich nicht vormachen, dass man durch diese Kontrollen wirklich eine große Sicherheit schaffen würde."

In Nigeria sind mittlerweile vier Menschen an Ebola gestorben. Alle Fälle gehen auf einen Mann aus Liberia zurück, der Ende Juli auf dem Flughafen von Lagos zusammengebrochen und wenig später in Quarantäne gestorben war. Auch bei Inlandsflügen gibt es inzwischen Fieber-Kontrollen. Dabei reisen die meisten Menschen mit Bussen. Kontrollen wären hier wegen der schieren Menge der Reisenden und der mangelnden Infrastruktur kaum umsetzbar. "Die Öffentlichkeit schaut viel stärker auf die Flüge. Was in den Bussen passiert, wird kaum wahrgenommen", sagt Tropenmediziner Jelinek. Aber: "Irgendwelche Maßnahmen muss die Regierung ja treffen und da setzt sie auf Maßnahmen, die sichtbar sind."

Deutsche Welle Kiswahili Redaktion Cartoon zu Ebola

"Warum ist die Nationalität das Problem und nicht die Krankheit?", fragt eine Reisende. Wer aus Westafrika einreist, droht am Flughafen Nairobi nicht ins Land gelassen zu werden - es sei denn, er ist Kenianer.

Kenia fürchtet Isolation

Kenia scheint eine ähnliche Strategie zu fahren: Die Entscheidung, Liberia und Sierra Leone nicht mehr anzufliegen und Menschen aus den von Ebola betroffenen Ländern

nicht mehr einreisen zu lassen

, deutet Jelinek als Vorsorgemaßnahme, nicht selbst isoliert zu werden. Vor wenigen Tagen hatte die WHO erklärt, in Kenia bestehe ein erhöhtes Risiko für das Übergreifen der Epidemie aus Westafrika. Der Flughafen der Hauptstadt Nairobi gilt als wichtiges Drehkreuz im afrikanischen Luftverkehr. Die südkoreanische Fluggesellschaft Korean Air kündigte an, ab dem 20. August wegen der Seuche alle Flüge nach Kenia zu streichen, obwohl es in dem Land bislang keinen Ebola-Fall gegeben hat.

"International findet im Moment eine deutliche Überreaktion statt, die durch die Gefahr des Virus' gar nicht gerechtfertigt ist", sagt Jelinek. Bei anderen Krankheiten, etwa Tuberkulose, sei das Ansteckungsrisiko wesentlich höher, weil die Viren nicht nur über Körperflüssigkeiten, sondern auch durch die Luft übertragen werden könnten. Wenige tausend Ebola-Infizierte stünden Millionen von Tuberkulosekranken und -toten gegenüber.

Ebola West Point Slum Monrovia: Infizierte verlassen Isolierstation Foto: John Moore/Getty Images

Flucht aus der Isolierstation in Monrovia: Großes Misstrauen in der Bevölkerung

Großes Misstrauen in der Bevölkerung

Die Abschottungsmaßnahmen afrikanischer Regierungen würden die Bevölkerung nur weiter beunruhigen, glaubt auch Tropenmediziner Häussinger. Wichtiger sei es, die Menschen aufzuklären, damit sie gerade in den von Ebola betroffenen Regionen mit den Helfern kooperieren. Das sei vielerorts kaum noch möglich, sagt BCRT-Direktor Jelinek. Das

Misstrauen

gegenüber der westlichen Medizin ist groß. Vielerort kursiert der Mythos, dass die vermummten medizinischen Helfer-Teams das Virus nach Westafrika gebracht haben. In in Liberias Hauptstadt Monrovia stürmten in der Nacht zum Sonntag (17.08.2014) Menschen eine Krankenstation und

befreiten die sich in Quarantäne befindlichen Patienten

. "Es gibt kein Ebola in Liberia", riefen die Angreifer. Die Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf wolle mit Berichten über die Epidemie lediglich an internationale Hilfe kommen. Die Situation müsse heruntergekühlt werden, mahnt Jelinek. "Dazu würde auch gehören, dass man von Anfang an sinnlose Kontrollmaßnahmen einfach sein lässt - zum Beispiel Fieberkontrollen an Flughäfen."

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