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Wirtschaft

Durststrecke für deutsches Bier

Deutschlands größter Bierbrauer Dr. Oetker baut um. Die Berliner Kindl-Brauerei schließt nach 130 Jahren ihre Pforten. Auch bei Brinkhoff in Dortmund wird künftig nicht mehr gebraut. Was ist los auf dem Biermarkt?

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Der Gerstensaft hat ein Image-Problem

Dem Brauereisterben in Deutschland fallen erstmals zwei Großbrauereien zum Opfer. Die Oetker-Biersparte, die unter dem Namen RB Brauholding agiert, will bis zu 450 Arbeitsplätze abbauen. "Der sinkende Biermarkt und erhebliche Überkapazitäten machen Einschnitte unumgänglich," sagte der Chef der Oetker-Biersparte, Ulrich Kallmeyer.

Mit der Bündelung der Bierproduktion in Dortmund bei der Brauerei DAB und in Berlin bei Schultheiss werde eine grundlegende Sanierung angegangen, erläuterte Kallmeyer sein Konzept. Bisher gab es an beiden Standorten je zwei Großbrauereien. Diese sind momentan nur zur Hälfte ausgelastet. 50 Millionen Euro sollen in den kommenden 12 Monaten an beiden Standorten investiert werden.

Für den Verbraucher wird sich nichts ändern. Weder Kindl-Bier noch die Marke Brinkhoff werden aus den Regalen verschwinden.

Über Jahre hinweg hatte sich Dr. Oetker den Weg zum nationalen Bier-Imperium geebnet. Mit der Übernahme des Dortmunder Getränkeunternehmens Brau und Brunnen gelang 2004 der Aufstieg zur nationalen Nummer eins. Neben Radeberger und Jever gehören Marken wie Schöfferhofer Weizen, Clausthaler Alkoholfrei und Sion Kölsch dazu.

Vorhersehbare Entwicklung

"Das ist eine ganz normale Entwicklung", sagt Uwe Witt, Referatsleiter Getränkewirtschaft bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Hamburg. Rund 1260 Brauereien gibt es in Deutschland – dem gegenüber steht ein sinkender Bierkonsum.

Besucher des Münchener Oktoberfestes stossen mit Maßkrügen an, Bier

Glas halb leer - auch andere Getränke schmecken gut.

"Man muss aber auch mal sehen, wo wir herkommen", gibt Rudolf Böhlke, Branchenexperte bei der Unternehmensberatung Ernst & Young, zu bedenken. 1976 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 156 Liter Bier im Jahr – das waren damals 23 Prozent des gesamten Getränkekonsums des Durchschnitts-Bundesbürgers. An die Zukunft haben die Brauer bei diesem komfortablen Zustand eher selten gedacht, sagt Böhlke. "Seitdem sind wir auf dem absteigenden Ast." Dazu kommt, dass die Getränkevielfalt heute eine ganz andere ist als noch vor 30 Jahren.

Gute Chancen für die Kleinen

"Das deutsche Bier hat ein Imageproblem", hat Böhlke festgestellt. "Bier hat das Image eines Durstlöschers, und nicht das eines Genussmittels wie Wein oder Sekt." Das Reinheitsgebot garantiert, dass es kein wirklich schlechtes deutsches Bier gibt – wirklich unterscheiden kann man die Biere aber auch nicht. Ob die in schicken Glasflaschen oder in der Billigversion in PET-Flaschen abgefüllt sind, ändert an der Güte des Inhalts nichts.

Schwarzbier

Regionale Spezialitäten haben gute Chancen im Überlebenskampf.

Gute Chancen haben nach Expertenmeinung so genannte Gasthof-Brauereien, die nur kleine Mengen Bier brauen. "Sie haben ein gutes Image und müssen ihr Bier nicht weit herumkarren", sagt NGG-Experte Witt. Schwierig hingegen ist die Lage für die mittelgroßen Brauereien: "Sie haben zu viel Kapazitäten, um nur den regionalen Markt zu bedienen." Andererseits sind sie aber nicht groß genug, um national mitspielen zu können. Und: "Den gesamtdeutschen Markt versuchen internationale Konzerne mit zu organisieren." So mischen Heineken, Interbrew und Carlsberg ebenfalls kräftig mit und machen den Einheimischen das Leben schwer.

Hoffen auf die emotionale Bindung

Doch selbst wenn der Trend auf dem Getränkemarkt in Richtung Alkoholfreies und innovative Getränke geht und der Markt konsolidiert werden muss: "Das Bier hat ein Pfund, mit dem es wuchern kann", hofft Böhlke. Bier gehöre zur deutschen Kultur und die Deutschen hätten eine starke emotionale Bindung an ihr Nationalgetränk.

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