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Neurowissenschaften

Die Suche nach der Kreativität im Gehirn

Eine brillante Idee macht einen Menschen nicht gleich kreativ. Es ist viel komplizierter als das. Nur so viel vorweg: Kreativität ist angeboren. Wir können sie aber auch erlernen. Glück gehabt!

Eine Definition für die Kreativität zu formulieren, ist nahezu unmöglich. Und fast genauso schwer ist es, ihren Ursprung im menschlichen Gehirn zu finden.

Forscher definieren die Kreativität als eine besondere Leistung, die gleichzeitig neu und angemessen ist.

Sieht man die Kreativität jedoch nicht mehr als Eigenschaft, sondern als ein Konzept, müssen mehrere neue Aspekte beachtet werden: Eine pfiffige Idee müsste demnach so umgesetzt werden, dass sie für andere Menschen zugänglich und nützlich ist. Erst dann gilt man als kreativ.

Evolution eines kreativen Einfalls

Man schrieb das Jahr 1926 als der englische Soziologe und Psychologe Graham Wallas seine Theorie für die Entstehung einer kreativen Leistung aufstellte. Laut Wallas besteht der kreative Prozess demnach aus fünf Phasen:

Dr. Konrad Lehmann (Konrad Lehmann)

Konrad Lehmann ist Forscher und Dozent am Institut für Allgemeine Zoologie und Tierphysiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Eine Person könne nur kreative Einfälle haben, wenn sie in einem Gebiet gebildet und geübt sei, so Wallas. Diese Phase nannte er die Vorbereitung.

Nur ein vorbereiteter Verstand könne in die nächste Phase übergehen: Während der Inkubation reift eine Idee still im Innern, unbemerkt vom Bewusstsein treibt sie Knospen und blüht auf.

"Die Inkubationsphase geschieht in Bereichen des Gehirns, die Default Mode Netzwerk (DMN, Ruhezustandsnetzwerk, Anm. d. Red.) genannt werden", erklärt Konrad Lehmann, Neurowissenschaftler an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Autor des Buches "Das Schöpferische Gehirn". "Das DMN ist höchst aktiv, wenn wir gerade gar nichts tun, zum Beispiel, wenn wir uns entspannen oder Tagträumen".

Die Erleuchtung des Gehirns

Just in dem Moment, in dem man mit etwas anderem beschäftigt ist, schlägt der Geistesblitz in das Bewusstsein ein. Dieser Erleuchtung geht häufig ein plötzliches Gefühl von Vorahnung voraus.

"Entsteht eine Idee, so ist die Aktivität in der rechten Hälfte des Gehirns erhöht", sagt Lehmann. "Gefolgt wird diese Aktivität von einer zunehmenden Erregung im linken Stirnlappen, wo die letzte Phase der kreativen Leistung erfolgt. Bei der Bestätigung wird die Idee bewertet, umgesetzt und der Außenwelt präsentiert."

Eine angeborene Gabe?

Kreativität kann genetisch vorbestimmt sein. Die Veranlagung dazu begründen Psychologen und Neurowissenschaftler mit dem "Big Five"-Modell der Persönlichkeiten. Demnach steht die "Offenheit für Erfahrungen" mit der Kreativität in Zusammenhang.

Menschen, die offen für Abenteuer sind, sind im Durchschnitt auch neugieriger, haben eine blühende Fantasie und hinterfragen vieles. Doch es sind nicht nur die neugierigen Persönlichkeiten, die mit der Kreativität in Verbindung gebracht werden. Häufig wird auch behauptet, dass ein gewisser Wahnsinn nicht von der Kreativität wegzudenken ist. Wie viel davon entspricht der Wahrheit?

Symbolbild Denken Kopf Grafik Fragezeichen Birne Zahnrad (Fotolia/jeff Metzger)

Kreativ werden kann jeder. Denn oft stecken auch ein paar Tricks und Techniken dahinter, die uns auf die Sprünge helfen

"Es gibt Studien, die zeigen, dass Verwandte von psychisch Kranken oft kreativer sind als andere. Trotzdem darf man die psychische Verfassung eines Menschen nicht in 'gesund' und 'krank' unterteilen, nicht als Schwarz oder Weiß sehen. Es ist eher ein Grauverlauf. Irgendwo in der Mitte dieses Gradienten findet sich vielleicht eine Person, die kreativer ist und gleichzeitig eine Veranlagung zur psychischen Erkrankung hat", erklärt Lehmann. "Ab einem bestimmten Punkt übernimmt dann die psychische Erkrankung und der Betroffene verliert die Fähigkeit, einen klaren Gedanken zu fassen".

Kreativität und Wahnsinn

Die bipolare Störung, früher als manische Depression bekannt, ist eine psychische Erkrankung, die häufig mit Kreativität assoziiert wird. Betroffene durchleben euphorische Phasen, gefolgt von tiefer Depression. Euphorische oder manische Phasen können monatelang anhalten und sind von Hyperaktivität gezeichnet. Während dieses Zustands werden kreative Leistungen schneller und leichter vollbracht. Die darauffolgende Depression macht es den Betroffenen häufig schwer, sich auf kreative Aufgaben zu konzentrieren.

"Es ist durchaus bekannt, dass der deutsche Komponist Robert Schumann an einer bipolaren Störung litt. In seinen manischen Phasen schrieb er viel mehr als in depressiven", erzählt Lehmann. "Interessant ist dabei, dass die Stücke, die er in manischen Phasen schrieb, nicht unbedingt besser sind."

Natürlich muss man nicht psychisch krank sein oder eine genetische Veranlagung haben, um ein kreativer Mensch zu sein. "Jeder hat die Fähigkeit kreativ zu sein, vielleicht nicht wie Leonardo Da Vinci, aber gut zu kochen ist ja schon ein super Anfang!"

Was tun bei einer Schreibblockade?

Jeder, der einen kreativen Beruf ausübt oder kreativen Hobbies nachgeht, kennt diese plötzliche Leere im Innern, die der Mangel an Ideen auslöst. Es gibt zwei gegensätzliche Methoden, um das Gehirn wieder in Gang zu bringen.

Eine davon lautet: Einfach anfangen. Denn geübten Hirnregionen beginnen dann, Informationen auszuwählen und zu kritisieren. Möglicherweise wird eine Kaskade der Aktivität ausgelöst, die zu einer kreativen Idee führt.

Die zweite Methode basiert auf dem Gegenteil: Das Problem ansammeln, recherchieren und versuchen, mehrere Lösungen zu finden. Dann alles stehen und liegen lassen und spazieren oder schlafen gehen. "Man hofft damit, dass die Idee von alleine kommt. Denn so versucht man, das eigene Gehirn zu manipulieren und das Default Mode Netzwerk - Ruhezustandsnetzwerk - zu aktivieren. Das soll dann die Arbeit für einen erledigen", folgert Lehmann.

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