Die Skandal-Chronik der Leichtathletik | Sport | DW | 17.06.2016
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Sport

Die Skandal-Chronik der Leichtathletik

Seit mehr als einem Jahr wird die Sport-Welt und speziell die Leichtathletik von einem Doping- und Korruptionsskandal erschüttert. Die wichtigsten Ereignisse - beginnend mit einer ARD-Dokumentation - im Überblick.

3. Dezember 2014: Auslöser des Skandals war der ARD-Dokumentarfilm "Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht". Darin wird enthüllt, dass die Erfolge russischer Leichtathleten Ergebnis von systematischem Doping, Vertuschung von Kontrollen und Korruption war.

11. Dezember 2014: Papa Massata Diack, der Sohn von IAAF-Präsident Lamine Diack, lässt seine Tätigkeit als Marketingberater ruhen. Russlands Leichtathletik-Präsident Walentin Balachnitschjow zieht sich als Schatzmeister des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF zurück.

12. Dezember 2014: Der Direktor der Anti-Doping-Abteilung in der IAAF, der Franzose Gabriel Dollé, legt sein Amt nieder.

16. Dezember 2014: Der frühere WADA-Chef Richard Pound leitet die Kommission zur Aufklärung der Doping-Vorwürfe gegen Russland. Weitere Mitglieder des Gremiums sind der Sportrechtsexperte Richard McLaren und der deutsche Kriminalbeamte Günter Younger.

17. Februar 2015: Wegen des Dopingskandals tritt Russlands Leichtathletik-Chef Balachnitschjow zurück. Nachfolger wird Wadim Selischenko.

16. Juli 2015: Aufgrund von Doping-Ermittlungen zieht der russische Leichtathletik-Verband vorläufig sein komplettes Geher-Team von internationalen Wettkämpfen zurück. Die WM findet Ende August in Peking ohne die mit Abstand erfolgreichste Geher-Nation statt.

2. August 2015: Die Dokumentation "Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik" der ARD und "Sunday Times" präsentiert neue Belege für Vergehen in Russland und auch Kenia. Das Kernstück der Dokumentation ist eine Datenbank von über 12.000 Blutproben von rund 5000 Läufern, die von der IAAF stammen soll. Darunter sollen 800 Sportler mit dopingverdächtigen Werten sein, die von 2001 bis 2012 bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften gestartet sind.

19. August 2015: Der Brite Sebastian Coe wird zum neuen IAAF-Präsidenten gewählt. Er löst Diack ab, der fast 16 Jahre lang amtierte.

IAAF-Präsident Lord Sebastian Coe (l.) und sein Vorgänger Lamine Diack (r.) sitzen bei einer Pressekonferenz nebeneinander (Foto: picture-alliance/dpa/F.Robichon)

IAAF-Präsident Lord Sebastian Coe (l.) und sein Vorgänger Lamine Diack arbeiteten lange Zeit eng zusammen

4. November 2015: Diack wird Bestechlichkeit und Geldwäsche vorgeworfen. Die französische Justiz erhebt Anklage gegen den 82-Jährigen.

6. November 2015: Diack soll in seiner Amtszeit mehr als eine Million Euro für die Vertuschung positiver Doping-Proben kassiert haben. Dies erklärt die französische Staatsanwältin Eliane Houlette.

9. November 2015: Die unabhängige WADA-Kommission um Pound legt ihren ersten Bericht vor, der ein Schreckensbild der Doping-Praktiken in der russischen Leichtathletik zeigt. Die Kommission empfiehlt in Genf, Russland aus der IAAF auszuschließen. Dem russischen Sportminister Witali Mutko wird vorgeworfen, er solle angeordnet haben, "bestimmte Dopingproben zu manipulieren".

10. November 2015: Die WADA entzieht dem Doping-Kontrolllabor in Moskau vorläufig die Akkreditierung. Das Internationale Olympische Komitee suspendiert das IOC-Ehrenmitglied Lamine Diack.

13. November 2015: Die IAAF suspendiert den Gesamtrussischen Leichtathletik-Verband ARAF angesichts der gravierenden Dopingvorwürfe. Wenn die Suspendierung nicht aufgehoben wird, ist eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio nicht möglich.

18. November 2015: Die WADA suspendiert Russlands Anti-Doping-Agentur RUSADA, weil sie die Regeln nicht eingehalten hat.

7. Januar 2016: Die Ethikkommission der IAAF sperrt im Zuge des Dopingskandals den Sohn von Ex-Präsident Diack, Papa Massata, den ehemaligen IAAF-Schatzmeister Balachnitschjow und Russlands Ex-Cheftrainer Alexej Melnikow lebenslang. Der frühere Anti-Doping-Chef Dollé wird für fünf Jahre gesperrt.

12. Januar 2016: Interne Dokumente aus der IAAF-Zentrale, die der Nachrichtenagentur AP zugespielt wurden, belegen, dass der Weltverband seit 2009 vom massiven Doping in Russland wusste.

Die Olympische Flagge (l.) weht neben der Fahne Russlands (r.) (Foto: picture-alliance/dpa/S. Nogier)

Russland bleibt bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ausgeschlossen - saubere Sportler dürfen starten

14. Januar 2016: Bei der Präsentation des zweiten Berichts wirft die unabhängige WADA-Kommission im Münchner Vorort Unterschleißheim der IAAF "ein komplettes Versagen im Kampf gegen Doping und Korruption" vor. Hauptverantwortlicher für die "Organisation und Ermöglichung der Verschwörung" sei der frühere IAAF-Präsident Diack. Die neuen Erkenntnisse hätten den "kompletten Zusammenbruch der Führungsstrukturen und das Fehlen von Verantwortlichkeit innerhalb der IAAF" ergeben.

6. März 2016: Die WDR-Sendung "Sport Inside" liefert neue Belege für Verstöße gegen die Anti-Doping-Richtlinien im russischen Leichtathletik-Verband RUSAF. Demnach betreut der eigentlich gesperrte Trainer Wladimir Mochnew offenbar weiter Athleten, ein Juniorentrainer soll nebenher mit Dopingmitteln handeln. Zudem soll die neue Chefin der suspendierten RUSADA als einfache Mitarbeiterin einst Athleten den Zeitpunkt von Dopingkontrollen verraten haben.

12. Mai 2016: Der ehemalige Leites des Moskauer Anti-Doping-Labors, Gregori Rodschenkow, sagt der "New York Times", er habe systematische Manipulationen im russischen Team während der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi mitorganisiert. 15 der russischen Medaillengewinner in Sotschi seien gedopt gewesen.

27. Mai 2016: Bei Nachkontrollen zu den Olympischen Spielen 2012 in London sind 23 Sportler positiv getestet worden, gibt das IOC bekannt.

15. Juni 2016: Die WADA erhebt erneut schwere Vorwürfe. So sollen zwischen dem 15. Februar und 29. Mai insgesamt 736 geplante Dopingkontrollen nicht durchgeführt worden sein. Kontrolleure seien in Russland von Athleten massiv behindert und von Beamten des russischen Geheimdienstes FSB eingeschüchtert worden.

17. Juni 2016: Einstimmig bestätigt das Council der IAAF die Sperre für die russischen Leichtathleten. Damit dürfen sie bei den Olympischen Spielen in Rio nicht starten. Es gibt jedoch einen Kompromiss. Einzelne Athleten können unter neutraler Flagge teilnehmen, sofern sie nicht im russischen Doping-System involviert sind. Wer das ist, will das IOC bestimmen.

21. Juni 2016: Nachweislich saubere russische Leichtathleten dürfen bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro unter ihrer Landesflagge starten, teilt das IOC mit. Voraussetzung für eine Teilnahme ist, dass die Sportler sich außerhalb des maroden Anti-Doping-Systems Russlands aufhalten und testen lassen.

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