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Kultur

Die Macht der Hacker

Ein Kino-Spaß weniger kommt in diesem Winter auf die Leinwände. Die amerikanische Komödie "The Interview" wurde nach Drohungen von Hackern abgesetzt. Gewinnen Cyberkriminelle immer mehr Einfluss?

Ein The Interview-Filmplakat in New York (c) picture-alliance/epa/Justin Lane

Ein "The Interview"-Filmplakat in New York

Es ist noch gar nicht so lange her, da lief in Deutschland der erfolgreiche Film "Who am I" an. Ein Hackerfilm. Ein Film darüber, wie weit ein Hacker geht, um an bestimmte Daten heranzukommen und so einem Hacker-Boss zu imponieren. Der Film zeigt aber auch, wie weit eine Behörde geht, um die Veröffentlichung dieser Daten zu verhindern und mit Hilfe von Hackern andere Hacker zu überführen. Bekehrte Hacker gegen böse Hacker.

Der Sony Konzern hatte wohl keine "guten" Hacker, die die Lücken im System entdeckt und die Gefahr rechtzeitig gebannt hätten. Schon öfter wurde Sony das Ziel solcher Cyber-Attacken. Dabei kamen auch wertvolle Kreditkartendaten in Umlauf. Doch Sony scheint daraus nicht gelernt zu haben, meint Stephan Urbach, früher selbst Hacker und heute Netzaktivist: "Das ist keine Panne mehr, das ist Fahrlässigkeit".

Filmausschnitt The Interview. Zwei Journalisten schauen auf ihre Uhren.

Die Schauspieler James Franco und Seth Rogen sind die Hauptdarsteller in "The Interview".

Hacken für Kim Jong-un

Der jüngste Datenklau hat nicht nur dafür gesorgt, dass Emails, vertrauliche Dokumente, unveröffentlichte Drehbücher oder eben Kreditkartendaten von Sony Picture Entertainment ans Tageslicht kommen. Die Hacker haben durch die Veröffentlichung auch erreicht, dass die Komödie "The Interview" nicht in den amerikanischen Kinos anlaufen wird. Es ist eine Komödie, in der zwei Journalisten vom CIA angeheuert werden, um den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un nicht nur zu interviewen, sondern dabei auch umzubringen. Die Hackergruppe, die sich selbst "Guardians of Peace" nennt, hatte angekündigt, die gestohlenen Daten zu veröffentlichen, wenn der Filmstart nicht gestoppt würde.

Hacker wollen mehr als Geld

Fast jedes fünfte Unternehmen war nach Angaben der EU-Kommission 2010 von Hackerangriffen betroffen. In den meisten Fällen wollen Hacker, die die Server von Unternehmen und Banken lahmlegen, Aufmerksamkeit oder Geld. Auf die Schockwirkung setzte vor drei Jahren die Hacker-Gruppe "Anonymus", als sie die Internetseite einer amerikanischen Beratungsfirma knackte und Kreditkartendaten kopierte. Es gab aber auch in der Vergangenheit bereits politisch oder religiös motivierte Angriffe. Vor zwei Jahren hatte ein Cyber-Angriff den Internetauftritt einiger US-amerikanischen Großbanken lahmgelegt. Die Gruppe "Cyber fighters of Izz ad-din Al qassam" bekannte sich zu den Attacken und forderte einen umstrittenen Mohammed-Film aus dem Internet zu nehmen.

Blick auf einen Bildschirm

Kriminelle hacken sich in ins Internet großer Konzerne.

Angst vor echtem Terrorismus

Die Gruppe "Guardians of Peace" hat es auf jeden Fall geschafft, die Angst vor Terrorismus zu schüren. In der amerikanischen Regierung befürchtet man, aus dem Cyber-Verbrechen könnte ein realer Terrorangriff entstehen. Dass der Film "The Interview" aber wirklich nicht das Licht der Filmwelt erblicken wird, glaubt Ex-Hacker Stephan Urbach kaum. "So ein Hackerangriff trifft die Konsumenten und nicht wirklich den Konzern." Sony werde weiter Umsatz machen und seine Play-Station verkaufen. "Der Film wird am Ende auch im Netz landen, da hilft alles nichts", ist er überzeugt.

In Deutschland sollte der Film im Februar 2015 anlaufen. Sony überlässt es den Kinos, ob sie den Film spielen oder nicht. Der Konzern selbst hat sich entschieden, "The Interview" auch auf anderen Ausspielwegen wie privaten Kabelkanälen oder DVD nicht zu veröffentlichen.

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