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Aktuell Amerika

Kinostart von "The Interview" in den USA abgesagt

In dem Film sollen zwei US-Journalisten Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un töten. An Weihnachten sollte er anlaufen. Doch nach Terrordrohungen bekamen die großen US-Kinoketten kalte Füße.

Szene aus dem Film The Interview mit den Hauptdarstellern James Franco und Seth Rogen (Foto: Sony Pictures Releasing GmbH).

Szene aus dem Film "The Interview" mit den Hauptdarstellern James Franco (l.) und Seth Rogen

Nach Terror-Drohungen gegen Vorführungen des umstrittenen Films "The Interview" hat das Filmstudio "Sony Pictures" den Kinostart abgesagt. "Angesichts der Entscheidung einer Mehrheit unserer Kinobetreiber, den Film nicht zu zeigen, haben wir beschlossen, den für den 25. Dezember geplanten Kinostart abzusagen", zitierten zahlreiche US-Medien aus einer Mitteilung des Filmstudios. So wird noch an diesem Donnerstag eine offizielle Erklärung der Behörden erwartet, nach der Hacker im Auftrag Nordkoreas hinter der Affäre stecken.

Obama: "Ohne Angst ins Kino"

US-Präsident Barack Obama empfahl den Amerikanern, trotz aller Drohungen "ohne Angst ins Kino" zu gehen. Vorerst seien die Drohungen nicht glaubwürdig, deutete er in einem Interview von "ABC News" an. "Wir bleiben wachsam, und wenn wir etwas sehen, das bedrohlich und glaubwürdig aussieht, werden wir die Öffentlichkeit warnen", sagte Obama.

"Wir respektieren und verstehen die Entscheidung unserer Partner und teilen natürlich auch ihr vorrangiges Interesse an der Sicherheit ihrer Angestellten und Kinobesucher", begründet "Sony Pictures" die Entscheidung zum Rückzug des Films aus den Kinos. Zudem werde es auch keine andere Form der Veröffentlichung des Films geben, sei es als Video auf privaten Kabelkanälen oder auf DVD, zitierte das Magazin "Variety" eine Sony-Sprecherin.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un (Foto: Reuters)

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un - steckt er hinter Hacking und Terrordrohungen?

Ein beispielloses Vorgehen für Hollywood

Zuvor hatten zahlreiche große Kino-Ketten in Nordamerika mitgeteilt, den Film nicht zeigen zu wollen. Auch die für diesen Donnerstag geplante New Yorker Premiere wurde nach Medienberichten abgeblasen. Wie der "Hollywood Reporter" berichtet, verzichtet das "Landmark's Sunshine Cinema" darauf, den Film zu zeigen. Die Angreifer hätten in E-Mails an Reporter konkrete Drohungen mit Verweis auf den 11. September 2001 veröffentlicht. Laut "Wall Street Journal" will auch die viertgrößte US-Kinokette "Carmike Cinemas" den Film nicht zeigen. Sony Pictures habe den Kinos die Entscheidung, ob sie den Streifen bringen wollen, selbst überlassen - ein beispielloses Vorgehen für Hollywood. Normalerweise stünden die Spielpläne Monate im Voraus fest. Das Filmstudio war zuletzt Ziel einer massiven Hacker-Attacke geworden.

"The Interview" sollte am 25. Dezember in den USA starten. In dem Streifen bekommen zwei US-Journalisten, gespielt von Seth Rogen und James Franco, den Auftrag, den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un bei einer Interview-Gelegenheit zu töten. In Deutschland sollte der Film, dessen Produktion rund 44 Millionen Dollar (etwa 35 Millionen Euro) gekostet hat, im Februar anlaufen. Die Drohungen rund um den Film stammten vermutlich von denselben Personen, die Ende November die Computersysteme von "Sony Pictures" angegriffen hatten, berichtet das "Wall Street Journal" weiter.

Szene aus dem Film The Interview mit James Franco und Seth Rogen (Foto: Sony Pictures Releasing GmbH)

Und noch eine Szene aus "The Interview" mit James Franco und Seth Rogen

"Unverhohlene Unterstützung von Terrorismus"

Unter Berufung auf Quellen bei der US-Bundespolizei FBI meldete der Sender "Foxnews", dass Nordkorea hinter diesen Cyberattacken stehe. Allerdings sei der Angriff nicht unbedingt aus dem Land selbst erfolgt. Dabei war es den Hackern in einer beispiellosen Aktion gelungen, flächendeckend auf die Datenbestände des Konzerns zuzugreifen. Über Tage war der IT-Betrieb von "Sony Pictures" lahmgelegt. Eine Hackergruppe namens "Guardians of Peace" hat sich inzwischen zu den Angriffen bekannt und fordert konkret, den Film "The Interview" zu stoppen. Nordkorea bestreitet offiziell, an der Attacke beteiligt gewesen zu sein.

Bereits im Juli hatte sich Nordkorea aber wegen des Films bei den Vereinten Nationen beschwert. Einen Film über die Ermordung eines amtierenden Staatschefs zu produzieren und zu veröffentlichen sei nicht nur eine "Kriegshandlung" sondern auch eine "unverhohlene Unterstützung von Terrorismus", erboste sich Pjöngjang damals. Kim wird in dem Film als übergewichtiger, an Zigarren kauender und streng bewachter Diktator dargestellt.

sti/kle (dpa afp)