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Europa

Die Krise als Chance

Optimisten sehen in der Krise eine Chance - für die Umwelt und das Klima. Ein Grund: Es würden weniger Treibhausgase produzuiert, sagt Wolfgang Sachs vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.

Portrait von Wolfgang Sachs (Foto: privat)

Wolfgang Sachs vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

DW-WORLD.DE: Die Engländer suchen Schuldenböcke, die Spanier reißen sich wieder darum, Oliven pflücken zu dürfen. Überrascht Sie das?

Wolfgang Sachs: Nein, das überrascht nicht. Das ist ein Backlash der Globalisierung generell. Irgendwann war das zu erwarten, weil die ungelenkte Globalisierung ja auch genügend Nachteile für viele Leute gebracht hat. Deshalb ist es nicht überraschend.

Es gibt ja Optimisten, die sagen, jede Krise ist eine Chance. Sehen Sie das genauso?

Als Ökologe hat die Krise zunächst einmal viele Chancen, denn es tut dem Klima, es tut der Biodiversität und es tut der Umwelt sehr gut, wenn es eine Wirtschaftskrise gibt.

Wie meinen Sie das?

Man prognostiziert jetzt bei gegenwärtigen Krisenerwartungen, dass es im nächsten Jahr acht Prozent weniger Treibhausgase in der Welt geben wird.

Woran liegt das?

Das liegt daran, dass einfach Wirtschaftstätigkeit und Aktivität zurückgeht. Es werden Stahl-, Chemie und Papierwerke weniger produzieren und es wird weniger Transporte geben. Im Hinblick auf die Klimakrise gibt uns das eine kleine Atempause.

Geben Sie doch ein Beispiel: Was wären denn die drei wichtigsten Maßnahmen, die man sofort angehen müsste, um eine noch schlimmere Krise zu verhindern?

Windräder im Meer vor einem Sonnenuntergang (Foto: Chris Radburn)

Mit Windkraft der Wirtschaft auf die Sprünge helfen und die Umwelt schützen

Der entscheidende Punkt ist ja, wie man der Wirtschaft auf die Sprünge helfen und gleichzeitig das Klima ein Stück weit retten kann. An erster Stelle stehen Gebäudesanierungen, um in diesem Bereich mindestens 50 Prozent, wenn nicht sogar 70 Prozent an Treibhausgasemissionen einzusparen. Zweitens sollte mehr Windkraft, Sonnenkraft und Biomasse genutzt werden, um eine breite, regenerative, dezentrale Energieversorgung voranzubringen. Und drittens sollten wir über eine Transportinfrastruktur nachdenken, die es uns einmal in Zukunft erlauben wird, sehr viel weniger Auto zu fahren. Das sind natürlich dicke Investitionen.

Gibt es denn schon europäische Länder, die man sozusagen als Vorbilder bezeichnen könnte?

Vorbilder wäre übertrieben. Es gibt Spurenelemente. Im ersten Konjunkturpaket der deutschen Bundesregierung gibt es Anläufe für Gebäudesanierungen. Die Europäische Union würde ganz gerne auch die Unterstützung der Automobilindustrie daran binden, dass in Zukunft sehr viel verbrauchsärmere Autos produziert werden.

Woran mangelt es Ihrer Meinung nach?

Es fehlt die Bereitschaft, zu sehen, dass diese Krise jetzt ein Vorbote für eben die größere Krise im Hintergrund – die Klimakrise – ist.

Weitsichtiges Handeln wäre momentan angesagt?

Ja.

Und was würden Sie dem einfachen Olivenpflücker oder dem einfachen Bandarbeiter bei Opel zum Beispiel sagen, was könnte der tun, damit es eben nicht noch zu einer schlimmeren Krise kommt?

Ich denke, es ist jeder gut beraten, sich ein Stück unabhängiger zu machen. Also zum Beispiel weniger zu verbrauchen und mehr selbst zu machen. Das ist ja nicht nur in der Energie so, dass kann auch im Hausbau oder in der Nahrungsmittelversorgung sein.

Sie haben ja die Studie "Zukunftsfähiges Deutschland"geleitet. Würde es Sie nicht reizen, eine Studie "Zukunftsfähiges Europa" in Angriff zu nehmen?

Ja, das wäre ganz gewiss eine interessante Geschichte.

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