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Afrika

Die Jagd nach Warlord Ntaganda

Seit April wird im Ostkongo wieder gekämpft, nachdem Teile der Armee meuterten. Sie folgten dem Warlord Bosco Ntaganda, der vom Internationalen Strafgerichtshof wegen der Rekrutierung von Kindersoldaten gesucht wird.

Bosco Ntaganda (Foto: dapd)

Bosco Ntaganda in der Uniform der kongolesischen Armee

Das Flüchtlingscamp Nkamira in Ruanda ist völlig überfüllt. In das Lager an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo passen eigentlich nur 2500 Menschen, doch schon jetzt sind es mehr als 5000. Eine Frau kommt gerade mit vier Kilo Bohnen und zwölf Kilo Mais für ihre Familie von der Essensausgabe und beklagt sich, dass sie davon noch einen Teil gegen Brennholz tauschen muss, um eine Mahlzeit zu kochen. "Wir essen ohne Salz, da es keins gibt. Und seit unserer Ankunft steigen die Preise immer mehr."

Überfülltes Flüchtlingslager in Nkamira (Foto: dapd)

Überfülltes Flüchtlingslager in Nkamira

Das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen spricht von 20.000 Flüchtlingen. Sie verließen ihre Dörfer in Nord-Kivu, vor allem im Gebiet Masisi, in denen sich Regierungstruppen und meuternde Soldaten bekämpfen. Für den Gouverneur in Nord-Kivu, Julien Paluku, ist klar, dass Bosco Ntaganda für die Kämpfe verantwortlich ist. "Wenn er in die Hände der Regierung kommt, wird er sich für seine Taten verantworten müssen", droht Paluku.

Weggefährte von Kagame, Lubanga und Nkunda

Bosco Ntaganda hat eine lange Geschichte als Soldat, kämpfte in verschiedenen bewaffneten Gruppen. Geboren in Ruanda, musste er das Land aufgrund der ethnischen Attacken auf die Volksgruppe der Tutsi jedoch als Jugendlicher verlassen. Er wurde Mitglied der Ruandischen Patriotischen Front von Paul Kagame, dem heutigen Präsidenten Ruandas. Nachdem diese 1994 den Genozid an Tutsi und gemäßigten Hutu in Ruanda beendete, schloss sich Ntaganda zunächst der ruandischen Armee an, bevor er später für verschiedene kongolesische Rebellentruppen kämpfte.

Thomas Lubanga vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (Foto: Reuters)

Schuldig: Thomas Lubanga vor dem Internationalen Strafgerichtshof

Von 2002 bis 2005 kämpfte er unter Thomas Lubanga in der Union Kongolesischer Patrioten. Der Rebellengruppe werden hunderte ethnische Morde, Vergewaltigungen und Folter vorgeworfen. Thomas Lubanga wurde im März vom Internationalen Gerichtshof für die Rekrutierung von Kindersoldaten schuldig gesprochen. Gegen Ntaganda liegt deshalb seit 2006 ebenfalls ein Haftbefehl vor. Im DW-Interview bezeichnet er sich und Lubanga als unschuldig. "Es gibt nichts Schlechtes, das mein Freund getan hat. Er muss die Verantwortung für die Armee, der er vorstand, und für die regierenden Politiker übernehmen", sagt Ntaganda. "Ich verstehe nicht, warum sie mich verfolgen, obwohl ich nur der Vierte in der Führung nach Lubanga war."

General mit internationalem Haftbefehl

2006 trat Ntaganda dem Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes CNDP bei, der Tutsi-Rebellengruppe des brutalen Laurant Nkunda im Nord-Kivu. 2009 verdrängte er Nkunda und ließ sich mit der CNDP in die kongolesische Armee integrieren. Dort wurde er zum General ernannt - trotz des Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshof. "Der Integrationsprozess ist gescheitert. Nicht nur mit der CNDP, sondern mit vielen anderen bewaffneten Gruppen", sagt Thierry Vircoulon, der für die "International Crisis Group" die Lage in Zentralafrika analysiert. "Es ist nicht die kongolesische Armee, die die Milizen im Osten aufgenommen hat. Sondern es sind die Milizen, die es geschafft haben, die Armee aufzunehmen."

Prozess vor kongolesischem Gericht?

Anfang April nun meuterte Ntaganda mit einem Teil der ehemaligen CNDP-Rebellen, weil er eine Verhaftung fürchtete. Obwohl die Armee in den vergangenen Tagen Erfolge und die Aufgabe vieler Meuterer meldete, ist die Lage weiterhin unklar. Thierry Vircoulon fordert eine professionelle Verhaftung von Ntaganda, mit mehr Rücksicht auf Zivilisten. Außerdem kritisiert er den Plan des kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila, Ntaganda vor ein kongolesisches Gericht zu stellen und ihn nicht an den Internationalen Strafgerichtshof auszuliefern: "Das kongolesische Rechtssystem hat in der Vergangenheit bewiesen, dass es nicht zuverlässig und vor allem politisch nicht unabhängig ist."

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