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Afrika

Schuldspruch gegen Charles Taylor

Mehr als fünf Jahre hat der Prozess in Den Haag gedauert. An diesem Donnerstag ist Liberias ehemaliger Diktator Charles Taylor schuldig gesprochen worden . Die Verhandlung war schwierig, die Beweislage dünn.

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Charles Taylor Prozess

Wie ein erfolgreicher Geschäftsmann wirkte Charles Taylor während seines Prozesses in Den Haag. Der ehemalige liberianische Präsident präsentierte sich im feinen Anzug mit Krawatte, tadellos und elegant. An diesem Donnerstag (26.04.2012) hat das UN-Sondertribunal für Sierra Leone das Urteil gegen ihn verkündet. Er soll für zahlreiche Kriegsverbrechen verantwortlich sein. Damit ist er das erste afrikanische Staatsoberhaupt, das von einem internationalen Gericht zur Verantwortung gezogen wird.

Der Rechtsanwalt Alpha Sesay hat seit Juni 2007 den Prozess gegen Taylor beobachtet. Er arbeitet in Sierra Leone für die Menschenrechtsorganisation "Open Society Justice Initiative". Der Prozess sei "überaus wichtig" für seine Landsleute, sagt Sesay. Die Anklage wirft dem früheren liberianischen Präsidenten vor, in Sierra Leone eine Rebellentruppe unterstützt zu haben. So soll er versucht haben, die Diamantenfelder des Landes unter seine Kontrolle zu bringen. Mehr als 50.000 Menschen starben bei den Kämpfen zwischen Rebellen und Armee. Zehntausenden schlugen die Rebellen Arme und Beine ab.

Schwere Beweislage

Diamanten (Foto: dpa)

"Blutdiamanten" - Taylor soll es vor allem um die wertvollen Steine gegangen sein

Die Herausforderung für die Anklage: Beweise zu liefern, dass Charles Taylor für diese Verbrechen verantwortlich war. "Das größte Problem war, dass die passenden Dokumente fehlten", sagt Harman van der Wilt, Professor für Völkerstrafrecht an der Universität Amsterdam. Das habe das Verfahren außergewöhnlich lang gemacht. Lange Verfahren sind im internationalen Strafrecht jedoch nicht außergewöhnlich. Der Prozess gegen den kongolesischen Warlord Thomas Lubanga aus dem Kongo dauerte sechs Jahre - obwohl die Beweislage besser war. "Solche Gerichtsprozesse sind einfach kompliziert", sagt Harman van der Wilt im DW-Interview.

So habe niemand bestritten, dass es in Sierra Leone während des Bürgerkrieges zu grausamen Menschenrechtsverletzungen gekommen ist. "Die Verteidigung hat die Straftaten sogar zugegeben", sagt Alpha Sesay. Das Problem für die Anklage sei es vielmehr gewesen zu beweisen, dass Charles Taylor diese Verbrechen persönlich angeordnet hat. In insgesamt elf Punkten war der 64-Jährige angeklagt: Von Vergewaltigung bis hin zu Mord soll er alles selbst angeordnet haben. "Er ist aber selber nie nach Sierra Leone gefahren", sagt Sesay. Vielmehr sollen Rebellen nach Liberia gereist sein, um von Taylor Anweisungen entgegen zu nehmen.

Supermodel im Zeugenstand

Naomi Campbell auf Bildschirm (Foto: AP)

Supermodel Naomi Campbell im Zeugenstand

Die Anklage rief vor allem Zeugen auf, die eine nahe Verbindung zu Taylor hatten. Dadurch wollte sie die Befehlskette aufdecken und Taylor somit für die Menschenrechtsverletzungen verantwortlich machen. "Selbst der ehemalige Vize-Präsident von Liberia hat ausgesagt", berichtet Sesay. Die Tatsache, dass der Prozess in Europa und nicht in Sierra Leone stattfand, habe dabei geholfen, die Zeugen zum Reden zu bringen, glaubt der Anwalt.

Die sicherlich berühmteste Zeugin im Prozess hatte aber nichts mit Politik zu tun: Im August 2010 sagte Supermodel Naomi Campbell gegen Taylor aus. Zur Enttäuschung der Anklage sagte sie jedoch nicht mit vollkommener Sicherheit aus, dass sie sogenannte "Blutdiamanten" von Charles Taylor bekommen habe. Viele glauben, dass Diamanten die Hauptmotivation für Taylor waren, sich überhaupt im Bürgerkrieg in Sierra Leone einzumischen.

Keine Vorladung für Gaddafi

Friedhof in Sierra Leone (Foto: AP)

Gedenken an die Opfer - ein Friedhof in Sierra Leone

Aber auch Kritik wurde laut: Zum einen wurde die Verlegung des Prozesses aus Sierra Leones Hauptstadt Freetown nach Den Haag kritisiert. Aus Sicherheitsgründen sollte der Prozess nicht am Ort des Geschehens stattfinden. Zum anderen gab es Kritik daran, dass die Rolle des ehemaligen libyschen Machthabers Gaddafi in Sierra Leone völlig ausgeblendet wurde. Der UN-Sicherheitsrat hatte Gaddafi bereits im Jahr 2003 mit dem Konflikt in Sierra Leone in Verbindung gebracht. Er soll die Rebellen mit Geld, Waffen und Munition ausgestattet haben.

Alpha Sesay von der "Open Society Justice Initiative" glaubt trotzdem, dass dieser Prozess für die Zukunft richtungsweisend sein wird. "Die Allmächtigen müssen jetzt eigentlich alle wissen, dass sie sich für schwere Straftaten verantworten müssen."

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